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München - Leonardo kritisiert die Transferpolitik der deutschen Klubs scharf. Hat der PSG-Spordirektor recht? SPORT1 beleuchtet den Kampf um die französischen Talente.

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Als Leonardo auf den Namen Thomas Meunier angesprochen wurde, hatte der stets gut angezogene Sportdirektor von Paris Saint-Germain sprichwörtlich eine richtige Krawatte. 

"Unter diesen Bedingungen war eine weitere Zusammenarbeit unmöglich", schimpfte der Brasilianer bei der französischen Zeitung Le Parisien und redete sich in der Folge regelrecht in Rage.

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Als das Thema Meunier - der ablösefrei von PSG zu Borussia Dortmund wechselt - abgearbeitet war, legte Leonardo einen Rundumschlag gegen die deutschen Bundesligaklubs nach. 

Leonardo sieht Gefahr durch deutsche Klubs

"Deutsche Vereine, vor allem Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund baggern immer mehr an jungen Spielern aus Frankreich. Die sind eine Gefahr für die Jugendakademie in Frankreich und das ist ein großes Problem", führte der 50-Jährige aus: "Sie rufen Eltern, Freunde, Familienangehörige oder den Spieler selbst an. Mit 15 oder 16 Jahren bekommen die jungen Talente schon den Kopf verdreht. Vielleicht sollte man die Regeln ändern, um die französischen Vereine zu schützen."

Jüngst sorgte in Frankreich der Transfer des 18-jährigen Tangu Kouassi für Aufregung, der ablösefrei von Paris zum FC Bayern wechselte.

Insgesamt spielten in der letzten Saison 28 Franzosen im deutschen Oberhaus, viele von ihnen sind vielversprechende Talente. Nur Österreich stellte mehr Bundesliga-Akteure (31). 

Doch was ist an Leonardos Kritik dran, müssen die französischen Klubs tatsächlich vor den deutschen Vereinen beschützt werden?

Es geht um Geld und sportliche Perspektive

"Es stimmt, dass der Druck auf die französischen Klubs bezüglich junger Talente riesengroß geworden ist", meint L'Équipe-Journalist David Fioux bei SPORT1: "Die deutschen Klubs spielen da eine Rolle." 

Tatsächlich sind die Scouts der Bundesligisten wohl in keinem anderen Land so zahlreich, wie in Frankreich. Auf dem französischen Markt haben sie laut Fioux einen entscheidenden Vorteil: das Finanzielle. "Sie können mehr Prämien zahlen und die Spielerberater verdienen mehr Geld an den Transfers", erklärt der Journalist. Ein großes Problem für viele Ligue-1-Klubs.

Doch was sagt der BVB zu den Vorwürfen des PSG-Managers? "Ich muss schon feststellen, dass Leonardo da offensichtlich einem Irrtum unterliegt", wehrt sich Dortmunds Sportdirektor in der Bild. "In der Regel ist es nämlich genau andersrum, als er es darstellt. Wir werden von den Familien und Beratern aus Frankreich aktiv angesprochen, da sie bei uns oft eine bessere Durchlässigkeit und ein höheres Entwicklungs-Potenzial der Talente sehen."

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Dies ist laut Fioux auch der Hauptgrund für den Exodus der französischen Talente, findet Fioux. "Die Spieler können in Deutschland schnell auf einem hohen Niveau spielen." Das zeigt sich am Beispiel von Christopher Nkunku. Das Offensiv-Talent wechselte im letzten Sommer von PSG zu RB Leipzig. In Paris kam Nkunku nur unregelmäßig zum Einsatz, in Leipzig ist er seit dem Wechsel eine feste Größe.

"Es sind nicht nur die deutschen Klubs"

Ohnehin vergisst Leonardo laut Fioux eine entscheidende Tatsache: "Es sind nicht nur die deutschen Teams, die Konkurrenz ist überall stark." 

So wechselte jüngst der 20-jährige Pierre Kalulu von Olympique Lyon zum AC Mailand, oder der 17-jährige Jean-Claude Ntenda von Nantes zu Juventus Turin. Den Verantwortlichen der Klubs muss klar sein, dass es längst nicht mehr reicht, Talente zu fördern. Es geht um ein Gesamtpaket.

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"Wir müssen den Spielern ein glaubwürdiges Projekt vorstellen und auch einen Weg in die Profi-Mannschaft aufzeigen", sagte Julien Fournier, Sportdirektor des OGC Nizza, bei L'Équipe

Den jungen Talenten ein vielversprechendes Projekt zu bieten ist bei Paris Saint-Germain eine Aufgabe von Leonardo - und eine Möglichkeit, um sich vor dem Vorgehen der deutschen Klubs zu schützen.