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Die Saison in der Ligue 1 wurde abgebrochen, Frankreichs Sport steht still. Ex-Bayern-Star Willy Sagnol blutet das Herz, dennoch begrüßt er den Schritt.

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Die Corona-Pandemie hat den Sport in Frankreich endgültig in die Knie gezwungen.

Der Premierminister der Grande Nation, Edouard Philippe, verkündete am Dienstag, dass große Sportevents mit mehr als 5000 Personen bis September nicht stattfinden dürfen. Die Gefahr einer zweiten Welle sei ein "ernstzunehmendes Risiko", erklärte Philippe, der vor allem "den Fußballbereich" aufführte.

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"Die Fußballspielzeit 2019/20 kann nicht wieder aufgenommen werden", machte der 49-Jährige deutlich. Auch Geisterspiele werde es nicht geben.

Während es in Deutschland, England und weiteren europäischen Ländern noch über Pläne zur Fortsetzung der professionellen Ligen debattiert wird, hat Frankreich nun einen Schlussstrich gezogen.

Willy Sagnol: "Wir müssen das alle respektieren"

"Es gibt nun keine Spekulationen mehr. Der Premierminister hat eine Entscheidung getroffen und wir müssen das alle respektieren", sagt der frühere französische Nationalspieler Willy Sagnol, der von 2000 bis 2009 für den FC Bayern spielte, im Gespräch mit SPORT1.

Philippe wisse um die gesundheitliche Situation im Land. "Wir sind in Frankreich schon hart getroffen und wollen das alles so schnell wie möglich hinter uns lassen", fügt Sagnol hinzu. Nun müsse man weitere vier Monate aufpassen.

"Insgeheim haben wir in Frankreich vielleicht ohnehin schon darüber nachgedacht, dass es seriös wäre, bis September mit allem auszusetzen. Vielleicht hätte es klappen können mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen. Aber letztendlich hat der Premierminister die richtige Entscheidung getroffen."

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Ursprünglich Trainingsstart im Mai geplant

Die Vereine der Ligue 1 und der Ligue 2 hatten eigentlich vor, im Mai wieder in den Trainingsbetrieb einzusteigen. Daraus wird nun nichts. "Fußball hat aktuell einfach keine Priorität", betont Sagnol.

Warum aber wird von Land zu Land so unterschiedlich entschieden? Nach Belgien und den Niederlanden wird auch die Saison in Frankreich wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendet. In Deutschland aber trainieren die Mannschaften in Klein-Gruppen wieder und es wird über Geisterspiele nachgedacht.

Sagnol kann sich das nur so erklären. "Die gesundheitliche Situation in den einzelnen Ländern ist unterschiedlich, deshalb fallen die Entscheidungen in Frankreich und in den Niederlanden anders aus als in Deutschland, wo man die Situation besser im Griff hat."

"Andere Kultur, anderes Knowhow"

Und weiter: "Jedes Land hat eine andere Kultur und ein anderes Knowhow. Jetzt wird es für die UEFA problematisch bezüglich der Champions League. In Frankreich ist die Situation jetzt nun mal so und wir können uns bedacht auf die Zukunft vorbereiten, also auf September."

Die Frage, ob die Bundesliga ebenfalls die Saison abbrechen sollte, kann Sagnol nur schwer beantworten. "Ich bin zwar aus der Fußballwelt, bin aber kein Klubbesitzer und kenne natürlich die finanzielle Situation der deutschen Klubs nicht. Wenn du finanzielle Probleme hast, siehst du die aktuelle Lage ganz anders." Die Gesundheit der Menschen habe für Sagnol weiter oberste Priorität. Und das müsse auch so bleiben.

Er sieht vor allem einen Stolperstein. "Man könnte wieder anfangen, aber was passiert, wenn ein Spieler oder ein Trainer das Virus bekommt? Das Risiko ist einfach zu groß. Dann wird es für viele Vereine problematisch."

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Sagnol: "Vielleicht gibt es bald kein System mehr"

Was die Entscheidung über den Saisonabbruch für die einzelnen Klubs der Ligue 1 bedeutet, steht noch nicht fest.

Erst im Mai will der Verband über die einzelnen Platzierungen entscheiden, also auch über die Meisterschaft sowie die Auf- und Absteiger.

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Mit Paris Saint-Germain und Olympique Lyon hat Frankreich noch zwei Klubs, die in der Königsklasse vertreten sind. Doch ob und wie es für beide Vereine weitergeht, steht aktuell noch in den Sternen.

"Die UEFA-Klubs haben alle zusammengehalten, sie haben gefightet für ein einheitliches System. Wenn jetzt zwei weitere Monate kein Fußball gespielt wird, gibt es vielleicht bald gar kein System mehr", befürchtet Sagnol.

Die Hoffnung des Ex-Nationalspielers: "Das Virus und die gesundheitliche Situation wird den Fußball ein bisschen verändern. Vielleicht kommt er zurück wie vor 20 Jahren und wird nicht mehr so kommerziell sein, wie er sich bis heute entwickelt hat. Dann gibt es nicht mehr nur das reine Business."