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München - Das Urteil der UEFA gegen Manchester City könnte, falls es vom CAS bestätigt wird, Signalwirkung haben. Auch Paris Saint-Germain und Thomas Tuchel droht dann Ungemach.

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Die UEFA macht ernst.

Mit dem knallharten Urteil gegen Manchester City knöpft sich der europäische Fußballverband erstmals ein fußballerisches Schwergewicht so richtig vor. Zwei Jahre Ausschluss aus der Champions League aufgrund eines Verstoßes gegen das Financial Fairplay (FFP), dazu 30 Millionen Euro Geldstrafe, das gab es in der Größenordnung so noch nicht.

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Die Citizens kündigten an, sich gegen die UEFA-Entscheidung zu wehren, sie wollen "schnellstmöglich" Berufung beim Internationalen Sportsgerichtshof (CAS) einlegen. Bereits in wenigen Wochen könnte der CAS ein Urteil fällen, wie SPORT1 aus Kreisen der UEFA erfuhr.

Fußballwelt blickt auf CAS-Urteil

Nicht nur der europäische Fußballverband dürfte gebannt dem Urteil entgegenblicken, auch die restliche Fußballwelt dürfte die Entwicklungen rund um den aktuellen englischen Meister ganz genau beobachten – ganz besonders Paris Saint-Germain.

Bestätigt der CAS das UEFA-Urteil, so wäre das für den Fußballverband der bisher größte Erfolg seit der Einführung des FFP im Jahr 2010. Und ein richtungsweisender dazu. Denn mit dem Erfolg im Rücken könnte sich die UEFA dann den nächsten Scheich-Klub vorknöpfen: Das Team des deutschen Trainers Thomas Tuchel, das im Achtelfinalhinspiel der Champions League am Dienstag beim BVB zu Gast ist (Champions League: Borussia Dortmund – Paris Saint-Germain, Dienstag 21 Uhr im LIVETICKER).

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Denn wie die Citizens versucht auch PSG seit Jahren, das FFP auszutricksen. Im aktuellen Urteil gegen das Team von Pep Guardiola ging es um das jährliche Sponsoring in Höhe von 81,2 Millionen Euro, dass laut vom Spiegel veröffentlichten Dokumenten zum größten Teil von City-Eigentümer, Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan, selbst finanziert wurde. Anders als angegeben kamen wohl nur knapp zehn Millionen Euro wirklich von Mansours Fluglinie Etihad, die als Hauptsponsor auftritt.

Auch PSG trickst - bisher ohne gravierende Konsequenzen

Ähnlich soll auch Paris vorgegangen sein. Allein der 200 Millionen Euro teure Vertrag mit der Qatar Tourism Authority sei in Wirklichkeit 40- bis 60-mal weniger Wert. Soll soll PSG getrickst haben, um das Geld des Besitzers am FFP vorbei in den Klub zu bekommen.

Im Jahr 2014 wurde der Klub dann tatsächlich belangt, kam aber glimpflich davon. Der Sponsorenvertrag wurde auf 100 Millionen Euro halbiert, war damit aber immer noch deutlich größer als der eigentliche Wert.

Zudem wurde der Klub zu 60 Millionen Euro Strafe verurteilt, von denen 40 allerdings bei korrekter Einhaltung des FFP zurückerstattet werden konnten. Zusätzlich durfte Paris in der Saison 2014/15 nur 21 statt 25 Spieler für die Königsklasse melden. City bekam im selben Jahr eine ähnliche Strafe aufgebrummt.

Nach den Transfers der Superstars Neymar und Kylian Mbappé, die insgesamt mehr als 400 Millionen Euro kosteten, standen die Pariser dann aber erneut im Fokus der UEFA. Wieder stand der Vorwurf der unrealistisch hoch dotierten Sponsorenverträge im Raum.

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Im Jahr 2018 kam die UEFA dann zu dem Schluss, PSG habe nicht gegen das FFP verstoßen. Später kündigte der Verband an, die Sachlage erneut zu prüfen. PSG zog vor den CAS und bekam Recht – aufgrund eines Formfehlers. Nach Ansicht des Sportgerichthofs war eine entsprechende Frist für die UEFA bereits verstrichen.

UEFA will Tricksereien nicht tolerieren

Trotz der Tricksereien haben inzwischen allerdings auch die Pariser gemerkt, dass sie nicht unendlich viel Geld ausgeben können. Seit dem Transfer der beiden Superstars agieren die Franzosen deutlich moderater auf dem Transfermarkt. In den vergangenen beiden Spielzeiten nahm PSG mit Spielerverkäufen jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag ein, erwirtschaftete in der vergangenen Sommertransperiode sogar erstmals seit der Übernahme durch die Qatar Sports Investments im Jahr 2011 ein Transferplus.

Bisher ist Paris also relativ harmlos weggekommen. Kritiker werfen der UEFA vor, die Big Player im Fußballbusiness absichtlich zu verschonen. Mit der Strafe gegen City dürfte dieser Kritik vorerst ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen worden sein.

Es ist auch gar nicht die Absicht, die Machenschaften der Scheich-Klubs zu tolerieren. Den Grund, warum PSG bisher relativ ungeschoren davonkam, erfuhr SPORT1 aus Kreisen der UEFA. Es ist das Geld. Die finanzstarken Klubs hätten im Gegensatz zu kleineren Vereinen ganz andere Möglichkeiten, sich juristisch gegen Ermittlungen im Zuge des FFP zu wehren. Eine Vielzahl von Anwälten sei damit beschäftigt, Schlupflöcher zu Gunsten der Vereine zu finden.

Doch unter UEFA-Präsident Aleksander Ceferin ist deutlich mehr Zug in die Bemühungen gekommen, das FFP einzuhalten.Vorgänger Gianni Infantino, inzwischen FIFA-Präsident, gilt von jeher als Freund der Vereine. Ceferin dagegen ist gelernter Jurist und ein Befürworter, die Maßnahmen des FFP weiter zu verschärfen.

Doch auch ohne die jetzt unterschiedlichen Strafmaße ist der Fall PSG anders gelagert als der Fall Manchester City. Denn PSG-Boss Nasser al-Khelaifi unterhält enge Verbindungen zum europäischen Fußballverband. Der Geschäftsmann aus Katar ist nicht nur Chef des katarischen Staatsfond QSI, dem Besitzer der Pariser. Er sitzt seit einem Jahr zudem im Exekutivkomitee der UEFA.

Gleichzeitig ist al-Khelaifi CEO der beIN Media Group, deren Fernsehender beIN Sports vor allem im arabischen Raum die Rechte an den Spielen der UEFA-Klubwettbewerbe hält.

Aus dem Schneider sind die Pariser dennoch noch lange nicht, sie gehören weiter zu den "üblichen Verdächtigen", wie es aus UEFA-Kreisen heißt. Eine Bestätigung des City-Urteils der UEFA durch den CAS käme einem Grundsatzurteil gleich. Dann könnte es auch für PSG in Zukunft ungemütlich werden.