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München - 2018 stand Lyon-Star Nabil Fekir bei den Topklubs auf dem Zettel, nun wechselte er zu Betis. Ein kurios anmutender Transfer - dessen Rätsel aber gelöst scheint.

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Nabil Fekir hielt es stolz in die Luft, sein Trikot mit der Nummer 18. Lyons Kapitän hatte es ausgezogen und präsentierte es den Fans in der Kurve.

Das Problem: Es waren die Anhänger des Gegners. Fekir hatte in der 84. Minute das 5:0 erzielt. Im Derby gegen den verhassten Erzrivalen St. Etienne. In dessen Stadion. Sein Jubel: eine einzige Provokation.

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In der Folge stürmten die Heim-Fans den Rasen, das Spiel wurde unterbrochen. Polizisten räumten das Feld, erst nach 40 Minuten wurde die Partie fortgesetzt. Im November 2017 war das.

Seither machte Fekir sportlich auf sich aufmerksam, aber auch mit einem geplatzten Wechsel - und nun mit einem kuriosen Transfer, dessen Rätsel gelöst scheint.

Fekir schon fast bei Liverpool

Im vergangenen Sommer schien ein Wechsel zum FC Liverpool und dessen Trainer Jürgen Klopp bereits beschlossene Sache.

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Fekir, der wie Zinédine Zidane algerische Wurzeln hat, hatte eine beeindruckende Saison für Lyon gespielt. 23 Tore und acht Assists hatte der Linksfuß nach 40 Pflichtspielen in seiner Bilanz stehen. Rund 65 Millionen Euro waren die Reds bereit zu zahlen, ehe sie plötzlich einen Rückzieher machten.

Fekirs rechtes Knie bereitete den Verantwortlichen angeblich Sorgen. 2015 hatte sich der damals 22-Jährige in seinem vierten Länderspiel beide Kreuzbänder und den Meniskus gerissen.

"Das wurde als ein Argument genutzt, aber ich persönlich glaube nicht, dass das der wahre Grund war", erzählte Lyons Präsident Jean-Michel Aulas später. "Lyon und Liverpool waren sich einig, [aber] Liverpool hat seine Meinung geändert. Wir beschlossen, es zu beenden, damit Nabil Fekir zur Weltmeisterschaft fahren konnte."

Lyon stoppte den Poker um seinen Spielmacher - in den auch der FC Bayern involviert war.

Coman: Fekir "spielt sehr gut"

Zumindest wurde den Münchnern gesteigertes Interesse am Offensivspieler, der seine Stärken im Zentrum am besten ausspielen, aber auch auf beiden Flügeln spielen kann, nachgesagt.

"Er spielt sehr gut. Ich habe ihn in der U21 kennengelernt. Wenn Nabil Fekir gern zu uns kommen würde, würde ich das begrüßen. Aber das entscheidet unser Management", sagte Kingsley Coman damals der AZ. Doch Fekir blieb Olympique ein weiteres Jahr treu.

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Die Folge: Auch in diesem Sommer stand der Kapitän vor dem Absprung - doch da sein Vertrag im kommenden Jahr ausgelaufen wäre, konnte Lyon nur noch in diesem Sommer Geld mit Fekir verdienen.

Weil das aber natürlich auch die potenziellen Interessenten wussten, war Lyons bester Mann für wenig Geld zu haben - für eine deutlich niedrigere Ablösesumme als sein Marktwert von 60 Millionen Euro (laut transfermarkt.de) nahelegte.

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Obendrein standen in diesem Sommer die Topklubs nicht Schlange. Weder von Real Madrid noch dem FC Bayern oder dem FC Liverpool war etwas etwas zu hören oder zu lesen.

Betis Sevilla statt Bayern oder Liverpool

Stattdessen vermeldete nun Betis Sevilla stolz den Transfer des Fußballers. Ein Klub also, der die abgelaufene Saison in La Liga auf Platz zehn beendete und international nicht vertreten sein wird.

Fekir unterschrieb einen Vertrag über fünf Jahre, Betis bezahlte vergleichsweise läppische 20 Millionen Euro an Lyon. Ein Betrag, der sich im Erfolgsfall noch um zehn Millionen Euro erhöhen kann.

Ein Transfer unter Wert, könnte man meinen. Und die Frage lautete: Warum geht Fekir im besten Fußballeralter von 26 Jahren ausgerechnet zu Betis?

Des Rätsels Lösung

Bei Fekirs kurioser Entscheidung pro Betis war anscheinend der familiäre Aspekt entscheidend.

Laut eines Berichts der spanischen AS kam für ihn nur ein Klub infrage, der auch seinen jüngeren Bruder Yassin Fekir unter Vertrag nehmen würde. Und siehe da: Der nächste Transfer der Andalusier war niemand anderes als Ýassin.

Der 22 Jahre alte Außenstürmer kam ebenfalls von Olympique Lyon, allerdings mit nur 21 Pflichtspielminuten bei den Profis im Gepäck. Er wird voraussichtlich in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommen - aber mit einem Profivertrag in der Tasche.

So fanden die Fekirs in Sevilla, was ihnen ein europäischer Spitzenverein wohl nicht bieten konnte: den Wechsel im brüderlichen Doppelpack.