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München - Thomas Tuchel gehen im Pokal an der Seitenlinien mal wieder die Pferde durch. Die Saison von PSG und sein Schicksal hängt am seidenen Faden.

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20 Fouls. Eine Statistik, der im Fall von Thomas Tuchel eine besondere Bedeutung beizumessen ist.

Damals als Trainer des BVB hatte er 2016 ob mehrerer Spiele in Folge, in der sich seine Mannschaft diskussionswürdiger Härte ausgesetzt sah, die Fassung verloren - und eben jene Marke genannt, um seine Kritik zu untermauern.

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"Irgendwann sind da Grenzen überschritten. Da werden Mittel angewendet, die in der Häufigkeit dazu führen müssen, dass man nicht komplett zu Ende spielt", motzte er in Richtung des damaligen Leverkusen-Trainers Roger Schmidt.

Am Mittwochabend beim mühevollen PSG-Sieg im Pokal gegen den Drittligisten Villefranche war es wieder soweit. 20 Fouls des Außenseiters waren am Ende gezählt worden. Allerdings nach 120 Minuten.

Tuchel nach Ausraster auf die Tribüne

Zu diesem Zeitpunkt hatte Tuchel längst einen Platz auf der Tribüne eingenommen. Unfreiwillig versteht sich. In der 73. Minute war er vom Schiedsrichter des Platzes verwiesen worden.

Erneut hatte ihn die harte Gangart des Gegners auf die Palme gebracht. Ein für ihn zwingender Platzverweis, der nicht ausgesprochen wurde.

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"Ich habe nur gesagt, dass es mehr als Gelb war“, verteidigte sich Tuchel nach der Partie bei Eurosport: "Jedes Spiel ist so. Es passiert ein wirklich gefährliches Foul, das nicht entsprechend sanktioniert wird. Ein Zentimeter mehr und die Karriere von Thilo Kehrer wäre letzte Woche beendet gewesen."

Dieses Mal war es ein Foul an Winter-Neuzugang Leandro Paredes, das Tuchel erzürnen ließ. Damit legte sich Tuchel zum dritten Mal in den letzten 10 Tagen vehement und lautstark mit dem Schiedsrichter an, sein Nervenkostüm scheint derzeit nicht das beste.

Draxler nimmt Tuchel in Schutz

"Er ist generell im Moment nicht mit den Schiri-Leistungen zufrieden. Ich denke aber, dass die Schiedsrichter die Spieler mehr schützen müssen, vor allem wenn es grobe Fouls gegen uns gibt", nahm Julian Draxler seinen Trainer in Schutz:

"Wir haben schon Neymar deswegen verloren und wir brauchen jeden Spieler."

Gegner machen Jagd auf PSG-Stars

Vor zwei Wochen verletzte sich Superstar Neymar - ebenfalls im Pokal - erneut schwer, nachdem er immer wieder überhart angegangen wurde. Mittelfußbruch, rund drei Monate Pause.

Mitleid oder Reue beim Gegner? Fehlanzeige: "Wenn er so spielt, muss er sich nicht wundern, wenn er Tritte abbekommt", sagte Straßburgs Mittelfeldspieler Anthony Goncalves. "Wir sind nicht dazu da, dass er seinen Spaß hat. Wir sind nicht seine Marionetten. Wir antworten mit unseren Waffen."

Zwar lastete Tuchel vor seinem Engagement in Frankreich der Ruf an, seine Teams wie ein "Militäroffizier" zu führen, was Fairness auf dem Platz angeht, ist er dann aber doch bekennender Pazifist.

Zumal er offenbar immer wieder mal das Gefühl hat, angesichts seines Kaders lediglich mit stumpfen Waffen zu hantieren.

Tuchel im Clinch mit Sportdirektor

"Uns fehlen Spieler in der Zentrale", sagte Tuchel im Winter-Transferfenster und forderte zudem "vielleicht noch einen offensiven Spieler, jetzt da Neymar verletzt ist."

Namen wie Julian Weigl (BVB), Idrissa Gueye (FC Everton) und Abdoulaye Doucoure (FC Watford) wurden gehandelt, zwei Vorschläge von Sportdirektor Antero Henrique soll Tuchel abgelehnt haben. Ohnehin gilt das Verhältnis der beiden als belastet.

Einen Ersatz für Neymar bekam Tuchel nicht (Mesut Özil soll abgelehnt haben), am Ende kam aber zumindest Paredes für das defensive Mittelfeld für 40 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg - und wurde am Mittwoch prompt das nächste Opfer einer harten Attacke.

"Das Tackling ging voll Richtung Knie. Er hat zuletzt nicht viel gespielt, es hätte etwas ernstes sein können", schimpfte Tuchel.

Für Tuchel zählt nur die Champions League

Dem 45-Jährigen ist bewusst, dass es nun nach und nach in die entscheidende Phase der Saison geht. Die Meisterschaft, die PSG mit zehn Punkten Vorsprung anführt, ist ein Selbstverständlichkeit.

Beim finanziell potenten Scheich-Klub zählt eigentlich nur die Champions League, das mussten bereits Tuchels Vorgänger schmerzlich erfahren.

In der Königsklasse trifft Tuchels Team in der kommenden Woche auf das wiedererstarkte Manchester United.

Weitere Ausfälle seiner Schlüsselspieler kann sich Tuchel kaum leisten. Und ein Aus erst recht nicht. Die Nerven liegen blank.