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Die Entlassung von Thierry Henry nach nur 104 Tagen bei der AS Monaco ist ein Knick in seiner jungen Karriere als Trainer. Das frühe Aus des Weltmeisters hat Gründe.

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Die Freude war groß bei der AS Monaco, als ihr ehemaliger Spieler Thierry Henry Mitte Oktober die Nachfolge des früheren Erfolgstrainers Leonardo Jardim antrat.

Die Rückkehr des einstigen Weltstars, der im Fürstentum den Durchbruch vom Jugendspieler zum Profi schaffte, wurde ausgiebig gefeiert.

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Mit ihm als neuem Hoffnungsträger sollte der Weg aus der Krise geschafft werden. Dabei hatte der Weltmeister von 1998 noch nie zuvor als Cheftrainer eines Vereins gearbeitet.

Nur dreieinhalb Monate später ist das Kapitel Monaco für den Trainer-Novizen Henry schon wieder beendet.

Rückkehr von Jardim als Höchststrafe für Henry

Elf Niederlagen, vier Unentschieden und nur fünf Siege gelangen der Mannschaft unter Henry. Übernommen hatte er das Team auf Platz 18 der Ligue 1, aktuell belegt die Mannschaft sogar nur den 19. Rang. (Service: Tabelle Ligue 1)

Grund genug für den Verein, der am Ende der vergangenen Saison den zweiten Platz belegt und sich für die Champions League qualifiziert hatte, eine erneute Veränderung vorzunehmen. Henry wurde nach nur 20 Spielen unter seiner Regie "suspendiert, bis eine Entscheidung gefallen ist", wie es in der offiziellen Mitteilung des Vereins hieß.

Als Nachfolger stand ausgerechnet Henrys Vorgänger Jardim bereit. Die Rückkehr des Trainers, mit dem Monaco 2017 den Meistertitel feierte, wurde am Freitagabend offiziell gemacht.

Jardim, dem die Wende im Oktober nicht mehr zugetraut wurde, soll es nun besser machen als Henry? Die Rückholaktion gleicht einer Höchststrafe für den 124-maligen französischen Nationalspieler.

Thierry an Herausforderung gescheitert

Dabei hatte es zunächst wie die perfekte Geschichte ausgesehen: Weltstar Henry gab die Stelle als Co-Trainer der belgischen Nationalmannschaft auf und übernahm seinen einstigen Jugendklub an der Cote d'Azur.

"Ich freue mich sehr, wieder bei der AS Monaco zu sein", sagte Henry bei seiner Vorstellung. "Ich bin überaus entschlossen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern."

Unterstützung bekam der frühere Stürmer vor allem in Sachen Transfers. Um den drohenden Abstieg zu verhindern, schlug Monaco gleich mehrfach und hochkarätig auf dem Transfermarkt zu. So fanden unter anderem Cesc Fabregas und Naldo im Winter den Weg ins Fürstentum.

Gebracht hat es nichts.

Machtlos musste Henry am vergangenen Sonntag mit ansehen, wie sich seine Elf zuhause von Racing Straßburg mit 1:5 abschießen ließ. Ausgerechnet der mit reichlich Erfahrung ausgestattete Ex-Schalker Naldo sah bereits in der siebten Minute die Rote Karte und führte sein Team ins Verderben.

Henry kritisiert Einstellung

Eine empfindliche 1:3-Niederlage im Pokal gegen Zweitligist FC Metz war das letzte Spiel von Henry als Verantwortlicher an der Seitenlinie. Am Tag darauf leitete er noch das Training, ehe er am Abend von seinen Aufgaben entbunden wurde.

Nun ist Henry bei seiner ersten Station als Cheftrainer krachend gescheitert. Die Frage ist warum?

Henrys fehlende Erfahrung als Cheftrainer einer Profimannschaft ist das eine, die fehlende Erfahrung im Kampf gegen den Abstieg das andere. Als Spieler fand sich Henry immer in höheren Tabellenregionen wieder. Die Verpflichtung des ehemaligen Weltklasse-Stürmers als Retter im Abstiegskampf erscheint daher aus heutiger Sicht unglücklich.

Am Ende dürfte aber auch die Einstellung seiner Spieler für Henrys Demission gesorgt haben. "Ohne Verlangen ist es schwierig zu gewinnen", hatte sich der Franzose bereits nach einer Niederlage gegen Olympique Lyon im Dezember über den lustlosen Auftritt seiner Schützlinge beschwert.

Naldos Platzverweise passen ins Bild

Nun wird sich Jardim wieder der Mannschaft annehmen. Das Team soll vor dessen Entlassung überzeugt gewesen sein, mit ihm die Wende zu schaffen. Von der Tribüne aus sah er am Wochenende, wie sich Monacos Situation durch ein 0:2 in Dijon weiter verschlechterte. Dass Naldo dabei erneut die Rote Karte sah, war nur ein weiterer Beleg dafür, dass es kein Selbstläufer wird, die AS vor dem Abstieg zu bewahren.

Aber zumindest die Mannschaft hat Jardim offenbar hinter sich - im Gegensatz zu Henry.

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