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München - Operieren? Oder besser lassen? Die tückische Mittelfuß-Verletzung von Neymar entzweite die Ärzte von PSG und Brasilien. Auch Neuer spielte eine Rolle.

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Der teuerste Fußballer der Welt ist verletzt - aber wie sehr und mit welchen Folgen?

Der Zustand von 222-Millionen-Mann Neymar hielt seinen Klub Paris Saint-Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel und seine Heimat Brasilien mehrere Tage lang in Atem.

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Am Mittwoch wurde bekannt: Neymar fällt für zehn Wochen aus, seine Mittelfuß-Verletzung soll ohne OP konservativ behandelt werden.

Vorausgegangen war ein medizinischer Krimi, bei dem Neymar hin- und hergerissen wurde zwischen den Interessen seines Klubs und denen seines Nationalteams - zum zweiten Mal nach dem Drama vor der WM 2018, nur diesmal unter umgekehrten Vorzeichen. Und mit Manuel Neuer, dem Nationalkeeper des FC Bayern München, in einer Nebenrolle.

Was tun mit Neymar? PSG und Brasilien uneins

Neymar hat sich bekanntermaßen vergangene Woche beim Pokal-Erfolg gegen Racing Straßburg am rechten Mittelfuß verletzt, demselben Körperteil, das er sich im vergangenen Jahr vor der WM gebrochen hatte, was ihm am Ende eine dreimonatige Pause einbrockte. Tuchel stöhnte sofort auf, sprach am Wochenende von einem "super-komplizierten, super-schwierigen" Fall. Eine Prognose, die sich bewahrheiten sollte.

Schon 2018 stritten sich PSG und der brasilianische Verband CBF über die Behandlung: Die Pariser wollten Neymar konservativ behandeln lassen, um ihn in der Champions League schneller wieder einsetzen zu können. Die Brasilianer drängten - letztlich erfolgreich - auf eine Operation, die Neymars Einsatz bei der WM sicherstellen sollte. Verbandsarzt Rodrigo Lasmar nahm sie vor, auch diesmal vertrat er wieder die brasilianischen Interessen.

Französischen Medienberichten zufolge war das Meinungsbild diesmal genau umgekehrt wie im vergangenen Jahr. Die Pariser Ärzte wollen eine Operation, die Brasilianer eine konservative Therapie - von der sie sich diesmal eher versprechen, dass Neymar rechtzeitig fit wird für die Copa America ab dem 14. Juni. PSG dagegen blickt vor allem auf die K.o.-Phase in der Champions League, die am 12. Februar mit dem Hinspiel gegen Manchester United beginnt - ohne Neymar.

Zum zweiten Mal ging der Verband als Sieger aus der Diskussion hervor.

Brasilien-Coach Tite schaltet sich ein

Brasiliens Nationalcoach Tite hatte sich persönlich eingeschaltet, reiste nach Paris, um Neymar zu besuchen und hielt fest: "Ich werde Neymars Gesundheit nicht in Gefahr bringen. Auch wenn ich meinen Job verliere, werde ich nicht die Verantwortung übernehmen, ihn zu berufen, wenn er verletzt ist." Eine Versicherung, die sich auch als verdeckte, aber dringende Bitte an Tuchel interpretieren lässt, das ebenfalls nicht zu tun.

Wie die Zeitung L'Equipe berichtet, wurde auch der Rat eines Fachmanns aus Deutschland eingeholt.

Manuel Neuer als warnendes Beispiel

Neymar scheint sich einen Haarriss zugezogen zu haben, Le Parisien meldet, dass auf den Röntgenbildern des 26-Jährigen "Züge eines Bruchs" zu erkennen seien. Das Rätselhafte: Anscheinend war nicht klar erkennbar, ob dieser neu ist oder die Spuren der Fraktur aus dem vergangenen Jahr zeigt. In der abschließenden Mitteilung sprach PSG von einer "Läsion". Letztlich nur ein komplizierterer Begriff für das schlichte Wort "Verletzung".

So oder so: Dass es Neymar an genau derselben, empfindlichen Stelle wieder getroffen hat, bereitet den Experten Kopfzerbrechen. Den Berichten zufolge spielte in den Überlegungen auch das warnende Beispiel Manuel Neuer eine Rolle. Dessen wiederholte Verletzungen am linken Mittelfuß - den er anscheinend wiederholt zu früh wieder belastete - brachten seine Teilnahme an der WM, sogar seine Karriere in Gefahr.

Eine achtmonatige Pause wie bei Neuer ist für alle Beteiligten eine Horror-Vision. Es bleibt abzuwarten, ob die Ärzte die Lösung gefunden haben, sie nicht eintreten zu lassen.