München - Vor dem Duell gegen den FC Bayern beim International Champions Cup bewertet Valerien Ismael bei SPORT1 Paris Saint-Germain und den neuen Trainer Thomas Tuchel.

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Es ist der erste echte Kracher der neuen Saison. 

Im Rahmen des International Champions Cup traf der FC Bayern auf Paris Saint-Germain und Trainer Thomas Tuchel (3:1). 

Einer, der die Entwicklung bei PSG interessiert beobachtet, ist der Franzose Valerien Ismael. Im Interview mit SPORT1 bewertet der frühere Bayern-Verteidiger, vor welchen Herausforderungen Tuchel bei seinem neuen Klub steht. 

SPORT1: Welche Probleme kommen auf Thomas Tuchel in der Ligue 1 zu?

Valerien Ismael: Das größte Problem ist der Druck, der da ist. Und auch die Erwartungshaltung im Umfeld mit der Champions League. Ich glaube, dass PSG in der kommenden Saison eine neue Dominanz zeigen wird. Mit der Verpflichtung von Torwart Gianluigi Buffon wurde ein Star mehr in die Mannschaft geholt und mit ihm eine absolute Persönlichkeit. Jetzt geht es darum, dass PSG in der Liga vorneweg marschiert und dass man in der Königsklasse sehr weit kommt oder diese vielleicht sogar gewinnt. Das wird das Ziel sein.

SPORT1: Kann Tuchel mit Superstars wie Neymar, Mbappe oder Buffon auch umgehen?

Ismael: Das ist eine Riesenchance für Tuchel. Ich traue ihm das zu. Als ich von dem Deal hörte, habe ich den Klub-Bossen sofort gratuliert. Tuchel kann den Verein auf ein neues Level bringen.

SPORT1: Wie ist sein Standing in Paris?

Ismael: Anfangs war man skeptisch. Viele haben einen noch größeren Namen erwartet. Aber die Leute, die sich im Fußball auskennen, haben den Wechsel sehr positiv aufgenommen und bewertet. Viele urteilten, dass er sehr akribisch arbeitet mit einer klaren Philosophie und Linie. 

SPORT1: Wie überrascht sind Sie, dass Neymar und Kylian Mbappe bleiben?

Ismael: Mir war klar, dass PSG in der Lage ist, solche Spieler halten zu können. Das ist ein klares Projekt und die Spieler wissen, dass die Bosse jedes Jahr große Namen holen werden. Das ist sehr reizvoll. Ich habe im vergangenen Jahr schon gesagt, dass einige Neuzugänge kommen müssen. Mit Buffon wurde für die neue Runde der erste große Spieler verpflichtet. Ihm werden sicher noch einige folgen.

SPORT1: Was sind die Stärken und Schwächen von PSG?

Ismael: Das muss man auf der internationalen Ebene betrachten. Irgendwann ist die Drucksituation für einen Klub wie PSG sehr groß. Der Verein hat es in der vergangenen Saison nicht geschafft, den nächsten Schritt zu gehen. Vor zwei Jahren hat man den FC Barcelona in der Champions League zu Hause 4:0 geschlagen und dann passierte etwas Unfassbares, man verlor mit 1:6 im Rückspiel. Man muss es in Zukunft schaffen, auch international eine Macht zu werden. 

SPORT1: PSG ist für Sie also der Favorit in der Champions League?

Ismael: Wenn es Tuchel gelingt, seine Philosophie durchzubringen und die Spieler ihm bedingungslos folgen, dann bin ich davon überzeugt, dass es eine realistische Chance gibt. Alleine von der Offensive ist da einiges zu erwarten.

SPORT1: Welche Rolle kann Buffon spielen, auch als Mensch und Motivator?

Ismael: Er kann für das Team eine Führungspersönlichkeit werden. Eine große Mannschaft hat immer einen Chef. Egal in welchem Mannschaftsteil. Buffon wird der Truppe noch mehr Sicherheit geben. Gerade in bedeutenden Spielen wird es enorm wichtig sein, keine Nervosität zu zeigen. Buffon weiß, worauf es ankommt und er ist es gewohnt, mit dem ganz großen Druck umzugehen. 

SPORT1: Kevin Trapp hat immer wieder betont, den Verein nicht verlassen zu wollen. Können Sie nachvollziehen, warum er bleiben will?

Ismael: Es wird für Trapp sehr schwer, Spielpraxis zu bekommen. Areola ist gerade Weltmeister geworden und hat neues Selbstbewusstsein. Es kann aber auch sein, dass Tuchel einen klaren Plan hat mit Trapp. Wenn das nicht der Fall ist und ein klares Statement ausbleibt, dann wird es wahnsinnig schwer für den Jungen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Zukunft von Julian Draxler?

Ismael: Ich sehe seine Situation sehr positiv. Dass mit Tuchel ein deutscher Trainer gekommen ist, ist vielleicht von Vorteil für Draxler. Auch in der Kommunikation, weil er die Anweisungen des Trainers noch besser umsetzen kann. Draxler hat sich super integriert bei PSG. Ich hatte immer das Gefühl, dass er sich sehr wohl fühlt und nie die Absicht hatte, den Klub zu verlassen. Draxler hat unabhängig der großen Stars die Chance, einen Schritt nach vorne zu machen.  

SPORT1: Ist PSG in der neuen Saison stärker als der FC Bayern?

Ismael: Das glaube ich nicht. Die Bayern haben in puncto Erfahrung einen Pluspunkt. In Paris ist eine klare Strategie zu erkennen, aber es gibt keine Garantie für den Gewinn der Champions League. National werden die Klubs viel Respekt haben vor PSG. Aber die Bayern gehören auch zu den Top-Favoriten.