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Atlético Madrid baut seinen Vorsprung an der Tabellenspitze in Spanien weiter aus und liegt klar auf Titelkurs. Der frühere Barca-Stürmer hat daran einen großen Anteil.

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Seit jeher stellen die Fußball-Fans in Spanien einander eine Frage: FC Barcelona oder Real Madrid? 

Diese Frage dient zum einen dazu, herauszufinden, für wen das Herz des jeweils anderen schlägt. Außerdem ist es aber auch ganz einfach die Frage: Wer wird Meister? (Service: Tabelle von La Liga)

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Zusammen kommen die beiden größten spanischen Klubs auf unglaubliche 60 Meisterschaften. In den letzten 15 Jahren stand in 14 Fällen eines der beiden Teams ganz oben - neun Mal Barca und fünf Mal Real. 

Im Jahr 2014 war allerdings Atlético Madrid mitten in die Vormachtstellung der Giganten geraten. Genau das könnte sich nun wiederholen - still und leise, während in Spanien vor allem über die strauchelnden Fußball-Riesen gesprochen wird.

Atlético Madrid: Von wegen langweilig! 

Atlético schwebt in Spanien gefühlt schon immer unter dem Radar - obwohl es sich um einen Traditionsklub handelt, der immerhin schon zehn Meisterschaften geholt hat. 

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Unter den spanischen Fußball-Fans haben die Rojiblancos aber nicht das allerhöchste Standing. Ein Top-Klub, klar - aber irgendwie auch langweilig. Ohne den großen Glanz von Barca oder Real und in den Jahren unter Trainer Diego Simeone mit einer unattraktiven und defensiven Spieltaktik, die eher italienisch als spanisch anmutet. 

Am Sonntagabend war im Wanda Metropolitano von Madrid allerdings Spektakel geboten. Nachdem Atlético durch ein Traumtor des FC Valencia in Rückstand geraten war, drehten die Colchoneros das Spiel, zeigten überragenden Offensivfußball und siegten mit 3:1. Sie bauten die Tabellenführung durch den Erfolg aus.

Der Abstand auf den zweitplatzierten Stadtrivalen Real beträgt nun sieben Punkte. Barca folgt mit zehn Punkten Rückstand auf Rang drei - und Atlético ist noch mit einem Spiel im Rückstand.

"Ist Atlético Madrid wirklich langweilig?", fragte die spanische Sportzeitung Marca nach der Partie. Wer sich die einzelnen Spieler und deren Geschichten ansieht, kommt zum klaren Schluss: Nein. 

Suárez mit Rache an Barcelona? 

Der vielleicht wichtigste Protagonist: Luis Suárez. Der Stürmer aus Uruguay traf an seinem 34. Geburtstag gegen Valencia zum 2:1. Es war bereits sein 12. Treffer im 15. Liga-Spiel in dieser Saison. Mehr Tore hat - seit Cristiano Ronaldo für Real Madrid - kein anderer Spieler in seinen ersten 15 Liga-Partien für seinen neuen spanischen Klub erzielt. 

Im vergangenen Sommer war Suárez prinzipiell ablösefrei vom FC Barcelona gekommen. Über Boni kann zwar eine Zahlung von sechs Millionen Euro an die Katalanen fällig werden. Trotzdem gelang Atlético ein außergewöhnliches Schnäppchen. 

Im betagten Fußballeralter ist er immer noch einer der Top-Stürmer weltweit - immerhin führt er die Torjägerliste in Spanien an. Die Meisterschaft, das wäre für Suárez vielleicht auch eine persönliche Rache am FC Barcelona. Die Katalanen stellten ihn im vergangenen Sommer aufs Abstellgleis, der neue Coach Ronald Koeman plante nicht mehr mit dem Torjäger. 

"Es waren Tage, an denen ich wegen der Situation, in der ich lebte, geweint habe", verriet Suárez kürzlich: "Separat zum Training geschickt zu werden, weil du nicht zu den 22 Spielern gehörst ..." 

Wenige Monate später ist Suárez heißer Anwärter auf seine zweite Auszeichnung als Torschützenkönig in Spanien. Barca hinkt den Erwartungen hingegen weit hinterher - doch das ist ein anderes Thema. 

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Joao Félix blüht auf

Ein weiteres Gesicht des Aufschwungs ist Joao Félix. Im Sommer 2019 kam er als Wunderkind in die spanische Hauptstadt. Mit dem Rucksack einer Ablösesumme von 127 Millionen Euro, der anfangs zu schwer für den Portugiesen zu sein schien. Doch mittlerweile ruft der 21-Jährige sein enormes Potenzial immer öfter ab und wird seinem Ruf als eines der größten Talente weltweit immer mehr gerecht. 

"Das ist der Joao Félix, den wir sehen wollen", schrieb die Marca nach dem Sieg gegen Valencia. Félix hatte per spektakulärem Karate-Kick das 1:1 erzielt und das 2:1 von Suárez mustergültig vorbereitet. 

Die Leistungsexplosion des Offensivspielers hängt wohl auch mit Suárez zusammen. Denn Félix scheint viel von dem Veteranen an seiner Seite zu lernen und beide harmonieren gut. 

Joao Félix (L) und Luis Suárez harmonieren auf dem Rasen gut
Joao Félix (L) und Luis Suárez harmonieren auf dem Rasen gut © Imago

Mit Suárez und Felix hat Coach Simeone womöglich ein Duo gefunden, das für die nötigen Tore sorgen könnte, die es für einen Titelgewinn braucht. Defensiv ist das Team des argentinischen Motivators und Exzentrikers ohnehin wieder top. 

Ganze acht Gegentore hat Atlético in 18 Ligapartien hinnehmen müssen - ein fantastischer Wert, selbst für die Colchoneros. Doch noch beeindruckender: Sie haben 36 Tore erzielt, sogar zwei mehr als Real Madrid. 

Mit der neuerlichen Offensivstärke scheint der große Wurf möglich zu sein. Eines ist Atléti schon jetzt gelungen: Langweilig ist das Team in dieser Spielzeit ganz bestimmt nicht.