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München - Real Madrid steckte Anfang Dezember tief in der Krise, Trainer Zinedine Zidane stand laut Berichten vor dem Aus. Drei Wochen später sieht die Situation komplett anders aus.

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20 Tage machen auf eine ganze Saison gesehen meist nicht allzu viel aus.

Doch bei Real Madrid hat sich genau innerhalb dieser Zeitspanne die Gemütslage um 180 Grad gedreht. Ein kurzer Rückblick: Am 1. Dezember verlor das Team von Zinédine Zidane in der Champions League mit 0:2 bei Schachtar Donezk – es war bereits die zweite Niederlage gegen die Ukrainer.

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Dadurch standen die Königlichen vor dem letzten Gruppenspiel gegen Borussia Mönchengladbach enorm unter Druck. Denn nur ein Sieg gegen die Fohlen hätte das sichere Weiterkommen bedeutet. Auch in La Liga lief es für den Meister alles andere als rund. Zwei von drei Partien hatte Real verloren, sieben Punkte hatte die Zidane-Elf zu diesem Zeitpunkt Rückstand auf Tabellenführer Real Sociedad San Sebastián, bei einem Spiel weniger. (Service: Tabelle von La Liga)

Real Madrid legt Siegesserie hin

Auch für Zidane wurde der Gegenwind heftiger. Spanische Medien berichteten bereits, dass der Trainer, der in seiner ersten Amtszeit bei Real drei Champions-League-Titel gewann, vor dem Aus stehe. Mauricio Pochettino wurde bereits als möglicher Nachfolger gehandelt.

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Doch drei Wochen später ist die Gemengelage in Madrid eine komplett andere. Mit einer starken Leistung gegen Gladbach sicherte sich Real den Gruppensieg und den Achtelfinaleinzug in der Königsklasse.

Auch in der Liga kamen die Madrilenen so richtig in Fahrt. Alle vier Spiele nach dem 1. Dezember wurden gewonnen, insgesamt feierte Real also fünf Pflichtspiele in Serie. Der Lohn: Eine zwischenzeitliche Punktgleichheit mit Tabellenführer Atlético Madrid. Die Rojiblancos zogen inzwischen durch einen Sieg bei Real Sociedad aber wieder um drei Punkte davon, haben zudem noch ein Spiel mehr zu absolvieren. (Service: Spielplan und Ergebnisse von La Liga)

Ramos-Rückkehr sorgt für Stabilität

Doch es sind nicht nur die reinen Ergebnisse, die Real-Fans wieder von mehr träumen lassen können. Auch ein Blick in die Statistik zeigt den Wandel, den Real in den vergangenen Wochen vollzogen zu haben scheint. Die Madrilenen kassierten in besagten fünf Pflichtspielen nur zwei Gegentore. Zum Vergleich: In den vorangegangenen 15 Spielen gab es 19 Gegentore.

Und die Spiele in den vergangenen Wochen hatten es durchaus in sich. Neben dem enorm wichtigen Spiel gegen Gladbach musste die Zidane-Elf in der Liga unter anderem gegen Atlético und Europa-League-Sieger FC Sevilla antreten – und gewann beide Spiele zu null.

Doch woher kommt die neue Stärke der Königlichen? Da spielt zum einen die Rückkehr des Mannes eine wichtige Rolle, in dessen Abwesenheit Reals Abwehr Riesenprobleme offenbarte: Sergio Ramos.

Der inzwischen 34 Jahre alte Kapitän ist nach wie vor nicht zu ersetzen. Ramos fehlte fast den kompletten November mit einer Muskelverletzung, auch gegen Sevilla konnte der Abwehrchef noch nicht mitwirken. Mit seiner Rückkehr fand die Real-Defensive auf einen Schlag zurück zu alter Sicherheit.

Der Vertrag des spanischen Nationalspielers läuft zum Saisonende aus, Zidane hofft sehr auf eine Verlängerung seines Kapitäns. "Er ist entschlossen weiterzumachen und das ist das Wichtige, das bedeutet sehr viel. Ich sehe ihn noch viele Jahre spielen, weil er auch sehr auf sich achtet", erklärte der Franzose.

Rotation bei Real? Fehlanzeige

Doch die Rückkehr des Kapitäns ist nicht das einzige aktuelle Erfolgsgeheimnis. Ein Blick auf die Startformationen der vergangenen Spiele zeigt: Zidane verzichtet aktuell fast gänzlich auf Rotation. Bis auf wenige Ausnahmen ließ er in den fünf Spielen die gleiche Startelf auflaufen.

Auch Toni Kroos ist Teil dieser Stammelf. Zu Saisonbeginn musste der Nationalspieler öfter als ihm lieb sein dürfte auf der Bank Platz nehmen, fehlte zudem zwei Spiele mit einer Muskelverletzung. Doch im Dezember hat er noch keine Minute verpasst.

Gemeinsam mit Luka Modric bildet er nun wieder die jahrelang so erfolgreiche Mittelfeldachse. Der vor seiner Verletzung gesetzte Federico Valverde muss sich da erstmal hintenanstellen. Auch der Ausfall von Eden Hazard scheint Real nicht zu beeindrucken, auch weil Karim Benzema weiter nach Belieben trifft. Fünf Tore steuerte der Franzose zur Siegesserie bei.

Doch das Thema Belastungssteuerung wird auch ein Zidane-Thema werden. Schon am Mittwoch sind die Königlichen in der heimischen Liga wieder im Einsatz (La Liga: Real Madrid - FC Granada, Mittwoch 19.45 Uhr im LIVETICKER).

Eine Winterpause gibt es in Spanien traditionell nicht, aufgrund der Coronapandemie ist der Spielplan noch enger getaktet. Zidane wird also gezwungen werden, seinen Stars die benötigten Pausen zu geben.

Damit durch die Rotation kein Leistungsabfall entsteht, muss Zidane auch seine Bank bei Laune halten. "Weil wir alle drei Tage spielen, brauchen wir jeden. Momentan ist es eben so, dass wir weniger rotieren. Ich werde aber immer auf jeden Spieler zählen, denn die Saison ist lang", erklärte der 48-Jährige.

In den kommenden 20 Tagen warten vier Ligaspiele auf die Zidane-Elf. Auch diese 20 Tage werden wegweisend sein für die gesteckten Saisonziele. Denn eine erneute 180-Grad-Drehung der Gemütslage will Zidane auf jeden Fall vermeiden.