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München - Die zur Zweckehe verkommene Verbindung zwischen Lionel Messi und dem FC Barcelona verliert auch sportlich ihren Glanz. Folgt im Sommer der Schlussstrich?

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Den großen Knall, der alles zu beenden schien, haben sie abgewendet. Droht nun stattdessen ein zähes Verglimmen, das mindestens genauso unwürdig ist?

Die besondere Beziehung zwischen Superstar Lionel Messi und dem FC Barcelona, nach dem spektakulären Zerwürfnis im Sommer nur notdürftig gekittet: Sie steht weiterhin vor einer ungewissen Zukunft.(SERVICE: Tabelle La Liga)

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Und mehr und mehr wird auch in Barcelona die Frage gestellt, ob ein früherer Schlussstrich nicht besser für alle Beteiligten gewesen wäre.

"Finanziell betrachtet, hätte ich Messi verkauft", bekannte Carles Tusquets, der Übergangspräsident der Katalanen, vergangene Woche in einem Radio-Interview mit RAC 1 ganz offen: "Es wäre wünschenswert gewesen mit Blick auf das Geld, das man erhalten und auch eingespart hätte."

Was aus Sicht des sechsmaligen Weltfußballers noch bitterer ist: Auch auf anderer Ebene scheint auf der Fortsetzung des zur Zweckehe verkommenen Engagements kein Segen zu liegen.

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Barca wird dem Vereinsmotto aktuell nicht gerecht

Dem Vereinsmotto "Mehr als ein Klub" wird Barca aktuell nicht gerecht, die Entzauberung, die vergangene Saison mit dem 2:8 gegen Bayern ihren Höhepunkt fand, setzte sich in dieser Saison fort: Am Wochenende setzte es gegen den überraschend starken Aufsteiger Cadiz schon die vierte Niederlage im zwölften Saisonspiel.

In der Tabelle lagen die Andalusier schon vorher vor dem fünfmaligen Champions-League-Sieger, der nun auf Platz acht rangiert, hinter dem FC Sevilla und dem FC Granada. Der Neuaufbau, den der zu Beginn der Saison installierte Coach Ronald Koeman einleiten sollte, kommt nicht in Gang.

Barca präsentiert sich in genau dem Zustand, vor dem Messi im Sommer flüchten wollte. Beheben kann der mittlerweile 33-Jährige ihn nicht, der sportliche Glanz vergangener Tage ist auch bei ihm abgeblättert.

Messi prägt das Spiel nicht mehr wie früher

Mit vier Saisontoren und zwei Vorlagen prägt "La Pulga" das Spiel seines Klubs längst nicht mehr wie früher. Generell bleibt die immer noch höchst namhaft besetzte Offensive des Klubs weit unter ihren Möglichkeiten.

Messi, Antoine Griezmann und der vom FC Bayern zurückgekehrte Philippe Coutinho haben gemeinsam bisher nur zehn Ligatreffer zustande gebracht. Gegen gut organisierte Defensivteams wie Cadiz wird der Mangel an Kreativität und Esprit besonders offensichtlich. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan La Liga)

Besteht realistische Hoffnung auf Besserung? Mit großem Interesse wird auf die nahende Präsidentschaftswahl am 24. Januar geblickt.

Dort wird der Nachfolger von Josep Bartomeu gekürt, der Ende Oktober vorzeitig zurückgetreten war, nicht zuletzt aufgrund der Kritik, die er wegen seiner Rolle im Streit mit Messi auf sich gezogen hatte. Für die hatte ihn der Superstar auch öffentlich gebrandmarkt.

Messi hatte eine Vertragsklausel ziehen wollen, die ihm einen ablösefreien Wechsel ermöglichte. Bartomeu jedoch pochte wegen einer Formalie auf die Unwirksamkeit der Klausel, Messi fügte sich letztlich nur, um seinem langjährigen Heimatklub eine juristische Schlammschlacht zu ersparen.

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Messis Ex-Berater Josep Maria Minguella äußerte am Wochenende die Erwartung, dass sein früherer Klient seine Zukunft vom Ergebnis der Wahl abhängig machen wird – und von der sportlichen Vision, die ihm der siegreiche Bewerber präsentieren wird.

Neymar ist Barca zu teuer

Eine Aufsehen erregende Alternative hat ihm ein alter Bekannter soeben aber auch in Aussicht gestellt: Der frühere Barca-Teamkollege Neymar äußerte öffentlich den Wunsch, wieder mit Messi zusammenzuspielen, schon im kommenden Jahr.

Bei Barca wird das nicht möglich sein, das Geld, um Neymar aus seinem 2022 auslaufenden Vertrag bei Paris Saint-Germain herauszukaufen, hat der Klub in der aktuellen Situation nicht.

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Messi dagegen wäre ablösefrei, wenn er sich rechtzeitig zum Wechsel entschließt. Und PSG zählt zu den wenigen Klubs, die auch sein Gehalts- und Prämienniveau stemmen können und wohl auch wollen.

Nach Minguellas Einschätzung würde die Wiedervereinigung mit Neymar auch Messi prinzipiell reizen und natürlich: Es wäre die Transfer-Story des Sommers. Ein trauriges Ende einer besonderen Beziehung würde sie trotzdem bedeuten.