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Mit einem Knall verlässt Josep Maria Bertomeu das Präsidenten-Amt beim FC Barcelona, als er die Teilnahme an einer europäischen Superliga ankündigt.

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Der scheidende Vorstand des spanischen Topklubs FC Barcelona hat als eine seiner letzten Amtshandlungen einer Teilnahme an einer zukünftigen Superliga zugestimmt.

"Ich kann außergewöhnliche Neuigkeiten mitteilen", sagte Präsident Josep Maria Bartomeu, nachdem er zuvor den Rücktritt der gesamten Führungsriege verkündet hatte: "Gestern haben wir einem Vorschlag zur Teilnahme an einer zukünftigen europäischen Superliga zugestimmt, da dies die finanzielle Stabilität des Vereins gewährleisten würde."

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Spaniens Liga-Präsident Javier Tebas reagierte kritisch auf Bartomeus Aussage. "Unglücklicherweise hat Bartomeu an seinem letzten Tag Barcas Teilnahme an einem 'Phantom-Wettbewerb' angekündigt, der den Klub ruinieren würde und hat damit erneut seine Ignoranz gegenüber der gesamten Fußball-Industrie unter Beweis gestellt", sagte Tebas in einem Statement und ergänzte: "Ein trauriges Ende für einen Präsidenten, der viele Dinge richtig gemacht hat, aber zum Ende hin viele Fehler gemacht hat."

"European Premier League" sorgte für viel Wirbel

In der vergangenen Woche hatten britische Medien über einen neuen Anlauf zu einer Superliga berichtet. Demnach gebe es erste Gespräche, um insgesamt bis zu 18 Topklubs des Kontinents in der Spielklasse gegeneinander antreten zu lassen - in einem Liga-Format, dem sich eine K.o.-Runde anschließen soll. Die sogenannte "European Premier League" soll von Geldgebern mit umgerechnet fünf Milliarden Euro unterstützt werden, namentlich als Verhandlungspartner genannt wurden der FC Liverpool und Manchester United.

Real Madrid soll ebenfalls einer der Hauptarchitekten der Schaffung der neuen Liga sein. Key Capital Partners, ein spanisches Finanzhaus, soll wie Florentino Pérez hinter dem Projekt stehen. Der langjährige Real-Präsident soll sich im vergangenen Jahr mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zu Reformplänen ausgetauscht haben.

Auch mehr als ein Dutzend weitere Mannschaften aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien sollen sich in Gesprächen darüber befinden, Gründungsmitglieder des Wettbewerbs zu werden. Es soll sogar ein Starttermin schon im Jahr 2022 diskutiert worden sein. Insgesamt sollen pro Jahr Hunderte Millionen Euro an Preisgeldern ausgeschüttet werden.

Rummenigge: "Darüber keinen Kenntnisstand"

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte in der vergangenen Woche bei Sky noch nichts von den Plänen gewusst. "Ich habe darüber keinen Kenntnisstand. Ich habe mit Aleksander Ceferin (Uefa-Präsident, d. Red.) gesprochen. Ich kann kein erhellendes Urteil geben, ob daran etwas Seriöses ist", erklärte er. 

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Die UEFA hatte sich erneut mit Nachdruck gegen solche Pläne gestellt. Bereits in den vergangenen Jahren waren immer wieder verschiedene Überlegungen zu einer möglichen Superliga an die Öffentlichkeit gekommen, hatten sich jedoch nicht durchgesetzt. Im Jahr 2018 etwa hatte der Spiegel, der sich auf Football-Leaks-Dokumente bezog, angebliche Pläne einer europäischen Super League enthüllt.

Kommt von der UEFA keine Unterstützung, würde die neue Liga wohl eine Konkurrenzveranstaltung zur Champions League darstellen und diese damit abwerten, ein heftiger Machtkampf ist folglich zu erwarten.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)