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Lionel Messi bleibt. Nicht weil er will, sondern weil er muss. Nur ein mentaler Restart des Superstars kann die nächste Saison des FC Barcelona retten.

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Stellen Sie sich vor, Sie sind seit 20 Jahren in Ihrer Firma. Sie kamen als junger Praktikant, entwickelten sich im Laufe der Zeit zum Star Ihrer Branche und trugen einen riesigen Anteil dazu bei, dass das Unternehmen international zu den Top-5 gehört. Die Firma ist Ihre Familie.

Sie kennen dort alles. Die Kollegen und Kunden verehren Sie. Plötzlich aber denken Sie darüber nach, die Firma zu verlassen. Nach 20 Jahren haben Sie das Gefühl, etwas anderes machen zu wollen. Auch weil Sie sich mit dem neuen Firmenchef gar nicht mehr verstehen und seinen Weg nicht gutheißen. Für die Firma wäre Ihr Weggang ein Schock. Aber Sie haben noch einen laufenden Vertrag. Ein ganzes Jahr überlegen Sie hin und her. Eigentlich wollten Sie dort bis zur Rente arbeiten. Sie sind innerlich zerrissen, weil auch Ihre Familie nicht weg will.

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Sie haben schwere Gespräch mit dem Vorstandschef, der Ihnen irgendwann sein Okay für einen Weggang ohne Komplikationen gibt. Trotzdem wissen Sie, dass die Ankündigung über Ihren Weggang, ein Erdbeben verursacht, und den Wert der Firma torpedieren schwächen würde. Das belastet Sie. Und dann zieht plötzlich auch noch der Firmenchef seine bereits gegebene Zusage zurück. Sie müssen auf einmal doch bleiben, weil die im Vertrag verankerte Freikaufklausel zu teuer ist.

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Was glauben Sie, wie Ihre Arbeitsleistung in dem ganzen Zeitraum aussehen würde? Was glauben Sie, wie Ihre Ausstrahlung sein würde? Wie frei, zuversichtlich und motiviert würden Sie Ihre Arbeitsaufträge bei den Kunden, in der Firma erledigen?

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Lionel Messi ist beim FC Barcelona DIE Führungsperson

Lionel Messi erging es in den letzten 12 Monaten in etwa so. Kein Wunder also, dass die Performance des Superstars, des Teams insgesamt alles andere als top war. Das, was wir leisten, das, was wir ausstrahlen hat zu 100 Prozent immer damit zu tun, wie wir uns innerlich fühlen. Mit dem, was Messi innerlich beschäftigte konnte er gar nicht sein Niveau abrufen.

Das ist aber nur die eine Seite, seine persönliche. Bei der anderen geht es um die Seite der Mannschaft. Denn eine Herde orientiert sich an ihren Leittieren. Und eine Mannschaft eben an ihren Führungspersönlichkeiten. Und Messi ist DIE Führungsperson in Barcelona. Wenn sich also der Leitwolf in dem mentalen Zustand befindet wie das oben beschrieben wurde, dann färbt das natürlich auch auf die anderen Herdenmitglieder ab.

Wie konnte ein Messi sein Team zu 100 Prozent mitreißen, motivieren, antreiben, wenn er mental auf Unzufriedenheit, Ärger und Auseinandersetzung programmiert war? Das ist beinahe unmöglich.

Mounir Zitouni - Autor dieses Textes - arbeitet als Business-Coach für Veränderung, Entwicklung und Persönlichkeit (www.mounir-zitouni.de). Als Ex-Profifußballer (unter anderem Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt) und ehemaliger Sportjournalist (kicker Sportmagazin) weiß er genau um die Anforderungen und den Druck in einem spannungsgeladenen und leistungsausgerichteten Umfeld.

Versöhnung mit Bartomeu wäre hilfreich

Nun steht aber fest, dass Messi eine weitere Saison für den Klub spielen wird. Ein anderer Trainer ist da, neue Spieler kommen. Auch Messi braucht einen Restart. Einen mentalen Restart. Er muss einen Weg finden, wie er die negativen Gedanken in Bezug auf den Verein, in Bezug auf den Präsidenten Josep Maria Bartomeu aufgibt oder in irgendeiner Form umwandelt.

Am besten würde sich dafür eine Versöhnung mit Bartomeu anbieten, ein Schulterschluss, dank dem die Vergangenheit abgehakt wird und mit vereinten Kräften nach vorne geschaut wird. Diese Möglichkeit scheint derzeit eher unrealistisch, so wie Messi spricht und wie das Verhältnis geartet ist. Es wäre dennoch sinnvoll sich zu fragen, ob es einen Nenner geben kann, auf dem eine neue Beziehungsebene zwischen den beiden hergestellt werden kann.

Innere Haltung Messis entscheidet über Barca-Saison

Wenn das unmöglich ist, sollte Messi versuchen, in seiner letzten Saison zum "hero" zu werden, indem er der Mannschaft, den Fans zum Abschied eine grandiose Saison schenkt und sich damit ehrenvoll und respektiert verabschieden kann. Die Mitspieler und die Barca-Anhänger wollen auf allen Ebenen wieder spüren, dass sich die Nummer 10 zu 100 Prozent wieder einbringt, mit voller Freude und Elan das Spiel antreibt und vor allem die Aufgabe in Barcelona nicht als Qual empfindet, sondern als Geschenk.

Die innere Haltung, die Messi an den Tag legen wird, ist entscheidend dafür, wie gut seine Saison und die der Mannschaft werden wird. Denn noch ist Messi mit seinen Fähigkeiten so gut, dass das Niveau des Teams mit ihm steht und fällt. "Ich hier, ihr dort" – so wird eine erfolgreiche Saison nicht funktionieren.

Messi muss wieder zu einem echten Teil des Teams, des Klubs werden. Bartomeu und Mitglieder des Managements können dem im Wege stehen, aber nur wenn Messi das zulässt. Es liegt allein an ihm. Welchen Stempel hinterlässt er? Am Ende geht es um eine seiner wichtigsten Fußballsaisons. Er sollte deshalb den Weg für einen innerlichen Neuanfang starten.