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München - Vor 20 Jahren wird Florentino Pérez Präsident von Real Madrid. Er baut die "Galaktischen" auf, die vor allem wirtschaftlichen Erfolg bringen.

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Florentino Pérez ließ nicht locker.

Nach einem gescheiterten Versuch, Präsident von Real Madrid zu werden, wagte der Bauunternehmer am 22. Juni 2000 mit kühnen Plänen im Hinterkopf einen neuen Anlauf.

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Pérez forderte Amtsinhaber Lorenzo Sanz heraus, unter dessen Ägide der Klub zuletzt zwei Mal in drei Jahren die Champions League gewonnen hatte.

Florentino Pérez wurde 2000 Präsident von Real Madrid
Florentino Pérez wurde 2000 Präsident von Real Madrid © Getty Images

Zwar hatte Real in der Liga nur einen enttäuschenden fünften Rang belegt, doch Sanz ging als Favorit ins Rennen.

Doch mit einer vollmundigen Ankündigung holte Pérez die Real-Mitglieder auf seine Seite: Er versprach, Luís Figo von Erzrivale FC Barcelona nach Madrid zu holen.

Pérez holt Figo von Barca

Gesagt, getan. Nach seinem Wahlerfolg am 16. Juli 2000 lockte er Figo, der bei der EM zum Spieler des Turniers gewählt worden war, auch dank eines Handgelds von zwei Millionen Euro zu den Königlichen – und leitete damit den Aufstieg der Galaktischen ein. 

Ein Begriff, der in den 50er und 60er Jahren zu Zeiten von Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskás bereits verwendet wurde, in den 2000er Jahren aber Popularität erlangte. "Wir waren wie die Beatles", sagte Figo laut uefa.com.

Luís Figo (l.) wechselte 200í vom FC Barcelona zu Real Madrid
Luís Figo (l.) wechselte 200í vom FC Barcelona zu Real Madrid © Getty Images

Neben sportlichen Erfolgen peilte Pérez trotz kostspieliger Transfers die Rückkehr zur finanziellen Macht an. Denn die Vermarktung seiner Stars sollte neue Erlösquellen generieren. Gleichzeitig sollten junge Spieler aus dem Nachwuchs gefördert werden. Dazu verkaufte Pérez das Trainingsgelände des Klubs für 480 Millionen Euro, um Schulden zu begleichen.

Neben Rekordtransfer Figo (60 Millionen Euro) fanden Claude Makélélé, Flávio Conceicao, Steve McManaman und Fernando Morientes den Weg in die spanische Hauptstadt, insgesamt gab Perez im Sommer 2000 etwa 120 Millionen Euro aus – für damalige Verhältnisse eine stattliche Summe.

Zidane schießt Real zum CL-Titel

Mit dem ersten Meistertitel seit vier Jahren begann Pérez' Mission trotz des Scheiterns im Halbfinale der Königsklasse am späteren Sieger Bayern mit einem Erfolg, der (ihm) Lust auf mehr machte.

Pérez gab Reals neues Motto auf dem Transfermarkt aus: Nur das beste ist gut genug, "der größte Klub braucht die besten Spieler der Welt". Für den Sommer 2001 bedeutete dies, mit dem neuerlichen Transferrekord von 77,5 Millionen Euro Zinedine Zidane von Juventus Turin zu kaufen.

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Nach Rang drei in der Liga und dem verlorenen Pokalfinale gegen La Coruna drohte die Saison zum Misserfolg zu werden. Doch mit dem Sieg im Champions-League-Finale gegen Bayer Leverkusen gelang dank des grandiosen Volleytores von Zidane doch noch ein großer Triumph, der den Höhepunkt dieser Ära darstellte. Gleichzeitig verpasste Real dem Gegner den Stempel "Vizekusen".

"Jeder spricht von meinem Tor, aber der wahre Held war Casillas mit seinen Paraden", sagte Zidane später.

Pérez wirft Spieler-Versteher del Bosque raus

Im Sommer 2002 wiederum "kam der König" (AS), als sich Pérez Weltmeister Ronaldo 45 Millionen kosten ließ. Eine Offensive aus Figo, Zidane, Ronaldo und Eigengewächs Raúl gehört bis heute zum Besten, was je eine Mannschaft aufs Feld bringen konnte.

Mit dem UEFA Super Cup und spanischen Meisterschaft heimsten die "Galácticos" weitere Titel, die etwas über das verfrühte Ausscheiden in nationalem (0:4 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Mallorca) und internationalen Pokal (Halbfinale gegen Juventus) hinwegtrösteten.

Doch der gezeigte Fußball reichte Peréz nicht, er sehnte sich nach mehr Spektakel. Überraschend warf er Trainer Vicente del Bosque raus, der mit seiner ruhigen Art die Stars bei Laune hielt.

Es wurde zum Anfang vom Ende der Galaktischen. "Vicente del Bosque hat uns perfekt verstanden. Wir brauchten keine Regeln. Die Spieler wussten, was zu tun ist", sagte Roberto Carlos, der diese Ära mitprägte, später bei Canal 11.

"Die Trainingseinheiten am Montag und manchmal am Dienstag waren erst um 17 Uhr. Er hat diese nicht um 11 Uhr morgens geplant, weil er gewusst hat, dass fast niemand gekommen wäre."

Mit Beckham wird's glamourös

Del Bosques Ablösung führte auch zum baldigen Abschied von Sechser Claude Makélélé, der eine größere Lücke hinterließ, als Pérez wahrhaben wollte. Zumal der Präsident für die Offensive eine Menge Geld ausgab, in die Verteidigung aber deutlich weniger investierte. Und die Defensiv-Transfers, die er tätigte, überzeugten selten.

Fünf Trainer und vier Sportdirektoren versuchten sich bis 2007 in Madrid anschließend – mit gemischtem Erfolg.

Anschließend zog der Glamour endgültig in Madrid ein. Während Konkurrent Barcelona Ronaldinho holte, war David Beckham Pérez 2003 37,5 Millionen Euro wert, denn der Präsident wusste, was die Ankunft des Superstars mit sich bringen könnte.

Das mediale Interesse an Beckhams Vorstellung war riesig, Reals Trikotverkäufe schossen in die Höhe, der Klub gewann besonders in Asien Sympathien und Anhänger und wurde zum einkommensstärksten der Welt.

Erfolglose Galácticos

Während Beckhams Transfer wirtschaftlich boomte, liefen die Stars sportlich den Erwartungen hinterher, auch weil der Engländer im Prinzip auf derselben Position beheimatet war wie Figo. Dass Pérez zu sehr auf Marketingaspekte achtete und weniger auf sportliche, war ein weiterer Vorwurf, den er sich gefallen lassen musste.

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Das Starensemble blieb sowohl 2004, als Pérez die Transferrechte für Eigengewächs Samuel Eto'o hergab, der später Barcelona zum Erfolg führte, und vergeblich um Francesco Totti buhlte, als auch 2005 – mit Neuzugang Michael Owen - ohne Titel.

Figo brach seine Zelte anschließend ab. Das Ende einer Ära war eingeläutet, der Erfolg blieb weiter aus. Im Achtelfinale der Champions League schied Real ohne Treffer gegen den FC Arsenal aus.

Am 27. Februar 2006 trat Pérez von seinem Amt zurück, ehe er 2009 zurückkehrte. Nach Saisonende beendete Zidane seine Karriere, Ronaldo verabschiedete sich im Winter zum AC Milan. Nur Beckham blieb noch ein Jahr und feierte zumindest 2007 einen Meistertitel.