Von links: Casemiro feiert mit Vinicius Junior, Luka Modric und Raphael Varane
Von links: Casemiro feiert mit Vinicius Junior, Luka Modric und Raphael Varane © Getty Images
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München - Real Madrid hat in den letzten zehn Jahren eine interessante Transfer-Strategie entwickelt. Dafür nahmen die Königlichen viel Geld in die Hand.

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Mit Sergio Canales und Mesut Özil fing alles an. 

Für den damals 18-jährigen Canales überwies Real Madrid fünf Millionen Euro an Racing Santander, für den 21-jährigen Özil 18 Millionen Euro nach Bremen. Die beiden Neuzugänge im Jahr 2010 sollten die Richtung einer neuen Transferstrategie vorgeben. 

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Seither nahmen die Königlichen die astronomische Summe von 438 Millionen Euro für junge Spieler unter 22 Jahren in die Hand. Für ihre neuen Prinzen, die den stolzen Klub in die Zukunft führen sollten. 

Bei Özil und Canales funktionierte die Strategie nicht zur vollen Zufriedenheit - beide spielen längst bei anderen Klubs. Mit Özil, der 2013 für 47 Millionen Euro zum FC Arsenal wechselte, machte Real immerhin eine pralle Summe an Transfergewinn. Canales brachte 7,5 Millionen Euro ein und spielt mittlerweile bei Real Betis.

Varane, Casemiro und Carvajal als Volltreffer

Bei anderen Verpflichtungen traf Real auch ins Schwarze. In der Saison 2011/12 kam der damals 19-jährige Raphael Varane für zehn Millionen Euro vom RC Lens, ein Jahr später der ebenfalls 19-jährige Casemiro für sechs Millionen Euro vom FC Sao Paulo. 

In der Spielzeit 2013/14 verpflichtete der Klub die 21-jährigen Dani Carvajal (für fünf Mio. von Bayer Leverkusen) und Isco (für 30 Mio. vom FC Malaga). Alle vier entwickelten sich zu wichtigen Säulen Reals und trugen ihren Teil zu den drei aufeinanderfolgenden Triumphen in der Champions League (2016 bis 2018) bei. 

Die letzten großen Transfers in dieser Richtung stellten die Verpflichtungen von Vinicius Junior (für 45 Millionen Euro von Flamengo), Reinier (für 30 Mio. von Flamengo), Rodrygo (für 45 Mio. Euro vom FC Santos), Éder Militao (für 50 Mio. Euro vom FC Porto) und Luka Jovic (für 60 Mio. von Eintracht Frankfurt) dar. 

Insgesamt verpflichtete Real Madrid seit 2010 24 Spieler unter 22 Jahren. 

Calafat als wichtigster Mann hinter den Kulissen

Diese Transferausrichtung Reals in den letzten Jahren ist vor allem auf einen Mann zurückzuführen: Juni Calafat.

Der in Spanien geborene Brasilianer arbeitete bis 2014 nur sporadisch als Talentspäher für die Königlichen, dann bekam er eine Festanstellung als Südamerika-Experte. Mittlerweile ist er Reals Chefscout. 

Viel ist über Calafat nicht bekannt. Er ist ein ungewöhnlich stiller Vertreter seiner Zunft und scheut das Rampenlicht. Er soll früher ein überragender Futsalspieler gewesen sein, sich aber früh für eine Karriere neben dem Rasen entschieden haben. 

Die spanische Zeitung ABC bezeichnete Calafat einmal als "Fußballverrückten", der an die 100 Spielervideos pro Woche analysiere. Als für die breite Öffentlichkeit Unbekannter hat er sich zu einem der wichtigsten Protagonisten der Galaktischen aufgeschwungen. 

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Calafats liebstes Scoutingziel ist seine Heimat. 2013 riet er Real zu der Verpflichtung von Casemiro. Ein echter Glücksgriff, wie sich bald herausstellen sollte, der dem Brasilianer großes Vertrauen in der spanischen Hauptstadt einbrachte. 

Haaland und Camavinga stehen auf der Einkaufsliste

Seitdem fädelt Calafat auch Transfers von Spielern anderer Nationen ein. Zuletzt beispielsweise die Verpflichtungen der Spanier Marco Asensio und Brahim Diaz, des Uruguayers Fede Valverde, des Norwegers Martin Odegaard, oder des Serben Jovic. 

Eduardo Camavinga könnte sein nächstes großes Projekt sein. Der 17 Jahre alte Franzose steht derzeit bei Stade Rennes unter Vertrag. Bei vielen Experten wie Calafat wird er als eines der größten Talente seiner Generation angesehen. 

Zuletzt machten Gerüchte die Runde, wonach sich Camavinga bereits mit Real einig sein soll. Der Mittelfeldspieler würde auf jeden Fall in das Beuteschema der Königlichen fallen. 

Das trifft auch auf Jadon Sancho und Erling Haaland zu. Die Shootingstars von Borussia Dortmund werden bereits mit den Madrilenen in Verbindung gebracht. 

Die Vorstellung, einmal das Trikot von Real zu tragen, scheint Haaland durchaus zuzusagen. Als die Internetseits madridgraphcis ein Foto von Odegaard und Haaland im Trikot der Königlichen postete versah er es mit einem Like. 

Auch Haalands Vater hatte bereits der AS verraten, dass es Haaland liebe, mit Odegaard zu spielen.

Vielleicht führen Real also bald zwei Norweger in die Zukunft. Als Prinzen der spanischen Hauptstadt.