Ivan Helguera (r.) spielte gemeinsam mit Ronaldo (l.) und David Beckham für Real Madrid
Ivan Helguera (r.) spielte gemeinsam mit Ronaldo (l.) und David Beckham für Real Madrid © Getty Images
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München - Anfang der 2000er holt Real Madrid ein Star-Ensemble um Luis Figo, Ronaldo und Zinédine Zidane. Oft sorgen sie aber nur abseits des Rasens für Aufsehen.

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Die "Galácticos" von Real Madrid versprühten viel Glamour in der spanischen Hauptstadt, auch im Nachtleben. Als sie 2003 die spanische Meisterschaft gewannen, war ihnen wegen ihres Trainers Vicente del Bosque allerdings nicht zum Feiern zumute, wie Ivan Helguera nun verraten hat.

Galacticos protestieren gegen del-Bosque-Entlassung

"Sie wollten del Bosque entlassen - wir aber, dass er bleibt. Also wollten wir den Titel nicht feiern", sagte der langjährige Stammspieler in der Real-Defensive in einem Instagram-Interview.

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Der spanische Meistercoach hatte nach Ankunft von Luis Figo und Zinédine Zidane den Königlichen 2002 den Triumph in der Champions League beschert. Weil sein Spielstil aber als langweilig galt und nicht mehr zum Image passte, stand del Bosque vor dem Rauswurf. 

Zur Erinnerung: Vor der Saison hatten die Königlichen den brasilianischen Weltmeister Ronaldo als dritten Hochkaräter des Star-Ensembles vorgestellt. Sein Doppelpack am letzten Spieltag gegen Athletic Bilbao sicherte einen der wenigen gemeinsamen Titel.

"Es war schwierig, das Abendessen zu genießen"

Die Real-Stars, die womöglich zum letzten Mal Teamgeist bewiesen, empörten sich gemeinsam. Wegen der drohenden Entlassung des Erfolgstrainers sagten viele Spieler zunächst ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten in der spanischen Hauptstadt ab. Am Ende entschieden sie sich jedoch um.

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"Wir mussten zum Rathaus, und viele Spieler wollten nicht dort sein", berichtete Helguera von der damaligen Gemütslage des Teams. Angesichts des zu erwartenden Trainerwechsels "war es schwierig, das Abendessen zu genießen".

Del Bosques Entlassung konnten sie mit ihrem loyalen Protest nicht mehr verhindern. Der Trainer sei "eher ein Freund der Spieler gewesen", hatte bereits Roberto Carlos erzählt. Die lockere Leine, mit der del Bosque die Stars motivierte, führte indes zu Problemen mit seinen Nachfolgern. Mit dem Abgang des späteren Welt- und Europameister-Trainers der spanischen Nationalmannschaft offenbarte das Konzept der Galácticos erste Risse.

Zweite Perez-Ära mit Cristiano Ronaldo

Präsident Pérez setzte weiterhin auf große Namen und Offensivspektakel. David Beckham und Michael Owen kamen, während der zentrale defensive Fixpunkt namens Claude Makélélé abgegeben wurde. Auf eine Verpflichtung Ronaldinhos verzichtete Real aus Marketinggründen.

Obwohl vor allem die Stars Figo, Beckham und Zidane Professionalität walten ließen, zeigten insbesondere Ronaldo und Roberto Carlos Interessen abseits des Rasens. Partys und Protzereien gehörten zum Alltag - zumindest wochentags oder nach gewonnenen Spielen.

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"Wenn man am Samstag spielte und gewann, machten sie Party", sagte ihr ehemaliger Mitspieler Helguera über die beiden Brasilianer, der einen gewissen Zusammenhang zum sportlichen Abschneiden sieht. "Aber wenn das Spiel am Sonntag anstand, gingen sie am Freitag oder Samstag nicht aus."

Dennoch blieben die Galaktischen insgesamt hinter ihren Erwartungen zurück, besonders in der Champions League. Weitere Trainerwechsel und das Ausscheiden von Pérez beendeten 2007 die erste Ära.

2009 kehrte Pérez zurück und blies mit Cristiano Ronaldo und Kaká zum erneuten Angriff auf "La Décima". Der ersehnte zehnte Triumph in der Königsklasse gelang trotz der zweiten Galácticos-Ära aber erst 2014.