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In der Saison 2019/20 grüßt zwar der FC Barcelona von Platz eins in La Liga, doch neben dem Platz gab es viel Unruhe, Konflikte und Skandale. Eine Chronologie.

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Nachdem niemand Geringeres als Lionel Messi, der Kapitän des FC Barcelona, auf Instagram öffentlich seinen Unmut darüber verbreitete, dass er und seine Mannschaftskollegen sich in der Coronakrise zu Unrecht unter Druck gesetzt gefühlt haben, schlug diese Nachricht hohe Wellen in den spanischen Medien.

Messi hatte die Mutmaßungen über einen vermeintlichen Widerstand seiner Mannschaft gegen Gehaltskürzungen aufgrund der coronabedingten Notlage schnell aus der Welt geschafft und als Kapitän ein klares Zeichen gesetzt. (Die Meldung im Wortlaut)

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Die Spieler des spanischen Meisters verzichten laut Messi auf 70 Prozent ihrer Bezüge. Bei dem entsprechenden Post verpasste der Argentinier der Klubführung einen Seitenhieb, von der sich die Mannschaft offenbar mehr Rückendeckung erhofft hatte.

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Bartomeu stärkt Messi den Rücken

Einen Tag später erhielt Messi immerhin Rückendeckung von Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu, der ihn in den Tageszeitungen Sport und Mundo Deportivo verteidigte: "Messi hat mir vom ersten Tag an gesagt, dass diese Kürzung vorgenommen werden muss." Durch den Verzicht der Profis spart der Klub 14 Millionen Euro monatlich, wie Bartomeu am Dienstagabend Radio Catalunya verriet.

Nichtsdestotrotz ist im Umfeld des spanischen Top-Klubs die Ruhe bedenklich gestört. Erst recht, wenn man auf die letzten Monaten zurückblickt und sieht, wie zahlreiche Barca-Stars öffentlich die Art und Weise kritisierten, wie der katalanische Klub derzeit geführt wird.

Stressige Saisonvorbereitung:

Die ersten kritischen Stimmen wurden laut, als die Spielzeit noch gar nicht begonnen hatte. In der Saisonvorbereitung sagte Gerard Pique: "Es ist nicht leicht, sich vorzubereiten, denn wir haben eine Vorsaison mit vielen Reisen und wenig Training."

Dem damaligen Trainer Ernesto Valverde schmeckte das genauso wenig: "Wir wissen, dass unser erster Gegner Athletic Bilbao besser vorbereitet zum Spiel kommen wird."

Trikotnummern-Vergabe sorgt für Unmut:

Top-Neuzugang Frenkie de Jong erhielt im Sommer die Trikotnummer 21, die der Mittelfeldspieler auch schon bei Ajax Amsterdam zuvor getragen hatte. Dumm nur, dass diese Nummer eigentlich Eigengewächs Carles Alena trug, der darüber nicht amüsiert war.

"De Jong war bescheiden, und ich bin damit einverstanden, dass er sie bekommen hat, weil es eine sentimentale Sache ist", zeigte sich Alena später einsichtig. "Aber ich hätte gerne eine Nachricht vom Vorstand gehabt, der ihm die Nummer gab, ohne mich darüber aufzuklären."

Streit um Vidals Bonus:

Arturo Vidal reichte im Dezember 2019 bei der spanischen Liga und dem Verband AFC Klage gegen Barca ein, weil dem Chilenen Prämien von 2,4 Millionen Euro noch nicht bezahlt wurden.

"Für mich wirkt es unfair, dass ich dieses Geld nicht bekommen habe", sagte der Ex-Bayern-Star. Der katalanische Top-Klub hielt dagegen, dass Vidal für die Auszahlung der Prämie nicht die nötigen Spiele absolviert habe. Dieser Konflikt ist bis heute noch nicht ausgestanden.

Konflikt zwischen Messi und Abidal:

Nachdem Sportdirektor Eric Abidal in einem Interview gesagt hatte, er glaube nicht, dass alle Spieler vor der Entlassung Valverdes hart gearbeitet hätten, schlug Messi zurück: "Ich denke, dass man, wenn man über Spieler spricht, Namen nennen sollte. Denn wenn nicht, weiß niemand, wer gemeint war."

Wie ESPN im Februar unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen berichtete, habe Messi das Gefühl gehabt, dass er zu Unrecht für Valverdes Aus verantwortlich gemacht wurde - obwohl Abidal bei der Einstellung und Entlassung der Trainer eine deutlich größer Rolle spielte. 

Das Verhältnis des französischen Sportdirektors zu Barcas Superstar ist immer noch empfindlich gestört. 

Ungewisse Zukunft von Rakitic:

Der Vertrag von Ivan Rakitic läuft im Sommer 2021 aus. Eigentlich wollte der kroatische Vize-Weltmeister gerne in Katalonien bleiben - und auch verlängern. Doch die Vereinsführung soll mit dem Ex-Schalker bisher nicht mal persönliche Gespräche geführt haben.

"Es gibt viele Dinge, die mir nicht gefallen haben, und ich sage das sehr deutlich", erklärte der Mittelfeldspieler, und deutete damit an, dass er sich nun ernsthaft mit einem Abschied im Sommer beschäftige. An Interessenten für Rakitic mangelt es nicht - von Inter Mailand ist die Rede, von Juventus Turin, von der Premier League. Auch eine Rückkehr zum Ex-Klub FC Sevilla gilt als möglich.

Zu kleiner Barca-Kader:

Rakitic kritisierte auch die Größe des aktuellen Kaders nach dem Unentschieden gegen Napoli in der UEFA Champions League: "Es ist ein kleiner Kader, aber das wissen sie schon."

Ebenso wie Sergio Busquets: "Wir haben einen kleinen Kader. Leider ist das so geplant." Viel zu häufig mussten auf der Bank junge, unerfahrene Talente und Jugendspieler Platz nehmen bzw. aushelfen. Dieser Seitenhieb galt auch der sportlichen Leitung.

Der Social-Media-Skandal:

Einige Spieler aus Barcelona waren das Ziel von I3 Ventures, einem Unternehmen, das angeblich von Barca angeheuert wurde, um den Ruf bestimmter Personen zu schädigen. 

Während einige Spieler in der Öffentlichkeit sagten, dass sie an das darauf folgende Dementi des Klubs glaubten, gab Messi zu, dass er nicht zu ihnen gehörte: "Die Wahrheit ist, dass ich es für seltsam halte. Wir müssen abwarten, ob es wahr ist oder nicht."

Sollte die Saison in der spanische La Liga doch wieder angepfiffen werden, wäre es für Messi und Co. wünschenswert, dass endlich Ruhe im und um den Klub herum einkehrt. Ansonsten sind die hohen Ambitionen wie Meisterschaft und Champions-League-Titel stark gefährdet.