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München - Der einst so schillernde FC Barcelona schlägt sich mit einem handfesten Skandal herum. Dabei geht es vor allem um Macht. Ist Präsident Bartomeu Täter oder Opfer?

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Rein sportliche Schlagzeilen zum FC Barcelona sind aktuell selten. 

Als die Katalanen am Samstagnachmittag durch den Viererpack von Lionel Messi mit 5:0 gegen Eibar gewannen und später dank der 0:1-Pleite von Real Madrid bei Levante die Tabellenführung zurückeroberten, lenkte das zumindest für kurze Zeit von den unschönen Dingen ab, die derzeit das Geschehen bestimmen.

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Dabei ist die Kritik an der fragwürdigen Verpflichtung des Stürmers Martin Braithwaite noch das kleinere Ärgernis.

Was dem so schillernden Image des spanischen Vorzeigeklubs viel mehr schadet, ist "Barcagate". Der Skandal um die angeblich von Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu über eine argentinische Firma in Auftrag gegebenen Diffamierungen und Verbreitung von Fake-News. Diese wirft ein denkbar schlechtes Licht auf die Blaugrana.

Bisher bekannt und bestätigt ist, dass Barca und das Unternehmen "I3 Ventures" vertraglich verbunden waren. Fakt ist auch, dass aktuelle und ehemalige Personen des Vereins und in dessen Umfeld, darunter Superstar Lionel Messi, Ex-Trainer Pep Guardiola und Präsidentschaftskandidat Victor Font, in sozialen Medien verunglimpft worden sind - und zwar von Accounts, die "I3 Ventures" betreut hat. Das hat Bartomeu eingeräumt.

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Was er jedoch bestreitet, ist, dass er der Firma aus Südamerika dazu den Auftrag erteilt hat. Er droht bei gegenteiligen Behauptungen sogar mit rechtlichen Schritten, eingeleitet sind diese jedoch noch nicht.

Komplott gegen Bartomeu?

Die entscheidende Frage ist: Wer war letztendlich Strippenzieher der schmutzigen Kampagne?

Dabei kommt wiederum Font ins Spiel. Der spanische Wirtschaftsmogul hat es auf das Präsidentenamt von Bartomeu abgesehen.

"Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es sich bei der Affäre um eine Kampagne von Bartomeu-Gegnern handelt, die ihm das in die Schuhe schieben wollen", erklärt Miguel Gutierrez, Journalist und Spanien-Experte, im Gespräch mit SPORT1.

Gutierrez führt weiter aus: "Es würde mich wundern, wenn Bartomeu die eigenen Spieler und Guardiola diffamieren würde. Andererseits wundert mich im Fußball gar nichts mehr. Wir wissen nicht, was in den Köpfen mancher Funktionäre vorgeht."

Barca-Chef? Nur der Ministerpräsident ist wichtiger

Um an Macht zu kommen, gehen so manche Funktionäre bisweilen rücksichtslos zu Werke. Und der Chefposten bei Barca bringt davon eine Menge.

"Das Präsidentenamt beim FC Barcelona ist ein Amt, das mit unglaublich viel Macht behaftet ist, es öffnet auch die Tür zu beruflicher und wirtschaftlicher Macht. Es ist in Katalonien der zweitwichtigste Posten nach dem Amt des Ministerpräsidenten", sagt Gutierrez.

Für 2021 sind Präsidentschaftswahlen angekündigt. Font forderte im Zuge der aktuellen Affäre, das Votum vorzuziehen. 

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Ausgenommen vom Radiosender Cadena Ser, der "Barcagate" ins Rollen brachte, und Onda Cero, das weitere Details veröffentlicht hat, halten sich die spanischen Medien in der Berichterstattung zum Skandal zurück.

"Es könnte zu Bartomeus Absetzung kommen"

"Die meisten Medien in Spanien gehen mit dem Thema vorsichtig um und recherchieren selbst wenig. Es könnte passieren, dass sie vom FC Barcelona sozusagen ausgesperrt werden", erklärt Gutierrez die Hintergründe.

Der 50-Jährige, der früher auch in Deutschland gearbeitet hat, fügt hinzu: "Der FC Barcelona ist - getreu seinem Motto - mehr als ein Verein. Er ist quasi ein Staat im Staat. Er ist nach der Regierung die zweitmächtigste Institution in Katalonien."

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Die Affäre hat also eine Reichweite über den Fußball hinaus. Wie sie endet, wer schließlich als Schuldige entlarvt werden, steht in den Sternen. Eines steht aber fest.

"Es ist ganz klar eine Geschichte, die dem aktuellen Präsidium schadet. Es könnte zu einem Misstrauensvotum und zur Absetzung Bartomeus kommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass er zu einem Rücktritt bewegt wird, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten", macht Gutierrez deutlich.

Sportliche Schlagzeilen zum FC Barcelona werden auch in naher Zukunft eher sekundär sein.