Lesedauer: 7 Minuten

Duisburg - Am 19. Dezember 2009 macht Lionel Messi bei der Klub-WM den sechsten Titel für den FC Barcelona perfekt. Trainer Pep Guardiola hatte das ultimative Team geformt.

Anzeige

Pep Guardiola kratzte sich den Kopf und schaute verzweifelt drein. Sein FC Barcelona drohte in diesem historischen Spiel eine Niederlage. 0:1 lag das Team im Finale der Klub-WM gegen Estudiantes de la Plata zurück.

Die Zeit verrann. 89 Minuten waren rum. Der Ball flog noch mal in den Strafraum. Gerard Pique verlängerte, Pedro stieg zum Kopfball hoch - und traf. Die Zuschauer im Zayed-Sports-City-Stadion von Abu Dhabi flippten aus. Es gab Verlängerung.

Anzeige

Und da sollte Lionel Messi seinen großen Auftritt haben. Er hätte die Partie auf Superstar-Art entscheiden können. Mit einem Solo über das halbe Spielfeld. Einem gefühlvollen Lupfer. Einem Freistoß in den Winkel.

Der Argentinier machte es diesmal unorthodox und doch elegant. Nach Dani Alves‘ Flanke bugsierte er den Ball per Brust über die Linie. 2:1 für Barcelona.

Valdes pariert, Guardiola jubelt

Zehn Minuten und ein paar Paraden von Barca-Torwart Victor Valdés später war es geschafft. Guardiola riss die Arme hoch. Die Spieler in den rosafarbenen Trikots bildeten eine Jubeltraube.

Solch emotionale Bilder bietet die Klub-WM sonst nie. Der Wettbewerb gilt als unwichtig. Doch an diesem 19. Dezember 2009 war es ein besonderes Endspiel. Damals ging es um die Krönung eines perfekten Jahres. Um den sechsten Titel innerhalb von zwölf Monaten.

Barcelona gelang vor genau zehn Jahren eine einmalige Erfolgsserie. Den Grundstein dafür legte der Klub bereits im Sommer 2008. Damals musste Trainer Frank Rijkaard gehen. Pep Guardiola, zuvor verantwortlich für Barcelonas zweite Mannschaft, übernahm.

Für den ehemaligen Profi zählten die Meriten der Vergangenheit nicht. Zwei Topstars fielen durchs Raster. Ronaldinho wechselte zum AC Mailand, Deco zum FC Chelsea. Dafür beförderte Guardiola den Nachwuchsspieler Sergio Busquets in den Profikader. Es war ein riskanter Plan, der aufging.

Jetzt das aktuelle Trikot des FC Barcelona bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Alves schwärmt vom Trainer

"Auch ohne Guardiola hatte der FC Barcelona eine Spielphilosophie, aber er hob sie auf das nächste Level", beschrieb Dani Alves die Zeit. Da Ronaldinho und Deco weg waren, bekamen andere Spieler mehr Verantwortung. Taktgeber Andres Iniesta und Ballvirtuose Lionel Messi machten unter Guardiola noch mal einen Schritt nach vorne.

Es war überhaupt eine Mannschaft gespickt mit Weltklassespielern. Lionel Messi wirbelte in der Offensive mit Samuel Eto’o und Thierry Henry. Wenn einer dieser Stars mal eine Pause brauchte, kam Eidur Gudjohnson.

Im Mittelfeld brillierten neben Andres Iniesta dessen Landsmann Xaxi sowie Yaya Touré und Seydou Keita. Und in der Innenverteidigung fand Guardiola in dem talentierten Gerard Pique den passenden Nebenmann zu Routinier Carles Puyol.

Dieses Team war nicht zu stoppen. Wer Barcelona ärgerte, bekam anschließend die volle Offensivwucht ab. Wie Athletic Bilbao. Im Finale um die Copa del Rey gingen die Basken in Führung. Doch dann drehte Barcelona auf. Yaya Toure, Lionel Messi, Bojan Krkic und Xavi machten in 32 Minuten aus einem 0:1 ein 4:1. Der Erfolg im spanischen Pokal brachte dem Team am 13. Mai den ersten Titel im Jahr 2009.

Real patzt, Meisterschaft auf der Couch

Die nächste Feier gab es drei Tage später. Konkurrent Real Madrid patzte, Barcelona gewann am 16. Mai die spanische Meisterschaft auf der Couch - zwei Spieltage vor Schluss. Guardiolas Mannschaft stellte mit 105 Treffern die beste Offensive und mit 35 Gegentoren die beste Defensive in Spanien.

"Es wäre das Größte, wenn wir nun auch noch das Finale gegen Manchester United in der Champions League gewinnen", sagte der damalige Klubchef Joan Laporta bei der Meisterfeier.

27. Mai 2009: Olympiastadion in Rom. Es kam zum Trainerduell der Generationen. Pep Guardiola, damals 38 Jahre alt, traf auf den 67-jährige Alex Ferguson. Barcelona diktierte die Partie. Nach zehn Minuten traf Eto’o. Messi erzielte in der 70. Minute den 2:0-Endstand. Nach Abpfiff warfen die Spieler ihren Erfolgstrainer in die Luft. Auch Eto’o feierte ausgelassen.

Jetzt aktuelle Fanartikel der internationalen Top-Klubs bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Ibrahimovic ersetzt Eto’o

Doch der Kameruner musste kurz darauf gehen – trotz seiner 30 Ligatreffer. Die Katalanen gaben den Angreifer an Inter Mailand ab. Im Gegenzug wechselte Zlatan Ibrahimovic nach Barcelona. Der Schwede mit dem XXL-Ego sollte dem Spiel eine neue Note geben. Wucht gepaart mit Finesse.

Ibrahimovic holte mit seinem neuen Klub auch direkt zwei Titel. Zu Beginn der Saison 2009/2010 gewann Barcelona den spanischen Supercup. Gegner Athletic Bilbao war chancenlos. Das Team verlor erst das Hinspiel im eigenen Stadion mit 1:2. Im Camp Nou machte Barcelona alles klar. Im Heimstadion gab es einen 3:0-Erfolg - und damit Titel Nummer vier am 23. August.

Im europäischen Supercup ging es für Guardiolas Team nach Monaco. Dort traf der Champions-League-Gewinner auf Schachtjor Donezk, den aktuellen Uefa-Cup-Sieger. Es ging in die Verlängerung. Pedro war nach 115 Minuten zur Stelle. Und auch am 29. August konnte Barcelona feiern.

Dass es danach monatelang kein neues Exponat für den Trophäenschrank gab, lag am Spielplan. Die Klub-WM ist ein Winterturnier. Barcelona reiste im Dezember in die Vereinigten Arabischen Emirate, um dort das Fußballjahr perfekt abzuschließen.

Estudiantes mit großer Gegenwehr

Doch Estudiantes de La Plata leistete Gegenwehr. Mauro Boselli brachte den Südamerika-Meister aus Argentinien in Führung. Barcelona schien mit einem Mal verwundbar.

Doch dann kam erst Pedro und später Messi. "Als der Ball kam, war ich mir einen Moment unsicher, ob ich ihn mit dem Kopf oder der Brust spielen sollte. Letztlich, glaube ich, habe ich ihn mit dem Vereinswappen getroffen", beschrieb der Siegtorschütze den historischen Moment.

Messi holte 2009 übrigens noch einen siebten Titel. Bei der Wahl zum Fifa-Weltfußballer landete er auf Platz eins. Am 21. Dezember nahm der Argentinier den Goldball in Empfang.

Im Jahr drauf gab es für Barcelona dann weniger zu feiern. Sie holten noch die spanische Meisterschaft und den nationalen Supercup - mehr nicht. In der Königsklasse setzte sich Inter Mailand durch - mit Samuel Eto’o.

Es gab nach der 2009er-Mannschaft aus Barcelona übrigens weitere Teams, die nah dran waren am Titel-Sextett. 2011 gab es wieder den dominanten und erfolgreichen Guardiola-Fußball. Mit einem Schönheitsfehler: In der Copa del Rey gewann Real Madrid.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Champions League
    1
    Fussball / Champions League
    Coronatest: Barca-Profi meldet sich
  • Transfermarkt
    2
    Transfermarkt
    Holt United Dembélé statt Sancho?
  • Fussball / Transfermarkt
    3
    Fussball / Transfermarkt
    Transferticker: Valencia stellt alle Spieler zum Verkauf
  • Motorsport / Formel 1
    4
    Motorsport / Formel 1
    Der Absturz eines Ex-Weltmeisters
  • Int. Fussball / Serie A
    5
    Int. Fussball / Serie A
    Khedira kämpft gegen Aus bei Juve

Bayern verpasst ein Sechs-Titel-Jahr

2013 stellte Bayern München eine Übermannschaft. Unter Jupp Heynckes gab es zunächst Triumphe in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League. In der kommenden Saison sicherten sich die Bayern auch noch den europäischen Supercup und die Klub-WM.

Ein Spiel versaute dem Klub das Sechs-Titel-Jahr: Im nationalen Supercup verloren die Münchner mit 2:4 gegen Borussia Dortmund. Der unterlegene Trainer ärgerte sich. Sein Name: Pep Guardiola.