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Der FC Barcelona schlittert immer tiefer in eine Krise - vor allem auswärts läuft es nicht. Die Suche nach Gründen hält bei Ernesto Valverdes Team an.

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Das Krisengerede lässt Ernesto Valverde nahezu kalt.

"In der Welt des Fußballs gerätst du alle drei Tage in eine Krise und du verlässt dieselbe Krise in drei Tagen auch wieder", sagte der Trainer des FC Barcelona am Montag. "Jetzt haben wir zwei Spiele, da wollen wir sechs Punkte einfahren und damit fangen wir morgen an."

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Valverde klingt, als müsste er nur einmal mit dem Finger schnippen und schon läuft es beim spanischen Meister wieder.

Doch die Gründe für Barcas schlechtesten Saisonstart seit 25 Jahren sind vielschichtig, die Aufarbeitung des blamablen 0:2 bei Aufsteiger FC Granada dauert immer noch an und bestimmt die Vorbereitung auf das nächste Liga-Spiel am Dienstagabend gegen den FC Villarreal (ab 21 Uhr im SPORT1-Liveticker).

"Warum?", titelte die Mundo Deportivo in ihrer Montagsausgabe.

Auswärtsschwäche und Liverpool-Trauma

Es sind Barcas zwei Gesichter, die die Verantwortlichen aktuell rätseln lassen. Während die Katalanen in den Heimspielen mit Kantersiegen gegen Betis Sevilla und den FC Valencia durchaus zu überzeugen wussten, ist auswärts davon nichts zu sehen.

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Nach dem traumatischen 0:4 im Champions-League-Halbfinale beim FC Liverpool hat der FC Barcelona kein Auswärtsspiel mehr gewonnen. Bei Gegnern wie CA Osasuna (2:2) oder eben zuletzt in Granada ist diese maue Bilanz durchaus verwunderlich.

Nimmt man das aus Barca-Sicht glückliche 0:0 in der Champions League beim BVB hinzu, blieben die Blaugrana in dieser Saison schon dreimal in dieser Saison in der Fremde torlos.

"Das besorgt mich", sagte Valverde nach der Blamage in Granada am Samstagabend. "Das kann in einem Spiel passieren. Wenn es aber in drei oder vier geschieht, zeigt das, dass wir nicht wirklich gut sind."

Kritik an Valverde wächst

Dass der 55-Jährige die Verantwortung übernahm, ehrt ihn. Doch es mehren sich die kritischen Stimmen. So berichtete ESPN, dass eine nicht genau genannte Anzahl an Barca-Stars das Vertrauen in den Trainer verloren haben soll.

Nach der jüngsten Pleite brachte sich sogar Klub-Legende Xavi selbst als potenzieller Barca-Trainer ins Gespräch. Barca-Boss Josep Bartomeu soll jedoch weiter zu Valverde stehen und keine überstürzten Entscheidungen treffen wollen.

"Ergebnisse bestimmen das Fußballgeschäft und der Trainer ist immer im Fokus. Dort befinde ich mich, seitdem ich hier angefangen habe", sagte Valverde.

Die BBC warf in ihrer Analyse dem früheren Bilbao-Coach taktische Schwächen vor. Seine Herangehensweise sei in erster Linie geprägt davon, nicht zu verlieren und in der Offensive hänge alles vom gerade genesenen Lionel Messi ab. Aber auch die defensive Denkweise hilft nicht: Mit neun Gegentoren stellt Barca zusammen mit Espanyol Barcelona die anfälligste Abwehr in La Liga.

Griezmann sucht seinen Platz

Hinzu kommt, dass Superstar Antoine Griezmann in neuer Umgebung noch etwas fremdelt, zuletzt musste der Mittelstürmer auf die Außenbahnen ausweichen. Sein Doppelpack gegen Betis im ersten Heimspiel blieb bislang sein einziges Highlight, auswärts schoss der französische Weltmeister noch nicht einmal auf des Gegners Tor.

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Das Transfer-Sommertheater um eine mögliche Rückkehr Neymars sorgte für zusätzliche Unruhe. "Ich hätte eine Rückkehr Neymars zu Barca sehr begrüßt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob Barcelona alles dafür getan hat, um seinen Wechsel zu ermöglichen", sagte Messi unlängst der Sport und heizte damit die Debatte neu an.

Immerhin entspannt sich die Personalsituation ein wenig. Messi, der wegen einer Wadenverletzung den Saisonstart verpasste, könnte gegen Villarreal nach zwei Jokereinsätzen sein Starelf-Comeback feiern.

Dembélé wieder fit, Fati als Lichtblick

Auch Ousmane Dembélé, der im Sommer noch als Teil eines möglichen Tauschgeschäfts mit Neymar galt, steht am Dienstag wieder im Kader. Zum Aufgebot zählt auch wieder Shooting Star Ansu Fati, der 16-Jährige ist einer der wenigen Lichtblicke der noch jungen Saison.

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Valverde hofft vor allem darauf, dass seine Mannschaft an die bisher gezeigten Leistungen vor heimischem Publikum anknüpft, auch um den bereits auf vier Punkte angewachsenen Rückstand auf Rivale Real Madrid nicht noch weiter zu vergrößern.

"Ich mache mir nur Gedanken über meine Mannschaft", sagte Valverde zum Abschluss der Pressekonferenz. "Madrid ist ein großartiges Team, ein großer Rivale und wird wie immer oben dabei sein." Als Tabellenachter ist Valverdes eigene Mannschaft von den gewohnten Tabellenregionen aktuell jedoch ein gutes Stück entfernt.