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München - Real Madrid erlebt eine titellose Saison. Trainer Solari wurde entlassen, Zinedine Zidane ist zurück. Bei SPORT1 spricht Bodo Illgner über sein früheres Team.

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Es war eine echte Hammer-Meldung: Zinedine Zidane ist zurück bei Real Madrid!

Am Montag, einen Tag nach dem 4:1-Sieg bei Real Valladolid, trennte sich der Verein mit sofortiger Wirkung von Santiago Solari und gab nur wenige Stunden später die Verpflichtung des Franzosen bekannt.

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Der Dreier am Sonntag konnte Solari also gar nicht mehr retten. Der Sieg war zwar deutlich, fiel aber aufgrund der nur mäßigen Leistung der Königlichen zu hoch aus.

Ohnehin hat Real in dieser Saison keine Chance mehr auf einen Titel, ist im Meisterrennen abgeschlagener Dritter: Toni Kroos und Co. stehen vor der missratensten Spielzeit seit langem. In der Champions League schied der Titelverteidiger in der vergangenen Woche nach einem heftigen 1:4 gegen Ajax Amsterdam im Achtelfinale aus.

Sechs Mal in Folge kein Sieg gegen Barca

Hinzu kam, dass die Königlichen gegen Erzrivale FC Barcelona keines der zurückliegenden sechs Spiele gewinnen konnten - das Pokal-Aus gegen die Katalanen inklusive.

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Bodo Illgner, der von 1996 bis 2001 für Real im Tor stand, mit dem Klub 1998 und 2000 die Champions League gewann sowie 2001 spanischer Meister wurde, beobachtet die sportliche Entwicklung mit großer Sorge.

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"Begonnen hat die Krise eigentlich mit den vergangenen drei Champions-League-Titeln hintereinander, da ist man den Spielern sehr dankbar. Und dann fällt es natürlich schwer, Dinge zu verändern, gerade zu rücken, und den Kader zu ergänzen", sagt der 51-Jährige im Gespräch mit SPORT1: "Ich glaube, das war auch der Grund, warum Zidane 2018 zurückgetreten ist. Das war natürlich sehr kurzfristig für einen Verein, um Veränderungen vornehmen zu können. Er wollte das dann jemand anderem überlassen."

Krise trifft jeden Fan

Ein Hauptgrund für das in Trümmern liegende Real liegt für Illgner auf der Hand: der Weggang von Cristiano Ronaldo.

"Ein Spieler, der Real Madrid fehlt, keine Frage. Ein Spieler, der 40 bis 50 Tore geschossen hat und plötzlich in den wichtigsten Momenten fehlt. Dann macht sich das natürlich bemerkbar", betont der ehemalige Nationaltorwart: "Es wurde danach kein annähernd adäquater Ersatz für Ronaldo gefunden."

Das Spiel gegen Valladolid sei in den ersten 30 Minuten "unterirdisch" gewesen. "Das Einzige, was noch für Solari sprach, war die Auferstehung in der 2. Halbzeit. Allerdings täuscht der Sieg nicht darüber hinweg, dass bei Real jetzt ein Schnitt gemacht werden muss", meint Illgner.

Neuanfang mit Zidane

Ein Neuanfang müsse her. Für diesen soll in erster Linie Zidane stehen.

Doch bei Illgner macht sich auch etwas Skepsis breit. Er stellt sich nämlich eine Frage: "Warum hat Zidane im Mai 2018 das Handtuch geschmissen? Wenn er damals den großen Schnitt im Team aus Dankbarkeit für die alten Spieler, die mit ihm zusammen Titel gewonnen haben, nicht machen wollte, dann verstehe ich nicht, warum er ihn jetzt möchte."

Er könne sich nur vorstellen, dass Zidane damals "an Perez irgendwelche Forderungen gestellt hatte, die dieser nicht erfüllen wollte, diese ihm aber jetzt erfüllen würde" - ob dies so sei, werde aber wohl ein Geheimnis zwischen dem Vereinsboss und seinem Trainer bleiben.

In jedem Fall habe Zidane aber "den Namen, das Renommee, viele Fans und viele Titel mit dem Verein gewonnen". Allein durch seine Rückkehr besteht in Illgners Augen rund um das Bernabeu wieder Hoffnung.

Was Illgner ebenfalls positiv sieht: Der 46-Jährige könne sich in den verbleibenden Partien der Saison jeden Spieler "genau anschauen, wer mit ihm am gleichen Strang ziehen will, wer in der nächsten Saison weiter für Real spielen möchte - und auch kann".

Planungen können früher beginnen

Es bestehe aber auch ein Risiko.

"Reibereien und ungelöste Probleme mit Marcelo, Isco und Gareth Bale" könnten in den nächsten Monaten zu "Spannungen, Stimmungsschwankungen und Schwierigkeiten" führen, befürchtet Illgner: "Da kann Zidane den ersten Glanz schnell verlieren. Das ist das Problem, wenn man mitten in der Saison anfängt. Meistens ist es doch einfacher, wenn alle Köpfe, die rollen sollten, schon weg sind."

Im Gegenzug werde es nun darauf ankommen, "die jungen Spieler, für die auch einiges ausgegeben wurde, weiter auszubilden und aufzubauen. Außerdem müssen Neuverpflichtungen getätigt werden, keine Frage", stellt Illgner klar.

Genau das forderte auch schon Zidane - und wurde prompt erhört: Am Donnerstag verkündete Real den Transfer von Innenverteidiger Eder Militao, der vom FC Porto in die spanische Hauptstadt wechselt.

Für Illgner drückt der Schuh jedoch vorrangig an anderer Stelle. "Vorne im Sturm müssen ein oder zwei Spieler her, die pro Saison einige Tore garantieren können. Das sind die entscheidenden Punkte gegen die Krise bei Real."