München - Santiago Solari ist vorerst neuer Trainer von Real Madrid. Ein Mann mit Stallgeruch - und Fan von Lionel Messi. SPORT1 stellt den Argentinier vor.

von Filip Knopp

Tore, Jubel, Titel: Nur zwei Tage nach der 1:5-Schmach gegen den FC Barcelona ist bei Real Madrid wieder alles gut. Wer sich die Berichterstattung von Realmadrid TV zu Gemüte führt, gewinnt zumindest diesen Eindruck.

Nach der Übertragung des Abschlusstrainings am Dienstag vor dem Pokalspiel gegen Drittligist UD Melilla (Copa del Rey: UD Melilla - Real Madrid ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) erinnerte der Sender des Klubs seine Zuschauer an die glanzvollen Momente aus dem bisherigen Jahr 2018.

Ein Mann mit Stallgeruch

Allerdings: Szenen aus der laufenden Saison gab es kaum zu sehen.

Das ist aber kein Wunder, schließlich hat den vermutlich anspruchsvollsten Fußballklub der Welt eine Krise heimgesucht, wie er sie lange nicht erlebt hat.

Ein gewisser Santiago Solari soll vorerst dafür sorgen, dass die Königlichen sie loswerden. Der Argentinier wurde am Montag parallel zur Verkündung der Entlassung von Coach Julen Lopetegui zum Interimstrainer ernannt. 

Der Mann, der den Erfolg zurückbringen und die Fans damit wieder in Euphorie versetzen soll, ist kein Unbekannter. Zumindest für Real.

Zwischen 2000 und 2005 schnürte Solari seine Schuhe noch selbst für das weiße Ballett. Gekommen war er übrigens von keinem geringeren Klub als Atletico, dem Stadtrivalen.

Der Südamerikaner besaß nie den Status eines Superstars, spielte im Estadio Santiago Bernabeu dafür aber mit zahlreichen zusammen. Zinedine Zidane, Ronaldo, Luis Figo, David Beckham - um nur einige zu nennen.

Solari leitete Jahrhunderttor von Zidane ein

An Zidanes legendäres Tor im Champions-League-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen erinnert sich vermutlich jeder Fußball-Liebhaber. Ein Kunststück, das ohne Solari so nicht zustande gekommen wäre.

Der Linksfuß hatte auf dem linken Flügel einen langen Pass perfekt in den Lauf von Roberto Carlos gespielt, dessen hohe Hereingabe "Zizou" schließlich erreichte. Real gewann 2:0. Es war der größte Triumph in Solaris Karriere.

Mit diesem Schuss im CL-Finale 2002 gegen Leverkusen machte sich Zinedine Zidane bei Real unsterblich
Mit diesem Schuss im CL-Finale 2002 gegen Leverkusen machte sich Zinedine Zidane bei Real unsterblich © Getty Images

Nach seinem Abschied im Jahr 2005 kehrte er 2016 nach Madrid zurück und übernahm die U19, ein halbes Jahr später schließlich die Reservemannschaft. 

Solari gilt als Bewunderer von Arrigo Sacchi und Vicente del Bosque, zwei namhafte Trainer in der Geschichte des Fußballs.

Und spätestens jetzt dürfte für ihn auch Zidane ein Vorbild sein, wenngleich er am Dienstag bei seinem Amtsantritt betonte, man könne sich mit dem Erfolgscoach "nicht vergleichen".

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Auf den Spuren Zidanes

Aber: Der Franzose war Anfang Januar 2016 als damaliger Trainer der zweiten Mannschaft zum neuen Coach der Profis befördert worden. So wie jetzt Solari - wenn auch nur interimsmäßig. Es könnte nicht die einzige Parallele gewesen sein.

Zidane konnte als Trainer der B-Mannschaft kaum jemanden begeistern. Den Aufstieg in die zweite spanische Liga verpasste er seinerzeit zweimal. Solari wiederum verlor in der laufenden Spielzeit der ersten Gruppe in der Segunda Division B zwar bloß eine Partie mit der Castilla.

Weil fünf Siegen aber vier Unentschieden gegenüberstehen, liegt das Team in der Tabelle nur auf Platz fünf. Die vergangene Saison hatte es als enttäuschender Achter beendet.

Nicht wenige rechneten deshalb damit, dass Solari entlassen und durch U19-Coach Guti ersetzt wird. Ein Irrglaube. Der Argentinier durfte bleiben.

Solari von Perez geschätzt

Auch, weil er von Präsident Florentino Perez sehr geschätzt wird. Die Beförderung hat das nun nochmals unterstrichen. Doch nicht nur deshalb ist Solari alles andere als chancenlos, was die Dauerlösung auf Reals Trainerstuhl betrifft.

Die Option Antonio Conte soll sich nach spanischen Medienberichten inzwischen zerschlagen haben, weil Wortführer wie Kapitän Sergio Ramos den strengen, energiegeladenen Italiener entschieden ablehnen.

Solari bekommt ihnen da als fast komplettes Gegenteil schon um einiges besser. Der 42-Jährige ist ein ruhiger Trainer, der auf ein enges Verhältnis zu seinen Spielern Wert legt. 

Alternativen zu Solari sind - Stand jetzt - Mangelware. Im Falle von Guti, Roberto Martinez oder Arsene Wenger handelt es sich offenbar um nicht mehr als ein mediales Namedropping.

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Dauerlösung? Solari nicht chancenlos

Solari hat zwei Wochen Zeit, um die Bosse von Real von sich zu überzeugen. Dann, so besagen es die Statuten des spanischen Verbands RFEF, muss der Rekordmeister wieder einen festen Cheftrainer haben.

Vier Pflichtspiele stehen bis dahin auf dem Programm. Nach dem bevorstehenden Pokalspiel treffen die Madrilenen in der Liga auf Real Valladolid (3. November) und Celta Vigo (10. November) sowie in der Champions League auf Viktoria Pilsen (7. November).

Die jetzt schon gute Nachricht für Solari: Nach fünf Niederlagen aus den letzten sieben Spielen und einem daraus resultierenden neunten Tabellenplatz in La Liga kann es eigentlich nur besser werden.

Ein Fan von Messi

Gelingt Solari der Aufwärtstrend, dürften ihm wohl auch die eingefleischtesten Anhänger eines verzeihen: seine Vorliebe für Lionel Messi. 

Als Kolumnist für die Zeitung El Pais schrieb er einmal: "Als Torjäger ist er nicht klassifizierbar. Jeder hält den Atem an, wenn er den Ball bekommt."

Ob er sich so angetan demnächst auch zu seinen eigenen Stars äußert?