Barcelona und München - Nach über 22 Jahren gibt Andres Iniesta unter Tränen seinen Abschied vom FC Barcelona bekannt. Die Barca-Stars applaudieren. Lionel Messi ist nicht anwesend.

von Kerry Hau , Michael Prieler

Andres Iniesta schossen schon die Tränen in die Augen, bevor er seine Lippen überhaupt bewegte.

Zu überwältigend war der Moment, vor den Augen seiner Familie und seiner Mannschaft seinen Abschied nach 22 ereignisreichen Jahren beim FC Barcelona zu verkünden.

"Ja, das ist meine letzte Saison bei Barca", sagte Iniesta und pustete kräftig durch. "Es ist nicht einfach, zu gehen. Ich finde aber, dass der Zeitpunkt für ein neues Kapitel gekommen ist."

Er sprach im Grunde genommen nur das aus, was sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet hatte. Trotzdem war jeder Anwesende im Saal gerührt.

Seine Mitspieler, darunter der deutsche Nationaltorwart Marc-Andre ter Stegen, klatschten ihm ebenso wie die zahlreich erschienenen Medienvertreter Beifall. Einige kämpften ebenfalls mit den Tränen.

Bei dem großen Spalier fehlten nur Lionel Messi, Luis Suarez und Ousmane Dembele. Die drei hätten anderweitige Verpflichtungen gehabt, hieß es in Spanien.

Iniesta fühlt sich zu alt für Barca

Doch selbst in Anwesenheit dieser drei prominenten Namen wäre die Aufmerksamkeit einem anderen sicher gewesen.

Er habe lange darüber nachgedacht, erklärte Iniesta mit gedämpfter Stimme, sei letztlich aber zu dem Schluss gekommen, dass er die beste Entscheidung für sich und den Klub getroffen habe.

"Ich werde in zwei Wochen 34. Der Klub hat mich gelehrt, immer mein Bestes zu geben. Und ich fühle mich weder körperlich noch mental in der Lage, in den nächsten Jahren mein Bestes auf diesem Niveau zu geben", sagte er.

Am Ende seiner Karriere sieht sich der spanische Welt- und Europameister aber noch nicht angekommen. Er traut sich zu, noch "ein paar Jahre" sein Fußballschuhe zu schnüren. Allerdings nicht in Europa.

Kein Wechsel innerhalb Europas

"Ich werde nicht gegen Barca spielen. Das habe ich immer gesagt", beteuerte Iniesta. "Dieser Klub hat mir alles gegeben und mich nicht nur zu dem Spieler, sondern auch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Chongqing Lifan aus der chinesischen Super League ist stark an ihm interessiert. Aber auch ein Wechsel in die USA gilt keineswegs als ausgeschlossen. "Es sind noch ein paar Dinge zu klären. Dazu habe ich aber noch Zeit", versicherte der Siegtorschütze des WM-Finales 2010.

Zunächst will er mit Barca seine neunte spanische Meisterschaft unter Dach und Fach bringen. Ein Punkt beim Auswärtsspiel gegen Deportivo La Coruna (Sonntag, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) genügt dafür.

Und weil anschließend noch vier weitere Spiele - darunter der Clasico gegen Real Madrid - anstehen, darf sich der Publikumsliebling auf eine feierliche Abschiedsparade freuen.

"Alles verlief wie im Traum"

"Ich hätte mir keinen schöneren Verlauf meiner Karriere und keinen schöneren Abschied von Barca vorstellen können. Alles verlief wie im Traum", sagte Iniesta.

Der Ballkünstler entstammt "La Masia", der berühmten Talentschmiede der Blaugrana. 2002 rückte er in den Profi-Kader und bestritt seitdem 670 Pflichtspiele. Er gewann unter anderem vier Mal die Champions League.

"Ich könnte drei Minuten über die Bedeutung von Iniesta in der Welt des Fußballs sprechen", schwärmte sein ehemaliger Trainer Pep Guardiola kurz nach Iniestas Abschiedsverkündung auf einer Pressekonferenz von Manchester City. 

"Ich habe immer von ihm gelernt. In jeder Trainingseinheit, in jedem Spiel. Mit welcher Leichtigkeit er gespielt hat. Schon damit hat er mir geholfen, den Fußball besser zu verstehen. Er hat eine Ära geprägt." 

Eine Ära, die nun endgültig zu Ende geht.