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München - Mit Kayky wechselt bald ein weiteres Top-Talent aus Brasilien zu Manchester City. Der Deal ist allerdings ungewöhnlich und gefährlich für die brasilianischen Klubs.

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Im Januar 2022 wird Kayky den großen Schritt über den großen Teich gehen, von dem fast jeder kleine Junge in Brasilien träumt. 

Der Brasilianer, der dann 18 Jahre alt sein wird, schließt sich Manchester City an und wird dort mit Sicherheit gut aufgenommen. Mit Ederson, Fernandinho und Gabriel Jesus stehen immerhin drei Landsmänner des Talents bei den Skyblues unter Vertrag. 

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Kayky blickt derzeit in eine ungewisse Zukunft, wie es so viele Brasilianer vor ihm taten, die eine große Karriere in Europa anstrebten. Einige schafften es zu großen Meriten, wie die drei angesprochenen City-Stars. Andere gingen nach Monaten oder Jahren zurück nach Südamerika - und gewannen kaum etwas. 

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Die Verpflichtung von Kayky ist ein besonderes Wagnis für City, da der Offensivspieler noch so jung ist. Immerhin zwölf Millionen Euro überweist der Klub an Fluminense nach Rio de Janeiro. (Zum Transferticker)

Für den Fußball von Brasilien ist der Deal allerdings regelrecht beunruhigend. 

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Kayky verkauft "wie ein paar Säcke Sojabohnen"

"Er kam, verführte uns, beeindruckte uns und ging. Kayky wurde an Manchester City verkauft wie ein paar Säcke Sojabohnen", schrieb Gabriel Ferreira Borges, Autor der brasilianischen Zeitung Tribuna de Minas, in einer bissigen Kolumne, die kurz nach der Verkündung des bevorstehenden Wechsels des Teenagers abgedruckt wurde. 

Kayky und der 18 Jahre alte Metinho, der ebenfalls bei Fluminense spielt und mit City in Verbindung gebracht wird, "werden unterschiedliche Schicksale im Russischen Roulette der City Football Group haben", ergänzte Borges. 

Kayky soll von City schon vor seinem Debüt für Fluminense Anfang 2021 verpflichtet worden sein. Er soll von den Citizens gehalten werden, es ist aber unwahrscheinlich, dass er sofort Premier-League-Niveau hat. Daher ist der Rechtsaußen wohl ein Kandidat für eine Leihe. 

Gleiches würde für Metinho gelten, wenn er in Manchester eintreffen sollte. Sobald es einen endgültigen Deal gibt, soll er sich leihweise dem französischen Provinzklub Troyes anschließen. Das könnte ein heftiger Kulturschock werden. 

Die Akklimatisation an den europäischen Fußball dürfte für beide nicht einfach werden - vor allem weil sie auch im brasilianischen Profifußball noch unbeschriebene Blätter sind. 

Fluminense kann wieder von vorne anfangen

Für die brasilianischen Vereine stellen die beiden Deals so etwas wie ein Mahnmal dar.

Das junge Alter, in dem Kayky bereits den Schritt nach Europa wagt, zeigt, dass es für Klubs aus dem größten Land Südamerikas immer schwieriger wird, junge Spieler zu halten. Das Mega-Talent wird auch als "linker Neymar" bezeichnet. 

Ein Neymar war allerdings 21 Jahre alt, als er sich in Richtung Barcelona aufmachte. Gabriel Jesus war ebenso wie Fernandinho beim Schritt nach Europa 20. Sie alle hatten zuvor in der brasilianischen Liga für Furore gesorgt. Für Kayky und Metinho gilt das nicht. 

Der brasilianische Traditionsklub Fluminense kann unterdessen wieder von vorne anfangen und sich auf die Suche nach den nächsten Top-Talenten begeben - und zwar ohne dass die vielversprechenden Talente dem Verein sportlich wirklich helfen konnten. 

Klar, der Klub bekommt eine finanzielle Entschädigung, er hat beide Talente allerdings jahrelang gefördert und Metinho sogar ein Zuhause gegeben, damit er aus der von Gangs beherrschten Favela Cinco Bocas rauskam. In diese war seine Familie gezogen, nachdem sie aus der Republik Kongo nach Brasilien floh, als Metinho noch ein Baby war. 

Klubs in Südamerika sind verarmt

Bei Kayky und Metinho fällt es schwer, Borges' Analogie der Ware abzuschütteln. Der Fakt, dass sie deutlich jünger sind als erfolgreiche Vorgänger, macht das schwierig.

Es kommt hinzu, dass der Markt in Brasilien für europäische Klubs wohl noch nie so attraktiv war, wie es derzeit der Fall ist. Die Corona-Pandemie hat viele Vereine in Südamerika an den Rand des Existenzverlustes gebracht. Spielerverkäufe an die - größtenteils nicht immer finanzstarken - Vereine in Europa ist der schnellste Weg, um aus den roten Zahlen zu kommen.  

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Der stolze brasilianische Klub FC Santos war jüngst gezwungen, den Star-Spielmacher Yeferson Soteldo aus Venezuela für eine Million Euro an den MLS-Klub Toronto FC zu verscherbeln. Fluminense soll rund 100 Millionen Euro Schulden haben. Das zeigt, wie schlimm es um die größten Vereine in Südamerika steht. 

Beide Traditionsklubs werden alles daran setzen, in den nächsten Jahren neue Talente zu entdecken und zu fördern. Wenn diese vielversprechend sind, dann wird man sie wohl bald in Europa sehen. Es ist vermutlich die einzige Möglichkeit der verarmten Klubs in Brasilien, weiterhin zu existieren.