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Ilkay Gündogan erlebt mit Manchester City die wohl beste Zeit seiner Karrierre. Doch der Nationalspieler hat schwere Zeiten hinter sich, über die er nun schreibt.

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Es könnte die Saison für Ilkay Gündogan werden.

Der deutsche Nationalspieler erlebt mit Manchester City aktuell die wohl beste Zeit seiner Karriere - es fehlt nur noch der Gewinn der Champions League.

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Im Halbfinale trifft der deutsche Nationalspieler mit City auf Paris Saint Germain, bevor dann das große Finale am 29. Mai in Istanbul stattfindet. Dort soll Gündogans Traum vom Champions-League-Triumph in Erfüllung gehen.

"Für mich war es immer das größte Turnier der Welt. Es gibt etwas, das über die Trophäe und die Hymne hinausgeht und auf meine Kindheit zurückgeht", erklärt der 30-Jährige bei The Players Tribune.

Gündogan hadert heute noch mit Niederlage

Ein Finale hat der Mittelfeldspieler bereits erlebt. 2013 traf er im Endspiel der Königsklasse mit Borussia Dortmund auf den FC Bayern. Die 1:2 (0:0)-Niederlage gegen die Münchner sitzt auch heute noch tief.

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"Es gibt ein Spiel in meiner Karriere, über das ich immer noch viel nachdenke", hadert Gündogan. Nach einem Last-Minute-Treffer von Arjen Robben in der 89. Minute waren damals jegliche Hoffnungen der Schwarz-Gelben geplatzt.

"Wir fühlten uns so gut. Ich hatte eine meiner besten Spielzeiten überhaupt und habe sogar in diesem Spiel getroffen. Es wäre die Kirsche auf der Sahne gewesen. Es fühlte sich wie ein Albtraum an. Selbst nach dem Spiel konnte ich es nicht verstehen", erinnert er sich heute noch an diesen Tag.

Die Niederlage hat der 30-Jährige bis heute noch nicht ganz verarbeitet: "Um ehrlich zu sein, verfolgt mich dieses Finale immer noch. Ich will diese Trophäe so sehr."

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Gündogan: "Gedanken halten mich nachts wach"

Es fällt dem Nationalspieler schwer, negative Ereignisse zu verarbeiten und positiv in die Zukunft zu blicken.

"Diese Gedanken können mich nachts tatsächlich wach halten. Ich weiß, ich sollte all diese Zweifel und Niederlagen hinter mich bringen, aber es ist nicht einfach. Natürlich könnte ich ihnen nur sagen, dass ich ein super selbstbewusster Typ bin, der niemals Unsicherheiten hat. Vielleicht wäre das normal, oder? Aber wenn ich das sagen würde, wäre ich weder ihnen, noch mir selbst gegenüber ehrlich", gesteht er sich offen ein.

Für Gündogan ist Ehrlichkeit jedoch eine wichtige Komponente - auch im Fußball.

Auseinandersetzung mit Klopp

Eine Auseinandersetzung mit seinem damaligen Trainer Jürgen Klopp lehrte ihn dies erneut.

Klopp stellte bei Borussia Dortmund die Regel auf, dass sich Spieler bei gesundheitlichen Problemen direkt an die Mannschaftsärzte wenden sollen. Der Mittelfeldspieler ignorierte diese Ansage einst und verschwieg damals seine Knie-Probleme. Vor dem Training hat sich Gündogan dann doch untersuchen lassen.

"Der Arzt sagte: 'Ich muss es den Chef wissen lassen. Wir können kein Risiko eingehen'", erinnert sich Gündogan: "Ich wartete ein paar Minuten und dann kam Jürgen herein. Er war nicht glücklich."

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Ex-BVB-Coach verpasst Gündogan Einlauf

Der ehemalige Coach der Dortmunder verpasste Gündogan sofort einen Einlauf, dass er ihm seine Schmerzen längst hätte mitteilen müssen. Alle Versuche, sich aus dieser Situation herauszureden, machten es noch schlimmer. Klopp wurde sehr emotional und verlor kurze Zeit später die Beherrschung.

"Und dann schnappte er. Wissen sie, wenn er diese intensiven Augen bekommt und seine Zähne zusammenbeißt? Er sah mich an und rief: 'Tu das, was auch immer du tun willst'", beschreibt Gündogan die Auseinandersetzung. Klopp knallte die Tür zu und ließ den Ex-BVB-Profi zurück. Rückblickend gibt Gündogan zu, viel aus solchen Momenten gelernt zu haben.

Als ich auf den Trainingsplatz kam sagte er dann aber zu mir: "'Mein Freund, weißt du, warum ich so wütend war? Du bist mir einfach wichtig. Und ich möchte nicht, dass du verletzt wirst.' Dann hat er mich umarmt", blickt Gündogan auf diesen emotionalen Moment zurück.

"Jürgen hat mir an diesem Tag eine Lektion erteilt: Versuch immer, ehrlich zu sein. Sowohl mit anderen als auch mit dir selbst."

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Fußball-Profi von Einsamkeit geprägt

Wenn Gündogan sein Leben als Fußball-Profi reflektiert, ist dieses häufig von Einsamkeit geprägt. "Ich habe meine Eltern oder meinen Bruder seit über acht Monaten nicht gesehen, den Rest meiner Familie seit über einem Jahr nicht, und meine besten Freunde sind weit weg", sagt Gündogan.

Das liege aber nur zum Teil an der Pandemie, das Gefühl der Einsamkeit spüre er schon seine gesamte Karriere über, betonte er.

"Das ist da, seit ich mit 18 mein Zuhause verlassen habe", sagte Gündogan: "Als Fußballer ist dieses Gefühl unausweichlich." Er wolle sich darüber jedoch nicht beklagen, "wir sind reich und berühmt und dürfen tun, was wir lieben". Aber auch wenn er nicht tauschen wollen würde, habe er mit dem Fußball seine Jugend "geopfert".

Besonders eingebrannt hat sich ihm, wie ihn Schalke 04 im Alter von acht Jahren nach einer Verletzung aussortierte.

"Das hat mich hart getroffen", gibt Gündogan zu. Für ihn habe es sich damals angefühlt, als wäre sein Traum von der Profikarriere geplatzt. Als er drei Jahre später das Angebot zur Rückkehr erhielt, war die Wunde noch nicht verheilt - Gündogan lehnte ab.

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Vorurteile für Gündogan "einfach nur traurig" 

Als "einfach nur traurig" empfindet es der gebürtige Gelsenkirchener derweil, wenn er aufgrund seiner türkischen Herkunft auf Vorurteile stoße.

Zu Beginn seiner Zeit bei Borussia Dortmund 2011 habe er bei der Wohnungssuche skeptische Blicke geerntet nach dem Motto: "Meinst du, der kann sich das wirklich leisten?"

Gündogan fühlt sich deutsch, aber auch türkisch - doch er höre oft, dass er weder das eine noch das andere sei. "Was bin ich dann?", fragt er.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)