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München - Joan Laporta ist neuer Präsident des FC Barcelona. Der 58-Jährige hat viele Herausforderungen zu bewältigen. Eine der größten ist, Lionel Messi zum Bleiben zu bewegen.

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Zurück in die Zukunft!

Dies war zwar sicher nicht der Wahlspruch, mit dem Joan Laporta bei der Präsidentschaftswahl des FC Barcelona angetreten war. Er könnte aber als Motto für die Amtszeit des am Sonntag neu gewählten Präsidenten gelten.

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Denn mit dem 58-Jährigen übernimmt bei den Katalanen ein Mann das Ruder, der bereits von 2003 bis 2010 Präsident bei Barca war. In seine Amtszeit fielen unter anderem zwei Champions-League-Siege (2006 und 2009) und das Debüt eines gewissen Lionel Messi (2004). (Service: Tabelle von La Liga)

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Laporta übernimmt Scherbenhaufen von Bartomeu

12 Jahre nach seiner Amtszeit ist die Lage eine komplett andere. Laporta übernimmt einen Scherbenhaufen von Vorgänger Josep Maria Bartomeu, der vorzeitig von seinem Amt zurückgetreten war. Laporta setzte sich bei der vorgezogenen Wahl gegen seine Konkurrenten Victor Font und Toni Freixa durch.

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Vizepräsident unter Laporta wird Rafael Yuste. Sportchef oder Generaldirektor könnte Mateu Alemany werden. Auch Jordi Cruyff, Sohn von Barca-Legende Johan Cruyff, soll ins Laporta-Team integriert werden.

Mit Laporta kommt ein frischer Wind in den sportlich und wirtschaftlich arg gebeutelten Klub aus Katalonien. Der 58-Jährige will die Weichen für eine neue goldene Zukunft stellen. "Heute war ein besonderer Tag, es war die wichtigste Wahl in der Geschichte des Vereins. Wir wollen die Freude zurückbringen. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel erreichen werden", erklärte Laporta jubelnd nach seinem Wahlsieg. (Service: Ergebnisse und Spielplan)

Eine der größten Herausforderungen wird die Personalie Messi sein. Der 34-Jährige wollte die Katalanen bereits im vergangenen Jahr verlassen, entschied sich dann aber doch für die Erfüllung seines Vertrages. Dieser läuft im Sommer aus. Laporta will den Kontrakt unbedingt verlängern.

Dass Messi doch noch nicht so ganz mit seinem Herzensklub abgeschlossen zu haben scheint, zeigten auch die Bilder vom Wahltag. Der argentinische Superstar kam mit seinem Sohn Thiago zur Wahl und gab seine Stimme ab. Der Kapitän machte dabei erstmals überhaupt von seinem Stimmrecht Gebrauch.

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Laporta: "Beweis, dass Messi bleiben will"

"Ihn heute wählen zu sehen, hat mich berührt. Es ist ein Beweis dafür, dass Leo bleiben will und dass er Barcelona liebt. Wir werden ihm ein wirtschaftliches Angebot machen, damit er sich geschätzt fühlt", sagte der neue Barca-Präsident.

Und darin genau liegt das Problem. Laporta muss Messi sowohl wirtschaftlich als auch sportlich überzeugen. Der Superstar ist im Sommer ablösefrei, kann also direkt mit finanzstarken Klubs wie Manchester City und Paris Saint-Germain verhandeln.

Um Messi zu halten, muss Laporta ihm auch ein Konzept vorlegen, wie er den Klub schnellstmöglich (Messi ist ja schon 34) wieder an die europäische Spitze führen will. "Ich möchte keine falschen Hoffnungen wecken. Ob er bleiben wird, weiß ich nicht, weil er mit jedem Verein verhandeln kann. Wenn er bei Barça bleibt, wird er die Champions League gewinnen", gab sich Laporta selbstbewusst.

Messis Verbleib wäre dabei Fluch und Segen zugleich. Der Superstar soll laut Mundo Deportivo in den vergangenen vier Jahren ein wahnwitziges Gehalt von über 511 Millionen Euro verdient haben. Eine Verlängerung des Vertrages wäre auch bei Einbußen Messis ein enormer Kraftakt. Ein Verlust des Superstars würde Barcas Ansehen, Vereinswert und damit auch den Einnahmen aus der Vermarktung allerdings enormen Schaden zufügen.

Transfers zum Nulltarif

Gleichzeitig muss der im Sommer vorangetriebene Umbruch fortgesetzt werden. Finanzielle Sprünge auf dem Transfermarkt sind kaum möglich, plagt den Verein doch ein horrender Schuldenberg von über einer Milliarde Euro.

Auf große Ablösesummen dürfte im Sommer also verzichtet werden. Spieler wie Sergio Agüero, Georginio Wijnaldum oder Memphis Depay wären Kandidaten zum Nulltarif, da deren Verträge auslaufen. Auch David Alaba könnte möglicherweise in Barcelona landen.

Zwar ist Real Madrid weiterhin der Favorit im Alaba-Poker, doch Laporta ist ein Freund von dessen Berater Pini Zahavi. Nach SPORT1-Informationen hat der Österreicher vom FC Bayern München noch keine Zukunftsentscheidung getroffen.

Doch nicht nur in Sachen Neuzugänge muss Laporta mit Bedacht handeln, auch die Verlängerung der Leistungsträger dürfte zur Herausforderung werden. Die Verträge von Sergi Roberto, Ousmane Dembélé und Supertalent Ansu Fati laufen 2022 aus.

Koeman fest im Sattel

Da die La Liga die Gehaltsobergrenze für die Katalanen zur neuen Saison gesenkt hat, ist Sparen angesagt. Doch auch aufgrund der akuten finanziellen Schieflage muss der Gürtel enger geschnallt werden.

Zwar wurden im Zuge der Corona-Krise schon Gehälter gekürzt, diese sollen aber später nachgezahlt werden. Laporta ist kein Freund von Gehaltssenkungen. Vielmehr will er die Einnahmen erhöhen. Er will mehr Mitglieder in den Verein locken, Schulden sollen unter anderem durch Anleihen abgebaut werden.

Eine Entscheidung steht dagegen bereits fest: Trainer bleibt vorerst Ronald Koeman. Der Niederländer hat die Blaugrana nicht nur ins Pokalfinale geführt, auch in der Liga ist Barcelona noch in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Atlético Madrid. Lediglich in der Champions League stehen die Katalanen nach der 1:4-Niederlage im Achtelfinalhinspiel gegen Vorjahresfinalist Paris Saint-Germain vor dem Aus.

Natürlich schwebt der Name Xavi weiterhin über dem Klub. Der Ex-Spieler feierte jüngst seinen ersten Meistertitel als Trainer mit dem katarischen Klub Al Sadd. Er wird schon länger als der Trainer der Zukunft in Barcelona gehandelt. Doch die Gegenwart heißt Koeman.

Laporta will bei Barca eine neue Ära einläuten. Raus aus der sportlichen und wirtschaftlichen Krise, zurück zu internationalem Glanz. Und das möglichst schnell.