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Die spanischen Klubs um Real Madrid und Barca dominieren im letzten Jahrzehnt den internationalen Fußball. Doch nun droht ein historischer Tiefpunkt.

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Als Jesús Navas am 21. August 2020 den Pokal, den es als Belohnung für den Triumph bei der Europa League gibt, in den Kölner Nachthimmel reckte, da hatte der FC Sevilla ein beeindruckendes Kapitel in den Geschichtsbüchern des Fußballs komplettiert. Ein Kapitel von spanischer Dominanz im europäischen Fußball. 

Zum sechsten Mal hatte in den letzten zehn Jahren ein spanischer Klub die Europa League gewonnen - viermal war dafür Sevilla verantwortlich und zweimal Atlético Madrid. Das beeindruckende: In der Champions League steht die gleiche Statistik. Sechs Triumphe in den letzten zehn Jahren - viermal Real Madrid, zweimal der FC Barcelona. 

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In dieser Saison sieht es allerdings so überhaupt nicht nach einem spanischen Titel aus. Im Gegenteil: In der Champions League könnte das Viertelfinale sogar ohne einen einzigen Vertreter aus dem Land auf der iberischen Halbküste stattfinden. In der Europa League sieht es nicht viel besser aus. 

Die Frage kommt früh - ja. Angesichts der Entwicklungen bei den Top-Teams wie dem FC Barcelona und Real Madrid dürfte sie allerdings dennoch erlaubt sein: Was ist denn bitte aus dem spanischen Fußball geworden? 

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Der Glanz von Barca und Real verblasst

Schon ein Blick auf die Tabelle von La Liga hat einen Teil der Antwort parat. Ganz oben steht nicht Titelverteidiger Real und auch nicht der größte Rivale aus Barcelona. Stattdessen grüßt Reals Stadtrivale Atlético von oben. (SERVICE: Tabelle von La Liga)

Die Colchoneros sind seit Jahren ein Top-Klub Europas, so ist es nicht. Aber trotzdem wirkt es immer wie ein Zeichen von Schwäche im spanischen Fußball, wenn weder Real noch Barca die Liga anführen. Immerhin sind die beiden Vereine mit die größten, beliebtesten und erfolgreichsten der ganzen Welt. Wenn sie schwächeln, dann können sich die Fußball-Fans in Spanien auch wenig Hoffnung auf den Henkelpott machen. 

Als unbesiegbar gelten Real und Barca längst nicht mehr - und in diesen Jahr auch nicht als Favoriten auf einen Coup in der Champions League. 

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Kein spanisches Team im Viertelfinale der Champions League? 

Alle drei Vertreter aus Spanien, die bislang im Einsatz waren, haben ihre Partien verloren. Neben dieser Tatsache schockierte vor allem auch die Art und Weise, wie die Niederlagen zustande kamen. 

Barca erlebte im heimischen Camp Nou - das für so viele und so große Europapokal-Nächste steht - eine blamable 1:4-Pleite gegen Paris Saint-Germain. Der FC Sevilla verlor sein Heimspiel mit 2:3 gegen ein eigentlich schwächelndes Borussia Dortmund. Und am Dienstagabend folgte nun auch Atlético mit einer 0:1-Niederlage gegen den FC Chelsea der allgemeinen Enttäuschung. 

In der Europa League kassierte Real Sociedad unterdessen eine krachende 0:4-Klatsche gegen Manchester United. Immerhin, der FC Granada ließ mit einem 2:0-Sieg gegen den SSC Neapel aufhorchen.

© Imago

Real als Spaniens letzte Hoffnung?

In der Champions League liegt es nun am Mittwoch an Real Madrid bei Atalanta Bergamo die spanische Fahne hochzuhalten.

Im Gegenzug hat Atalanta eine historische Chance: Zum ersten Mal seit der Spielzeit 2004/05 könnte in der Champions League ein Viertelfinale ohne spanische Beteiligung ausgetragen werden. Damals war es das einzige Mal, das dieser Fall in der Königsklasse aufgetreten ist, seitdem sich bis zu vier Mannschaften eines Landes für den Wettbewerb qualifizieren können. 

Eine erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass in den Saisons 2010/11 bis 2016/17 ganze 50 Prozent der Halbfinalplätze an spanische Teams gingen - 14 von 28. 

Einige Jahre wäre es zwar eine Überraschung, wenn Bergamo Real Madrid rauswerfen würde. Eine Sensation allerdings nicht. Und das sagt schon einiges über den spanischen Fußball aus.