Rene Weiler trainierte in Deutschland den 1. FC Nürnberg
Rene Weiler trainierte in Deutschland den 1. FC Nürnberg © Imago
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München - Der frühere Nürnberger Trainer René Weiler kehrt Kairo nach etwas mehr als einem Jahr wieder den Rücken. Bei SPORT1 spricht er über die Gründe und die harte Corona-Zeit.

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Nach etwas mehr als einem Jahr ist das Abenteuer Kairo für René Weiler beendet.

Dabei lief es sportlich geradezu märchenhaft für den Schweizer. Als er im August 2019 zu Al-Ahly SC wechselte, wusste er nicht wirklich, was ihn erwartet.

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Gut ein Jahr später hat Weiler den renommierten Klub aus Ägyptens Millionenmetropole vorzeitig zur Meisterschaft geführt. Zudem steht der Klub im Halbfinale der afrikanischen Champions League, die durch die Corona-Verschiebung frühestens im November beendet wird.

Die Bilanz des 47-Jährigen kann sich sehen lassen: In 44 Pflichtspielen holte er mit seinem Team 34 Siege. Das macht einen Punkteschnitt von 2,48.

Weiler hat seinen Vertrag dennoch nicht verlängert. In den Medien war zu lesen, dass der Schweizer geflüchtet sei. Doch das will er so nicht stehen lassen.

Weiler: Keine Flucht aus Kairo

"Nein, das bin ich nicht. Ich habe lediglich von einer Klausel Gebrauch gemacht, die gerade in Zeiten von Corona nachvollziehbar ist. Als Vater von zwei Kindern habe ich auch eine Verantwortung für meine Familie, welche ich in diesem Fall priorisiert habe", stellt Weiler, der von 2014 bis 2016 beim 1. FC Nürnberg tätig war, bei SPORT1 klar.

Aus sportlicher Sicht hätte es keinen Grund gegeben, die Zelte abzubrechen. "In der Tat hat sich die Mannschaft stetig weiterentwickelt, obwohl immer wieder Leistungsträger ausgefallen sind. Die Stimmung war gut und es bildete sich eine gesunde Hierarchie, die auf den Leistungen basierte", berichtet Weiler.

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Doch was ist passiert, dass er den Verein so plötzlich verlassen hat?

Presse machte Stimmung gegen Weiler

"Eigentlich nichts", sagt Weiler, "außer, dass beide Parteien von einer Klausel wussten, die dann von Ahly abgeändert werden sollte." Zu diesem Schritt sei er aber nicht bereit gewesen, "weshalb die nur einseitig informierte ägyptische Presse Stimmung gegen mich machte".

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In der Coronazeit hatte Weiler eine Ausstiegsklausel bis zum 1. Oktober für den noch bis Sommer 2021 laufenden Vertrag ausgehandelt. Obwohl die Bosse ihn gerne behalten hätten, lehnte er schließlich eine Vertragsverlängerung ab - "wohl wissend, dass in dieser verrückten Zeit mit diesem Virus-Wahnsinn niemand langfristige Prognosen machen kann und will. Zumindest ich nicht."

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Monatelang war Weiler in Kairo isoliert und lebte getrennt von seiner Familie, was die Situation für ihn nicht leichter machte. "Es war nicht lustig, alleine in Kairo über Wochen in seinen eigenen vier Wänden leben zu müssen", erinnert sich Weiler. "Aber ich möchte nicht klagen, weil es ganz vielen Menschen auf dieser Erde viel schlimmer ging."

"Ein Ding der Unmöglichkeit"

Der erfahrene Fußballlehrer arbeitete bereits in vier verschiedenen Ländern und hatte überall Erfolg. 2013 feierte er mit dem FC Aarau den Aufstieg in die Schweizer Super League, 2017 wurde er in Belgien Meister und Supercup-Gewinner mit dem RSC Anderlecht. Nun folgte die Meisterschaft mit Al-Ahly SC in Ägypten.

Bewusst geplant habe er seine Karriere nicht: "Als Fußballtrainer zu planen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Vieles ist Schicksal. Bewusst ist, dass ich meinen Horizont erweitern möchte, damit ich möglichst kompetent mit Charakteren, Kulturen, Sprachen und allgemeinen Gegebenheiten umgehen kann. Gesamtverständnis und Erfahrungen sind zentral beim Führen von Menschen."

Träumt er von einem Engagement in die Bundesliga, zumal dort nach den ersten zwei Spieltagen in Achim Beierlorzer in Mainz und David Wagner bei Schalke 04 schon zwei Kollegen entlassen wurden?

"Ich träume weder Fußball noch freut es mich, wenn ein Trainer-Kollege seinen Job verliert", sagt Weiler: "Dass die Bundesliga reizt, das muss nicht speziell erwähnt werden. Das Gesamtprodukt ist dort top."