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München - Álvaro Morata wechselt zu Juventus Turin - schon wieder. Der hoch veranlagte Stürmer führt seinen Irrweg weiter. Die Frage ist, wie und wo er endet.

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In der Nacht auf Dienstag landete Álvaro Morata in Turin. Jetzt also wieder Juventus - der Irrweg des Spaniers geht weiter. 

Morata hatte sich schon im Jahr 2014 der alten Dame des italienischen Fußballs angeschlossen. Damals hatte er seinen Jugendklub Real Madrid verlassen. Dieses Mal verlässt der gebürtige Madrilene seinen anderen Jugendklub, Atlético Madrid. So wirklich glücklich ist er bislang nirgends geworden. 

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Und trotzdem: Daran, dass Morata ein verdammt guter Mittelstürmer ist, zweifelt eigentlich keiner, der ihn in den letzten Jahren spielen gesehen hat.

Mit 27 Jahren hat er in 404 Vereins-Pflichtspielen 148 Tore erzielt - es gibt schlechtere Statistiken. Auch für Spanien hat er in 33 Partien 17 Treffer beigesteuert. Doch als einen absoluten Top-Stürmer Europas? So sehen ihn viele Fußball-Fans und -Experten trotzdem nicht. 

Morata legt kuriosen Irrweg hin

Das dürfte daran liegen, dass Morata bei seinen Klubs nie gänzlich überzeugen konnte und oftmals schnell das Weite suchte, wenn er nicht mehr unumstritten war. Er hatte als echter Killer vor dem Tor gute Phasen. Aber unverzichtbar wurde er für eine Mannschaft eben auch nie. Das könnte auch an seiner sehr begrenzten Geduld liegen. 

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Als der Spanier mit 18 Jahren sein Debüt für Real gab, schien ihm eine große Karriere bei den Königlichen bevorzustehen. Genau, wie er es sich laut eigenen Aussagen immer erträumt hatte. Nachdem er in seinen ersten Jahren aber keinen Stammplatz ergattern konnte, wählte er mit 21 Jahren den Weg nach Turin. Juventus überwies Real stolze 20 Millionen Euro. 

Bei Juve entwickelte sich der Stürmer zu einem eiskalten Vollstrecker. Real hatte ihn nie aus den Augen verloren und holte ihn zwei Jahre nach seinem Abschied für 30 Millionen Euro zurück in die spanische Hauptstadt. Dort fungierte er eine Saison als Backup von Karim Benzema - trotzdem erzielte er starke 20 Tore. 

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Mit ein wenig Geduld hätte Morata wohl erneut die Chance gehabt, sich dauerhaft bei seinem Kindheitsklub durchzusetzen. Doch er wollte mehr - schnelleren Erfolg und sofort ein besseres Standing innerhalb der Mannschaft.

Coach Zinédine Zidane konnte oder wollte ihm das nicht bieten. Daher suchte Morata erneut das Weite. Der FC Chelsea machte einen Scheck über 66 Millionen Euro fertig, und der Stürmer war fortan einer der Blues. "Wenn Chelsea mir einen Zehnjahresvertrag angeboten hätte, dann hätte ich diesen wohl angenommen", sagte er in seiner Anfangszeit an der Stamford Bridge. Eineinhalb Jahre später war er weg.

Für Morata ging es zurück nach Madrid, aber diesmal zu Reals Stadtrivalen Atlético. Zunächst per Leihe - dann wurde die Ablösesumme von 56 Millionen Euro fällig, die die Colchoneros in diesem Sommer nach London überweisen mussten.

Gelingt bei Juventus der endgültige Durchbruch?

Einige Wochen später ist der Stürmer schon wieder weg, per Leihe geht es zurück zu Juventus. Der italienische Serienmeister soll zudem eine Kaufoption von 45 Millionen Euro besitzen. Schon jetzt hat Morata Transfererlöse in Höhe von 179 Millionen Euro (inklusive Leihgebühren) zu verantworten. 

Eine enorm hohe Summe für einen Spieler, der kein absoluter Superstar ist - und der noch bei keiner Mannschaft über Jahre hinweg abgeliefert hat. 

Bei Juventus wird Morata im Schatten von Cristiano Ronaldo agieren, wie er es schon bei Real Madrid getan hatte. Allerdings gibt es eine gute Nachricht für den 27-Jährigen: Die Position als Mittelstürmer ist frei. Dort spielten im ersten Saisonspiel Ronaldo und der 20 Jahre alte Schwede Dejan Kulusevski, der eigentlich lieber den Außenstürmer gibt. Gonzalo Higuain spielt künftig für Inter Miami.

Morata wurde also als Stammspieler geholt. Als dieser wird er nun über einen längeren Zeitraum zeigen müssen, dass er tatsächlich das Zeug zu einem Star-Stürmer hat. Dann dürfte Juve im nächsten Sommer auch die 45 Millionen Euro für ihn nach Madrid überweisen. Seine Transfererlöse würden dann auf 224 Millionen Euro ansteigen. 

Und vielleicht endet sein Irrweg dann - zumindest vorerst - in Turin.