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München - Was passiert bei einem Saisonabbruch in der Corona-Zeit? Jede Liga und jede Sportart scheinen darauf eine andere Antwort zu haben. Das ist nicht gut. Der SPORT1-Kommentar.

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Die Handball-Bundesliga der Frauen hat seit dem 18. März pausiert. Die Saison der niederländischen Eredivisie wurde nach dem 26. Spieltag unterbrochen, der am 8. März zu Ende gespielt wurde.

Seitdem wäre eigentlich genug Zeit gewesen, um sich Gedanken zu machen. Um abzuwägen, wie man eine gleichzeitig vernünftige, aber auch halbwegs faire Lösung auf die Beine stellen kann, sollten die Spielzeiten tatsächlich abgebrochen werden. Was jetzt dabei herausgekommen ist, ist allerdings eher ein Armutszeugnis für den Sport.

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Und dabei geht es nicht um die generelle Entscheidung, die Saisons zu beenden. Die muss jede Sportart und jede Liga mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Lage und im Einklang mit den behördlichen Vorgaben für sich selbst treffen. Auch finanzielle Aspekte spielen dabei natürlich eine große Rolle. Unverständlich bleibt, warum es zu einem derartigen Wildwuchs kommen muss?

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Macht jeder, was er will?

Wäre es nicht zumindest möglich, sich innerhalb der gleichen Sportart auf die gleichen Szenarien zu einigen? Also darauf, was passiert, wenn entweder der Fall Saison-Verkürzung, Saison-Abbruch oder Saison-Annullierung anstehen?

Die UEFA als zuständiger europäischer Dachverband im Fußball hat am Donnerstag zwar allgemein dazu aufgerufen, dass die Teilnehmer an der kommenden Europapokal-Saison auf Basis der sportlichen Leistungen in dieser Saison durch die nationalen Verbände bestimmt werden sollen. So wie es aussieht, wird das aber jetzt jeder betroffene Verband auf seine ganz eigene Weise tun.

In der Eredivisie, der ersten größeren Liga, die nun ihre Spielzeit für beendet erklärt hat, führt das direkt zu erheblichem Streit. Meister gibt es keinen, die Europa-Startplätze werden aber wie von der UEFA gewünscht anhand der aktuellen Tabelle vergeben. Das führt dazu, dass vor allem der FC Utrecht auf die Barrikaden ging. Der Klub stand im Pokalfinale, hätte mit einem Sieg gegen Feyenoord Rotterdam einen Platz in der Europa League sicher gehabt. Der Tabellensechste wurde sogar doppelt bestraft, weil er bei einem Nachholspiel und nur drei Punkten Rückstand auf Platz fünf auch über die Liga noch Chancen auf Europa hatte.

Hier machen sich die Verbände angreifbar, was früher oder später zu Klagen führen wird, wie sie beispielsweise Utrecht auch schon angekündigt hat.

Selbstverständlich ist es nicht gerecht, mitten in der Rückrunde eine Saison zu werten. Auch hierzu gäbe es aber Alternativen. Etwa die Saison nach der Hinrunde zu werten, als also alle Teams ein Mal gegeneinander gespielt hatten und somit halbwegs gleiche Bedingungen herrschten.

Die Handball-Bundesliga bediente sich wiederum einer Quotienten-Regelung, um die Tabelle zum Abbruch geradezuziehen. Das kann man so machen. Warum dann aber zwischen den Männern (Kiel ist Meister) und Frauen (Borussia Dortmund ist nicht Meister) unterschieden wird, ist nicht erklärbar.

Diese Entwicklungen sind neben den erdrückenden finanziellen Gründen noch ein Argument mehr dafür, warum es richtig ist, dass die DFL mit allen Mitteln versucht, die Bundesliga-Saison zu einem Ende zu bringen.