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München - Andrés Iniesta schießt Spanien 2010 zum WM-Titel, nicht nur deswegen wird er von vielen verehrt. Eine Doku enthüllt nun seinen schweren Kampf gegen Depression.

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Als Andrés Iniesta das wohl wichtigste Tor seiner Karriere schoss, riss er sich das Trikot vom Leib.

Auf das weiße T-Shirt, das er unter seinem Jersey trug, hatte er zuvor eine Botschaft geschrieben: "Dani Jarque siempre con nosotros", zu Deutsch: "Dani Jarque ist immer bei uns".

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Knapp ein Jahr bevor Iniesta Spanien mit seinem Tor zum WM-Titel 2010 schoss, starb sein guter Freund und Kapitän von Espanyol Barcelona mit nur 26 an plötzlichem Herztod. "Er schießt das wichtigste Tor seiner Karriere und widmet es seinem Freund. Das charakterisiert seine Persönlichkeit ziemlich gut", erzählte Iniestas Ex-Teamkollege Pedro in einer neuen Dokumentation über den früheren Barca-Star.

Der von Barca-Sponsor Rakuten produzierte Film trägt den Titel "El Héroe Inesperado" ("Der unverhoffte Held") und zeichnet den Werdegang des schüchternen Strategen zum gefeierten Star nach. Dabei erzählt die Doku vor allem auch von den Opfern, die Iniesta auf diesem Weg bringen musste.

Messi würdigt Iniesta

"Er ist etwas ganz Besonderes. Als Spieler und als Mensch", sagt etwa sein langjähriger Weggefährte Lionel Messi.

Aufgewachsen im knapp 1800-Einwohner-Dorf Fuentealbilla in der Region La Mancha, wurde Iniesta als Zwölfjähriger von Scouts bei seinem Jugendklub Albacete Balompié entdeckt und in Barcas berühmter Jugendakademie La Masia aufgenommen.

Doch die Trennung von seiner Familie fällt ihm schwer. Sein Vater muss erst Überzeugungsarbeit leisten, bevor er ihn in Barcas Talentschmiede abliefert, nur um ihn wenige Augenblicke später gleich wieder abholen zu wollen. "Du hast ihn hergebracht, nun gib dem Ganzen auch eine Chance", berichtet die Mutter Maria Lujan in der Dokumentation. Dennoch habe sich Iniesta in La Masia einsam gefühlt.

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"Die Maut für diese Reise habe ich später bezahlt", sagt Iniesta.

Iniesta stürzt in Depression

Als Iniesta 2009 den FC Barcelona mit seinem Tor im Champions-League-Halbfinale beim FC Chelsea ins Endspiel schoss und seinem Klub den Weg zum Titel ebnete, litt er bereits an Depressionen. Gerard Piqué glaubt in der Doku, dass vielen seiner Teamkollegen, Iniestas Leiden gar nicht bewusst war, weil er für gewöhnlich nicht über sich sprach.

Hinzu kam, dass er in der folgenden Saison häufig von Verletzungen zurückgeworfen wurde. "Die Tage vergehen und du merkst, dir geht es nicht besser, du fühlst dich nicht gut, du bist nicht du selbst", berichtet Iniesta von dieser Zeit. "Alles bewölkt sich und wird dunkel."

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Der plötzliche Tod seines Freundes Dani Jarque am 8. August 2009 belastete ihn zusätzlich. Nachdem er 2010 im WM-Finale das entscheidende Tor geschossen hatte und mit seiner Botschaft an Jarque die Geschichte ein großes Thema wurde, hatte Iniesta sogar ein mögliches Karriereende in Betracht gezogen.

"Einen Tag nach dem WM-Finale war ich im Haus meiner Eltern mit meiner Frau, die damals noch meine Freundin war. Ich sagte ihnen: 'Ich kann nicht mehr, ich kann das einfach nicht mehr tun', gestand er vor einigen Jahren im spanischen TV-Sender La Sexta.

Teamkollegen und Guardiola helfen Iniesta

In der neuen Doku schildert ein Freund, dass Iniesta in der Zeit nach dem WM-Triumph nach Trainingseinheiten teilweise stundenlang im Bett lag. Dank der Hilfe von Freunden, der Familie und seiner Teamkollegen gelang es, Iniesta wieder aufzubauen. Zudem vertraute er sich einer Psychologin an.

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"Es ist ein sehr menschliches Gefühl, dass Millionen von Menschen weltweit befällt und sie müssen wissen, dass wir für sie da sind", sagt sein früherer Coach Pep Guardiola in dem Film.

Nach über 440 Spielen für den FC Barcelona verließ der Spielmacher 2018 seine Heimat, um in Japan bei Vissel Kobe, dem Ex-Klub von Lukas Podolski, seine Karriere ausklingen zu lassen.

Dort lebt Iniesta mit seiner Frau Anna und vier Kindern, der Abstand zu seiner spanischen Heimat hat sich auch positiv auf seine Gesundheit ausgewirkt.

Iniesta selbst sagt: "Ich habe immer versucht, normal zu bleiben in dieser verrückten Welt, in der ich lebe."