Auch in Weißrussland rollt der Ball noch
Fans beim Liga-Duell zwischen FC Slutsk und Slavia Mazyr © Imago
Lesedauer: 4 Minuten

München - Während überall in Europa der Ball wegen der Coronakrise ruht, startet in Weißrussland die Liga - vor Zuschauern. Der Staatspräsident redet die Gefahr klein.

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Die Bilder vom Saisonstart in der weißrussischen Liga suggerieren auf den ersten Blick Normalität.

Die Spieler des FC Slutsk gaben trotz Rückstands alles und schossen sich dank eines 3:1-Erfolgs gegen Slavia Mozyr an die Tabellenspitze. Und die offiziell 800 Zuschauer auf den Rängen hatten allen Grund zur Freude, die eingefleischten Fans feuerten ihr Team schon während des Spiels lauthals an.

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Wären da nicht die Ordner mit Mundschutz auf den Pressefotos, könnte man meinen: business as usual.

Es ist dieses kleine Detail, das auf die Ausnahmesituation hindeutet, die das Coronavirus weltweit erzeugt hat. Doch davon wollen die Verantwortlichen in Weißrussland nichts wissen.

Ausnahmezustand wegen Corona? Verbandsboss wiegelt ab

Die neue Saison in der ersten Liga wurde am Freitag daher planmäßig eröffnet. Die überraschende 1:3-Niederlage des regelmäßigen Europapokal-Teilnehmers BATE Borisov bei Energetik-BGU sahen 730 Zuschauer.

"Aus welchem Grund sollten wir sie nicht starten? Wurde in unserem Land der Ausnahmezustand ausgerufen?", stellte Verbandsboss Vladimir Bazanov einen Tag vor dem Ligastart in einem Interview mit dem Sportportal Tribuna die rhetorischen Fragen.

Darauf angesprochen, dass in allen Nachbarländern und auch im übrigen Europa der Ball ruht, entgegnete Bazanov lapidar: "Sie haben die Grenzen geschlossen. Um Gottes Willen. Wir haben noch keine Voraussetzungen dafür. Sie kennen die Zahl der Infizierten, der Verdachtsfälle und der Geheilten. Es gibt keine kritische Situation, also haben sie beschlossen, dass wir die Meisterschaft pünktlich starten."

Laut den Zahlen der Johns Hopkins Universität von Dienstagabend gibt es in Weißrussland 81 bestätigte Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 und bislang keinen Todesfall, 22 Infizierte gelten als geheilt.

Präsident Lukaschenko empfiehlt Traktorfahren und Landarbeit

Staatspräsident Alexander Lukaschenko bezeichnete das Coronavirus als "Psychose".

Für Panik gebe es keinen Grund, "man muss nur arbeiten, besonders jetzt auf dem Dorf", sagte Lukaschenko noch am 16. März und erfreute sich am Anblick von aktuellen Fernsehbildern: "Die Leute arbeiten auf Traktoren, niemand redet über das Virus. Dort wird der Traktor alle heilen. Die Felder heilen alle."

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Im Verlauf der vergangenen Woche empfahl er zumindest denjenigen, die einen Husten oder eine laufende Nase haben, zuhause zu bleiben, um nicht weitere Menschen zu infizieren.

"In Weißrussland ist es so, dass sich niemand darum kümmert. Es ist unglaublich", wurde der frühere Bundesligastar Aleksandr Hleb kürzlich von der Sun zitiert. "Vielleicht werden wir in ein oder zwei Wochen hier aufhören. Vielleicht wartet unser Präsident nur darauf, was mit dem Virus passiert."

Ex-Bundesligastar Hleb in Sorge

Dabei gibt es genug warnende Beispiele aus Europa. "Jeder hier weiß, was mit Italien und Spanien passiert ist. Es sieht nicht gut aus. Aber in unserem Land glauben die Leute in der Präsidialverwaltung, dass es nicht so extrem ist, wie es die Nachrichten besagen", erklärte Hleb.

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Der 38-Jährige, der erst kürzlich seine Karriere beendet hat, bleibt nach eigener Aussage aktuell zu Hause bei seiner Familie, "aber wenn ich rausgehe, sind die Straßen und Restaurants immer noch voll".

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Und auch der Fußballbetrieb läuft unbeirrt weiter. Vor dem mit 3648 Zuschauern vergleichsweise gut besuchten Eröffnungsspiel von Dynamo Brest gegen Smolevichi sollten eine Handvoll Wärmebildkameras fiebrige Stadiongänger herausfiltern. Das schrieb die New York Times.

Fans sollen Hygienemaßnahmen befolgen

Immerhin: Auf der Webseite des Verbands ABFF wurde am Dienstag an die vorbeugenden Maßnahmen zur Eindämmung der Viruserkrankung erinnert.

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Dazu wurden ein paar Hygienemaßnahmen auf Grafiken mit FIFA-Logo präsentiert. "Wir fordern die Fans auf, die Richtlinien der WHO zu befolgen", hieß es in dem Statement, das mit den Worten schloss: "Nehmen Sie Rücksicht aufeinander und bleiben Sie gesund!"

An dem in diesen Zeiten surreal anmutenden Bild von Fußball vor leidenschaftlichen Fans in weißrussischen Stadien dürfte sich also vorerst nichts ändern.