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München - Ronaldinho feiert seinen 40. Geburtstag in einem Gefängnis in Paraguay. Der einstige Weltfußballer ist ein prominentes Opfer, doch nicht das eigentliche Ziel.

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Ronaldinhos letzte "Gala" ist noch gar nicht so lange her.

Vor einer Woche zauberte er sein Team mit fünf Toren und sechs Vorlagen zu einem 11:2-Sieg. Der Ort des Geschehens: die Gefängnis-Kaserne der Nationalpolizei in Paraguays Hauptstadt Asunción.

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An diesem Ort wird der zweimalige Weltfußballer am Samstag wohl auch seinen 40. Geburtstag feiern. Ronaldinho, der in seiner aktiven Zeit fußballerisch über allen zu schweben schien, ist auf dem harten Boden der Realität gelandet.

Seit rund zwei Wochen ist Ronaldo de Assis Moreira inhaftiert, kurze Zeit zuvor war er - gemeinsam mit seinem Bruder Roberto Assis - mit falschem Reisepass und Personalausweis nach Paraguay eingereist. Auf den Dokumenten gab sich der ehemalige Weltklasse-Spieler, der unter anderem für den FC Barcelona und den AC Mailand spielte, als Paraguayer aus.

Ronaldinho wollte Werbung für sein Buch machen

Doch der Schwindel flog auf. Nach einer ersten Vernehmung waren die Brüder noch auf freien Fuß gelassen worden, einen Tag später folgte dann die Verhaftung. Ronaldinhos Bruder war 2012 schon einmal zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt worden, damals aufgrund von Steuerhinterziehung und Geldwäsche.

Im November 2018 wurde dem Brüderpaar in Brasilien die Reisepässe entzogen. Hintergrund: Ausstehende Strafzahlungen in Höhe von umgerechnet 2,25 Millionen Euro.

Die Strafe war laut brasilianischen Medienberichten verhängt worden, weil der Ex-Profi mit seinem Bruder bei der Bebauung eines Grundstücks in Porto Alegre massive Umweltschäden verursacht haben soll. Die Zahlung war jedoch nicht erfolgt. Seinen Pass soll Ronaldinho laut Medienberichten inzwischen allerdings zurückbekommen haben.

Doch warum ist Ronaldinho überhaupt nach Paraguay eingereist? Der Weltmeister von 2002 wollte offenbar Werbung für sein neues Buch machen. Außerdem wollte er ein Programm starten, dass Kinder für einen sportlichen Lebensstil begeistern soll. "Ronaldinho hat kein Verbrechen begangen, weil er nicht wusste, dass der Pass, den sie ihm gegeben haben, gefälscht war", sagte sein Anwalt Sergio Queiroz.

Vor einer Woche wies ein Berufungsgericht einen erneuten Antrag der Anwälte auf Freilassung des ehemaligen Weltfußballers zurück. Zwei Tage zuvor hatte bereits ein anderes Gericht einen ähnlichen Antrag abgelehnt. "Es handelt sich um eine schwere Straftat gegen die Interessen der Republik", sagte Richterin Clara Ruiz Díaz. Zudem bestünde bei Ronaldinho und seinem Bruder, der gleichzeitig als sein Berater fungiert, Fluchtgefahr.

Weltfußballer als Spielball politischer Interessen

Bei der Causa Ronaldinho geht es jedoch nicht nur um gefälschte Pässe, sondern um wesentlich mehr. Im Zuge der Verhaftung wurden auch 15 weitere Personen festgesetzt. Es geht um Geldwäsche, Betrug, Drogenhandel. Insgesamt 400 Millionen US-Dollar soll die Hauptverdächtige, Dalia Lopez so umgesetzt haben. Von ihr fehlt weiter jede Spur.

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Doch in welcher Verbindung steht Lopez zu Ronaldinho? In Lopez' Wohnung wurde das in den gefälschten Dokumenten benutzte Foto Ronaldinhos auf tausenden Bällen gefunden. Er war von der Paraguayerin angeblich eingeladen worden, ein Gesicht für ihr Sozialprojekt zu sein. 

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Doch unabhängig von seinen möglichen Verbindungen zu Lopez ist Ronaldinho längst zum Spielball der paraguayischen Justiz geworden. Staatspräsident Mario Abdo Benítez forderte beim TV-Sender NPY eine lückenlose Aufklärung "ohne Rücksicht auf Verluste". Dieser Forderung schloss sich auch Innenminister Euclides Acevedo an.

Chilavert kritisiert eigene Politik

Doch gerade der gerät jetzt ebenfalls in die Schusslinie. Kein Geringer als José Luis Chilavert, Paraguays Torwart-Legende, kritisierte den Innenminister öffentlich. "Herr Innenminister Euclides Acevedo. Die Ausländer des Falles Ronaldinho sind in Haft, aber warum ist die Chefin der Bande, Dalia Lopez, immer noch frei? Das Gesetz steht über allen."

Pikant: Ronaldinho ist bekanntermaßen ein Sympathisant des rechtspopulistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Kein Wunder also, dass sich Brasiliens Justizminister Sergio Moro höchstpersönlich über die Sachlage im Fall des ehemaligen Weltfußballer erkundigte.

Ronaldinhos sportlicher Fall begann schon relativ früh. Bereits mit 30 Jahren kehrte er in die Heimat zurück, vor zwei Jahren machte er dann endgültig Schluss. Ihm wurde oft nachgesagt, dass fehlende Disziplin ihm eine ganz große Karriere wie die eines Lionel Messi verbaut habe. Er wollte immer nur spielen.

Spielen kann er vielleicht auch an seinem 40. Geburtstag hinter den Gefängnismauern von Asunción. Der Kick von vergangener Woche könnte allem Anschein nach nicht sein letzter dort gewesen sein.