Fulham FC v Everton FC - Premier League
Fulham FC v Everton FC - Premier League © Getty Images
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José Mourinho eckt gerne an, gehört aber zweifelsohne zu den schillerndsten Trainer-Persönlichkeiten im Fußball. SPORT1 blickt auf seine Karriere.

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José Mourinho ist eine der schillerndsten Trainer-Figuren im europäischen Fußball. Seine Fähigkeiten als Trainer sind unbestritten, aber auch sein Hang zur Melodramatik und sein großes Ego. Seine Karriere als Coach ist gepflastert von Erfolgen, er durchlebte aber auch Phasen des Misserfolgs.

SPORT1 blickt auf die bisherige Karriere von "The Special One".

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Die Leidenschaft zum Fußball wurde Mourinho quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war Profifußballer und arbeitete später als Trainer. Als Profispieler konnte Mourinho, ähnlich wie Deutschlands Traineraushängeschild Jürgen Klopp, allerdings nur überschaubare Erfolge feiern, sodass er schon früh die Trainerlaufbahn ins Auge fasste.

Im Jahr 1990 trat der Portugiese in seiner Heimat erstmals ein Traineramt an. Nachdem er kurzzeitig eine Jugendmannschaft in seinem Heimatort übernahm, unterschrieb er als Co-Trainer beim CF Estrela Amadora. Drei Jahre später folgte erstmals eine Stelle unter einem internationalen Toptrainer: Für Sir Bobby Robson spielte Mourinho bei Sporting Lissabon den Übersetzer und Co-Trainer. Darüber hinaus entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Beiden, sodass Robson auch bei seinem neuen Klub FC Porto auf Mourinho als Assistenten setzte.

Die ersten großen Erfolge stellten sich ein: Drei Meisterschaften, zwei Pokaltitel und der Gewinn des portugiesischen Supercups standen zu Buche.

Mourinho unter Robson und van Gaal

1996 folgte Mourinho Robson auch zum FC Barcelona. Ein Jahr später wurde er erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er mit "Blaugrana" den Europapokal der Pokalsieger gewann. 

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Als Robson den FC Barcelona verließ, hatten die Katalanen großes Interesse, den Portugiesen zu halten. So blieb Mourinho seinem späteren großen Rivalen Barcelona treu und wurde auch unter Louis van Gaal Assistenztrainer. Wie auch Robson erkannte der Niederländer das große Potenzial Mourinhos und sorgte dafür, dass er den Chefposten der zweiten Mannschaft Barcas bekam.

2000: Anfänge als Profi-Coach

Bei Benfica Lissabon wurde Mourinho im Alter von 37 Jahren erstmals Cheftrainer eines Profi-Klubs. Im Sommer 2000 löste er den erfolglosen Jupp Heynckes ab - doch der neue Präsident Manuel Vilarinho war nicht überzeugt von dem ehrgeizigen Trainer, sodass die Zusammenarbeit nach nur einem halben Jahr endete. Eine Entscheidung, die der Benfica-Boss später noch bereuen sollte. "Könnte ich die Uhr zurückstellen, würde ich genau das Gegenteil tun: Ich würde seinen Vertrag verlängern", gab der Portugiese später zu.

Nach einer erfolgreichen Zwischenstation bei Uniao Leiria wurde der FC Porto auf Mourinho aufmerksam, 2002 folgte die Verpflichtung. Kurze Zeit nachdem er sein Amt angetreten hatte, startete Mourinho im Februar 2002 eine außergewöhnliche Serie: Er blieb in den nächsten neun Jahren - ganz gleich mit welchem Verein - ohne Niederlage in einem Heim-Ligaspiel.

150 Spiele hielt diese beeindruckende Serie, ehe Mourinho am 2. April 2011 nach einem Heimspiel erstmal wieder einem Gegner gratulieren musste. 0:1 stand es nach einem geradezu lächerlichen Ausmaß vergebener Topchancen gegen Sporting Gijon.

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2003: Mourinhos internationaler Durchbruch

Mit dem FC Porto hatte Jose Mourinho sofort Erfolg. In seinem ersten Jahr führte er den Klub auf Platz drei. In der folgenden Spielzeit wurde Porto Meister, gewann den UEFA-Cup und holte den portugiesischen Pokal.

Nur ein Jahr später konnte der Trainer die Vorjahreserfolge toppen und persönlich den absoluten Durchbruch feiern. Porto erreichte sensationell das Champions-League-Finale und gewann den Henkelpott durch einen 3:0-Sieg über AS Monaco.

Für Mourinho wurde es Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, welche er in der Premier League fand. Der FC Chelsea hatte mit Roman Abramowitsch einen neuen Klubeigentümer, der den Blues zu neuem Glanz verhelfen wollte, nur mit Claudio Ranieri nicht den geeigneten Trainer. So fiel die Wahl auf den Shootingstar der Coachingszene.

2004: Die Geburtsstunde des "Special One"

Mourinho selbst liebäugelte mit dem FC Liverpool, nahm aber letztendlich das Angebot der Londoner an. Bei seiner Vorstellung fielen Mourinhos berühmte Worte, die bereits jetzt in die Fußball-Annalen eingegangen sind: "Please don't call me arrogant, but I'm European champion and I think I'm a special one."

Gemessen an seiner vollmundigen Aussage - der er auch seinen Spitznamen "The Special One" verdankt - ließ der Portugiese Taten folgen: Er holte mit den Blues den ersten englischen Meistertitel nach 50 Jahren und konnte diesen im folgenden Jahr sogar verteidigen.

Der Champions-League-Sieg mit den Londonern blieb Mourinho aber verwehrt - auch mit dem damals besten deutschen Spieler Michael Ballack. 2004/05 und 2006/07 erreichte er mit Chelsea das Halbfinale. Dort war aber jedes Mal gegen Liverpool Endstation.

Chelsea's coach Jose Mourinho (R) speaks
Chelsea's coach Jose Mourinho (R) speaks © Getty Images

Historischer Erfolg mit dem Triple

Wenige Monate später verließ der Portugiese nach einem Streit mit Klub-Eigner Roman Abramowitsch den Klub. Mourinho ging mit sechs Titeln in drei Jahren als erfolgreichster Trainer in die Klubgeschichte ein. 2008 heuerte er bei Inter Mailand an - und gewann auch hier 2009 prompt die Meisterschaft. Auch in der Saison 2009/10 blieb Inter das Maß aller Dinge und setzte auf die Meisterschaft noch den Titel in der Coppa Italia drauf.

Auch in der Champions League reichte es für Mourinho und Inter zum ganz großen Triumph. Erst konnte "The Special One" den Halbfinal-Sieg über Barcelona ausgelassen feiern - und geriet dort wegen seines provozierenden Jubellaufs mit Barca-Keeper Victor Valdes aneinander -, dann schlug er im Finale 2010 auch noch den FC Bayern München. Mourinho durfte sich nicht nur zum zweiten Mal Champions-League-Sieger nennen, sondern gewann auch erstmals das europäische Triple.

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2010: Wechsel zu Real Madrid

Schon kurz nach dem Finale gab Mourinho den Wechsel zu Real Madrid bekannt. Die Zeit bei den Königlichen war allerdings nicht nur von Erfolgen geprägt. Im April 2011 fand Mourinhos Serie von 150 Ligaheimspielen ohne Niederlage ein Ende. Zwar führte er Madrid 2012 nach drei Jahren erstmals wieder zur spanischen Meisterschaft, musste in der darauffolgenden Saison aber gleich mehrere Rückschläge hinnehmen.

In der Meisterschaft reichte es nur zu Rang zwei hinter Erzrivale Barcelona. Grundsätzlich wurde die Zeit zum großen Kampf mit dem katalanischen Vorzeigeklub. Trauriger Höhepunkt der Rivalität war eine Zwei-Spiele-Sperre im Jahr 2011 durch den spanischen Verband, weil er einem Barca-Assistenzcoach den Finger ins auge stach.

Auch in der Champions League wurde der Star-Trainer 2010 von der UEFA für zwei Spiele gesperrt. Er soll Xabi Alonso und Sergio Ramos Anweisung gegeben haben, im Spiel gegen Ajax Amsterdam kurz vor Spielende eine gelb-rote Karte zu provozieren, um die Strafe in einem unwichtigen Spiel abzusitzen. Ein Spiel Sperre musste er absitzen, das zweite wurde in eine dreijährige Bewährung umgewandelt.

In der Copa del Rey zogen die Königlichen gegen Atletico Madrid den Kürzeren und in der Champions League war gegen Borussia Dortmund und Jürgen Klopp im Halbfinale Schluss. Zudem kam es zu Konflikten mit Spielern, Fans und Medien, nachdem Mourinho Klublegende Iker Casillas zur Nummer zwei im Tor degradierte. 

2013: Rückkehr zu Chelsea

Im Mai 2013 verkündete Real-Präsident Florentino Perez die "einvernehmliche Trennung" vom Portugiesen. Seine Bilanz bei Real Madrid war mit je einem Titel in Pokal, Meisterschaft und Supercup in drei Jahren eher dürftig. Zudem geriet er immer wieder mit den Real-Stars aneinander, sodass am Ende das Klima in der Kabine komplett vergiftet gewesen sein soll.

Im Juli 2013 fing Mourinho dann zum zweiten Mal beim FC Chelsea an. In seiner ersten Saison blieb er noch ohne Titel, in der Champions League erfolgte das Aus im Halbfinale und in der Liga reichte es zu Rang drei. In der darauffolgenden Saison war es dann aber soweit: Er feierte mit den Blues seine dritte Meisterschaft und machte sich damit an der Stanford Bridge endgültig unsterblich.

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Doch im nächsten Jahr war "The Special One" nicht mehr erfolgreich. Nach 16 Spieltagen und nur 15 Punkten zogen die Blues-Verantwortlichen im Dezember 2015 die Reißleine und feuerten Mourinho. Wieder einmal wurden dem Portugiesen nicht nur sportliche Gründe zum Verhängnis. "Es war eine Zwietracht zwischen Trainer und Spielern zu spüren und wir haben gespürt, dass es Zeit ist zu handeln", erklärte ein Chelsea-Verantwortlicher die Entlassung.

2018: Mourinho bei Manchester United

Im Sommer 2016 übernahm Mourinho Traditionsklub Manchester United und sollte die Red Devils wieder zu altem Glanz - wie einst unter Sir Alex Ferguson - führen. Im ersten Jahr heimste Mourinho mit den Reds gleich den Titel in der Europa League ein.

An diesen Erfolg konnte er im nächsten Jahr nicht mehr anknüpfen. In der Liga fuhr Manchester mit 81 Punkten zwar das beste Ergebnis seit 2013 ein, aber es reichte nicht zum Titel. Die Fans beklagten die destruktive Spielweise unter Mourinho, dennoch wurde sein Kontrakt im Januar bis ins Jahr 2020 ausgedehnt.

Sevilla FC v Manchester United - UEFA Champions League Round of 16: First Leg
Sevilla FC v Manchester United - UEFA Champions League Round of 16: First Leg © Getty Images

Neben der aus Fan-Sicht unansehnlichen Spielweise zerstritt sich Mourinho auch mit mehreren Führungsspielern. Vor allem Paul Pogba litt unter dem Portugiesen und saß immer öfter auf der Bank. Auch sportlich lief es nicht, weshalb die United-Verantwortlichen reagierten und Mourinho feuerten. Daanch war der Star-Trainer mehrere Monate ohne Job, wurde aber mit zahlreichen Klubs in Verbindung gebracht.

Nach Trainerstationen in Portugal, Italien, Spanien in England hätte sich Mourinho auch eine neue Herausforderung in der Bundesliga durchaus vorstellen können. 

"Ich finde die Bundesliga wirklich interessant", erzählte er der Sport Bild. Er möge vor allem die "vollen Stadien, tolle Organisation" und die "guten taktischen Ansätze bei vielen Teams." Gerade bei Rekord-Meister Bayern München geisterte der Name Mourinho immer wieder umher, wenn ein neuer Trainer gesucht wurde.

Am Ende blieb der Portugiese aber der Premier League treu und wurde im November 2019 - elf Monate nach seiner Entlassung bei Manchester United - neuer Trainer bei den Tottenham Hotspur. Der Verein aus London hatte kurz zuvor Mauricio Pochettino entlassen.