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München - Der AFC Sunderland gehörte in den letzten Jahren zum Bild der Premier League. Heute spielt der Verein in der dritten Liga. SPORT1 zeigt, wie es dazu kam.

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Am Ende der Saison 2016/2017 war es soweit.

Eine empfindliche 1:5-Niederlage beim FC Chelsea war der vorerst letzte Auftritt des AFC Sunderland in der Premier League. Nach einer Saison mit nur sechs Siegen in 38 Partien stand fest, dass der sechsmalige englische Meister zum dritten Mal in die zweite englische Liga absteigt.

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Unter Trainer Simon Grayson, der David Moyes folgte, sollte das Projekt Wiederaufstieg angegangen werden - so jedenfalls der Plan. Doch es kam noch viel schlimmer für den Verein, der seine letzte Meisterschaft im Jahr 1936 feierte. 

Das Problem: Grayson hatte nur etwas mehr als eine Million Euro für Verstärkungen zur Verfügung - und wurde mit der Grusel-Bilanz von einem Sieg und sieben Unentschieden in 15 Spielen nach 126 Tagen im Amt ebenfalls entlassen. 

Doch es wurde auch unter Chris Coleman, davor walisischer Nationaltrainer, nicht besser. In 28 Partien unter seiner Regie gelangen genau fünf Siege und acht Remis. 15 Niederlagen führten zum erneuten Kollaps. Schon zwei Spieltage vor Saisonende stand der erneute Abstieg fest.

Ein Fußballklub als Spielball

Nach zwei Abstiegen in Folge spielt der AFC Sunderland in der Saison 2018/2019 also nur noch in der drittklassigen League One.

Doch wie konnte es dazu kommen kommen? Was läuft schief beim AFC Sunderland?

Hinter den Kulissen rumort es schön länger gewaltig. Klub-Eigentümer Ellis Short, ein US-amerikanischer Geschäftsmann, wollte den Verein bereits zu Premier League-Zeiten nicht mehr haben. Im vergangenen Sommer verkaufte er den Klub an Stewart Donald, der Sunderland zunächst mit einem Konsortium aus Fußball-Investoren aufkaufen wollte.

Dann stemmte er den Deal aber aus Zeitgründen vorerst allein. Nach der Übernahme durch Donald, der mit einem Geschäftspartner mehrere Unternehmen besitzt, sei der Klub schuldenfrei, sagte der neue Eigentümer. 

In der aktuell veröffentlichten Studie für das Finanzjahr 2017 zählt die UEFA den AFC Sunderland allerdings noch mit einem 185 Millionen Euro großen Schuldenberg auf Platz 13 der höchstverschuldeten Vereine in Europa.

Transfers auf Pump

Dazu beigetragen haben einige verheerende Transferbilanzen zu Premier-League-Zeiten. Vor der Saison 2015/2016 investierte man rund 66 Millionen Euro in neues Personal, unter anderem verpflichtete man Fabio Borini und Jeremain Lens. Demgegenüber standen Einnahmen von nur rund 10 Millionen Euro. Ein Minus von rund 50 Millionen Euro.

Auch vor der Abstiegssaison investierte Sunderland ordentlich und steckte 41,9 Millionen Euro in frisches Personal. So wechselte beispielsweise der Ex-Bremer Papy Djilobodji für eine Ablöse von 9,5 Millionen Euro vom FC Chelsea in die Hafenstadt.

Nach dem Abstieg aus der Premier League fehlte es dann am nötigen Kleingeld. Grund dafür sind auch die niedrigeren Fernsehgelder in der zweiten Liga. Im Abstiegsfall soll die große Differenz durch Hilfszahlungen in Höhe von rund 50 Millionen Euro abgefedert werden.

Finanz-Falle Premier League

Die nackten Zahlen zeigen jedoch, wie groß die Unterschiede sind. Selbst der 20. der Premier League kassiert noch mindestens 90 Millionen Euro pro Jahr, die Championship-Vereine nur einen Bruchteil davon. Trotzdem nehmen die englischen Zweitligavereine viel Geld in die Hand, um an die prall gefüllten Geldtöpfe der Premier League zu gelangen.

Laut Daily Mail beträgt das durchschnittliche Jahres-Grundgehalt eines englischen Zweitliga-Spielers rund 750.000 Euro.

Für Sunderland galt das im vergangenen Sommer nach dem Abstieg aus der Eliteklasse nicht. Der damalige Eigentümer Short wollte den Verein loswerden und nicht weiter investieren. Ex-Coach Coleman kritisierte die mangelnde Investitionsbereitschaft des Vereins. Wenn man sich ernsthaft weiterentwickeln wolle, müsse man "Geld ausgeben".

Hoffnungsträger wohin man schaut

Der neue Klubbesitzer kündigte an, so viel Geld wie nötig auszugeben. Die Transfersummen seien "nicht groß", so Donald. Vor der laufenden Saison wurden 900.000 Euro an Ablöse für Spieler ausgegeben. Einige Profis stießen ablösefrei zu Sunderland. Er kündigte ein "gutes Budget" für Sunderland an, das seine Heimspiele im Stadium of Light austrägt.

Wie es scheint, geht es nun tatsächlich aufwärts: Mit Jack Ross gibt es nun wieder einen neuen Trainer, der das Projekt Wiederaufstieg leitet.

Nach bisher absolvierten 27 Spielen in der dritten Liga steht Sunderland mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Portsmouth auf dem dritten Platz, wobei der AFC noch eine Nachholpartie hat. 

Dabei sorgt vor allem Josh Maja, ein 20-jähriger Stürmer aus dem eigenen Nachwuchs, mit 15 Treffern für Furore. An ihm sollen auch die beiden Bundesligisten VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart Interesse zeigen.

Der Verein, bei dem Liverpools Kapitän Jordan Henderson seine Karriere begann, steht nun am Scheideweg. Sollte der Aufstieg in die zweitklassige Championship in dieser Saison nicht gelingen, könnte es schwierig werden, den Weg zurück in die Premier League zu finden.

So oder so: Der nächste Auftritt an der Stamford Bridge lässt auf sich warten.