München - Einst zahlte Jose Mourinho für Superstar Paul Pogba für eine Rekordablöse. Doch die Geschichte Mourinho/Pogba entwickelt sich immer mehr zu einem Missverständnis.

von Maximilian Schwoch

"Pogba ist ein großer Spieler, der für einen großen Verein sehr wichtig werden wird". Dieser Satz stammt von keinem geringeren als Jose Mourinho. Der Trainer von Manchester United freute sich im Jahr 2016, seinen damaligen Wunschspieler Paul Pogba für die Weltrekord-Ablöse von 105 Millionen Euro zu bekommen.

Inzwischen klingen die Aussagen Mourinhos etwas anders. "Du bist wie eine Person mit einer Grippe, mit einem Virus in einem geschlossenen Raum - du hast den Virus an an die anderen weitergegeben", sollte er zu seinem Superstar laut englischen Medien wie dem Telegraph nach dem 2:2 gegen den FC Southampton gesagt haben.

Stimmen die Berichte, dann hat das Verhältnis zwischen dem französischen Weltmeister und seinem portugiesischen Trainer vor dem Premier-League-Spiel gegen den FC Arsenal einen neuen Tiefpunkt erreicht (Premier League: Manchester United - FC Arsenal, 21 Uhr im LIVETICKER)

Dabei galt Pogba bei seinem Wechsel von Juventus Turin nach England mit seinen damals 23 Jahren bereits als der kommende Weltfußballer. Ein Jahr zuvor hatte er die Alte Dame bis ins Champions-League-Finale geführt. Nahezu alle europäischen Top-Klubs sollen an dem schlaksigen französischen Mittelfeldspieler interessiert gewesen sein, den Zuschlag bekam aber United, der Verein, der seinen einstigen Schützling vier Jahre zuvor ablösefrei zu den Italienern ziehen ließ.

Pogba führt United zu EL-Titel

Die erste Saison unter Mourinho lief für Pogba dann auch noch ganz verheißungsvoll. Am Ende stand der Titel in der Europa League zu Buche. Im Finale gegen Ajax Amsterdam stellte Pogba mit seinem Führungstreffer früh die Zeichen auf Sieg. In der Liga reichte es zwar nur zu Rang sechs, doch durch den EL-Titel qualifizierte sich das Team von Mourinho trotzdem für die Champions League.

Im Mai 2017 schwärmte Mourinho auch noch von seinem Superstar, bezeichnete den Franzosen als "besten Mittelfeldspieler der Welt".

In der vergangenen Spielzeit erreichte United sogar den zweiten Platz in der Premier League, wenn auch mit deutlichem Abstand hinter Erzrivale Manchester City und dessen Trainer Pep Guardiola. Auch Pogba spielte von den nackten Zahlen her eine bessere Saison, kam in 27 Einsätzen in der Premier League auf 16 Scorerpunkte. (Service: Die Tabelle der Premier League).

Doch Mourinho wurde immer unzufriedener mit seinem Star, kritisierte ihn mehrfach öffentlich. Der ließ sich das nicht gefallen, kokettierte öffentlich mit einem Abschied aus Manchester. Im September eskalierte der Streit dann, Mourinho setzte Pogba offenbar als Vizekapitän ab. Auslöser soll ein Interview Pogbas nach dem 1:1 gegen die Wolverhampton Wanderers gewesen sein. "Wenn wir zu Hause spielen, sollten wir angreifen, angreifen, angreifen. Das ist das Old Trafford. Wir sind hier, um anzugreifen", hatte Pogba moniert.

Pogba und Mourinho kritisieren sich gegenseitig

Ein Kritikpunkt Mourinhos an seinem Superstar ist seine Ballverliebtheit. Pogba trenne sich zu spät von eben jenem Spielgerät, verlangsame damit auch das Tempo im United-Spiel. Pogba wiederum hat Schwierigkeiten, sich in Mourinhos taktisches Korsett zu integrieren. Das soll der Franzose laut Sun auch entgegnet haben, als er von Mourinho als "Virus" beschimpft wurde. Mourinhos Taktik passe nicht zu seiner Art zu Spielen.

Pogba ist ein spielerischer Freigeist, der Probleme hat, sich taktischen Zwängen unterzuordnen. Wohl kaum ein Superstar spaltet die öffentliche Meinung so sehr wie der Franzose. Für die einen ist der 25-Jährige ein Genie, für die anderen vollkommen überschätzt.

Wie man mit ihm umgeht, bewies Didier Deschamps bei der Weltmeisterschaft im Sommer. Der Trainer von Les Bleus ließ seinem Superstar weitgehend freie Hand. Der dankte es ihm und führte sein Team zum WM-Titel.

Von einem Titel in dieser Saison ist United derweil meilenweit entfernt. In der Liga ist die Mourinho-Elf nur Achter, im EFL Cup musste United bereits die Segel streichen. Und auch der Titel in der Königsklasse scheint derzeit weit entfernt zu sein.

Berichten zufolge macht Pogba seinen Verbleib in Manchester davon abhängig, ob Mourinho in der kommenden Saison noch auf der Trainerbank sitzt. Der Portugiese steht schon länger in der Kritik, das Verhältnis zu den Klubbossen soll zerrüttet sein.

Die Geschichte Mourinho/Pogba scheint sich immer mehr zu einem Missverständnis zu entwickeln. Ob in der nächsten Saison ein neues Kapitel dazu kommt, erscheint mehr als fraglich.