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München - Beim Golden Boy spielt Martin Odegaard keine Rolle, bei Real Madrid scheiterte er - in den Niederlanden schöpft das Jahrhunderttalent allerdings neue Hoffnung.

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Matthijs de Ligt ist der beste Nachwuchsspieler Europas. Am Montag gab die italienische Zeitung Tuttosport das Ergebnis ihrer Abstimmung zum "Golden Boy" bekannt. Der Sieger ist alles andere als eine Überraschung.

Dass sich auf der Liste der 100 Kandidaten zuvor auch der Name Martin Odegaard getummelt hatte, dürfte den einen oder anderen weit mehr verwundert haben.

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Das einstige Wunderkind ist seit geraumer Zeit aus den Schlagzeilen, die die Welt bedeuten, verschwunden. Odegaard gilt als gescheitertes Versprechen - und das, obwohl er am heutigen Montag gerade einmal 20 Jahre alt wird.

Wunderkind Odegaard bricht alle Rekorde

Es ist 2014, als der Linksfuß aus Norwegen auf der Bildfläche erscheint. Am 13. April debütiert er mit 15 Jahren und 151 Tagen gegen Aalesunds FK als jüngster Spieler in Norwegens höchster Spielklasse. Am 16. Mai trägt er sich als jüngster Torschütze der Tippeligaen in die Geschichtsbücher ein.

Wenig später wird er A-Nationalspieler seines Landes und am 13. Oktober mit 15 Jahren und 300 Tagen der bis dahin jüngste Spieler in einer EM-Qualifikation. Der Blondschopf wird als Jahrhunderttalent gepriesen, die gesamte Riege der Top-Klubs aus Europa kämpft darum, den Mittelfeldspieler von einem Wechsel zu überzeugen. Auch der FC Bayern.

Odegaard spielt an der Säbener Straße beim damaligen Trainer Pep Guardiola vor und trifft sich mit den Verantwortlichen.

FC Bayern blitzt ab, Real Madrid schlägt zu

"Er war drei Tage hier, hat mit dem Trainer, Matthias Sammer und mit mir gesprochen - er wollte einfach verstehen, wie der jeweilige Klub tickt", erklärt Karl-Heinz Rummenigge.

Letztlich entscheidet sich die Nachwuchshoffnung jedoch für Real Madrid. Im Januar 2015 schließt er sich den Königlichen an.

"Am Ende war vielleicht der Bräutigam in Madrid etwas attraktiver als der hier. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass es hier ums Geld ging", meint Rummenigge.

Odegaard bei Real in der Sackgasse

Das Problem: Der Bräutigam aus der spanischen Hauptstadt sah in seiner neuesten Eroberung wohl in erster Linie ein Prestigeobjekt. Zumindest, wenn man dem damaligen Real-Coach Carlo Ancelotti Glauben schenkt.

"Wenn der Präsident entscheidet, dass er aus PR-Gründen einen norwegischen Jungen drei Mal in der ersten Mannschaft auflaufen sehen will, dann muss ich einen Weg finden, das umzusetzen", schrieb der Italiener in seinem Buch "Quiet Leadership".

"Ich war an seiner Verpflichtung nicht interessiert, denn sie war nicht wichtig für meine Arbeit", lautete Ancelottis schonungsloses Urteil.

Nach zwei vor allem für die Öffentlichkeit enttäuschenden Jahren, in denen er lediglich zwei Pflichtspiele in der ersten Mannschaft absolviert und sonst in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommt, entschließen sich Klub und Spieler zu einer Veränderung.

Neustart in den Niederlanden

Odegaard heuert leihweise in den Niederlanden beim SC Heerenveen an. Dort fasst er nach und nach Fuß, zeigt immer häufiger seine technische Klasse und Dribbelstärke. Auch sein enormes Gespür für den letzten Pass ist nicht zu übersehen.

43 Mal kommt er für den niederländischen Erstligisten zum Einsatz, erzielt drei Treffer und bereitet fünf weitere vor - bis er sich im April 2018 den Mittelfuß bricht. Saisonaus und in seinem Fall das vorzeitige Ende seiner Leihe.

Der damals 19-Jährige, dessen Vertrag bei Real noch bis 2021 läuft, kehrt zurück nach Spanien und absolviert nach seiner Reha die Vorbereitung in Madrid.

Odegaard im Leistungshoch bei Arnheim

Am Ende fällt jedoch die Entscheidung, Odegaard erneut zu verleihen. Wieder geht es in die Niederlande. Dieses Mal zu Vitesse Arnheim.

Dort ist er in dieser Saison unumstrittener Stammspieler, kommt im 4-3-3 wahlweise als Rechtsaußen oder im Mittelfeldzentrum als Achter zum Einsatz. Am Samstag erzielte Odegaard gegen Venlo sein zweites Saisontor. Eines der Marke Arjen Robben. Sein Klub gewann.

Natürlich gratulierte ihm sein aktuelles Team am Montag via Social Media auch zum Geburtstag.

Ein Bild des Spielers in Jubelpose. Dazu "Happy Birthday, Martin Odegaard" und ein kleiner roter Luftballon. Schlicht und geradeaus, ohne großes Tamtam und Theater.

Davon hat er in seinem noch jungen Leben schon genug gehabt.