Dave Kitson spielte für Reading und Stoke City in der Premier League
Dave Kitson spielte für Reading und Stoke City in der Premier League © Getty Images
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München - Der frühere Premier-League-Stürmer Dave Kitson offenbart eine Depressions-Erkrankung - die aus seiner Sicht von den Verhaltensregeln der Branche gefördert wird.

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Dave Kitson ist nicht unbedingt der größte Star, den der englische Fußball zu bieten hatte - eine Ausnahmeerscheinung war er trotzdem schon immer.

Der Stürmer bestritt zwischen 2006 und 2010 81 Spiele in der Premier League für den FC Reading und Stoke City, wo er Teamkollege von Robert Huth war. In Erinnerung blieb er aber vor allem dafür, dass er außerhalb des Feldes ein etwas anderer Fußballstar war: Er las Shakespeare, lehnte es ab, mit Bling-Bling und anderen Luxusgütern zu protzen, hatte keinen Schuh-Deal, besaß jahrelang nicht mal ein Auto.

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Es wird auch gemunkelt, dass Kitson der "Secret Footballer" sein könnte, der mysteriöse anonyme Fußballspieler, der in den vergangenen Jahren diverse Enthüllungsbestseller über die Branche verfasst hat.

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Fest steht: Dave Kitson hat vor kurzem begonnen, Enthüllungsgeschichten mit seinem Klarnamen zu erzählen, als Kolumnist des Massenblatts The Sun. Hauptdarsteller der neuesten: er selbst. Der 38-Jährige verrät, dass er unter Depressionen leidet - und wie schwer es ihm der Leistungsdruck im Profifußball gemacht hat, damit umzugehen.

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Suizidversuch und Angst vor dem Rauswurf

"Ich überlebe dank eines Medikamenten-Cocktails und regelmäßiger Besuche bei einem Psychiater", schreibt Kitson. Die Krankheit sei in seiner Zeit beim FC Portsmouth diagnostiziert worden, wo er zwischen 2010 und 2012 in der zweiten englischen Liga aktiv war.

In dieser Zeit hat Kitson einen Suizidversuch begangen: "Ich habe mein Auto gegen einen Brückenpfeiler gefahren." Er hätte bei Portsmouth eine besonders schwere Zeit erlebt, "ich hätte zeitweise nicht mal in die Nähe eines Trainingsplatzes gehört, geschweige denn aufs Feld."

Dave Kitson (l., in einem Pokalspiel gegen Chelseas Fernando Torres) spielte von 2010 bis 2012 für den Portsmouth FC
Dave Kitson (l., in einem Pokalspiel gegen Chelseas Fernando Torres) spielte von 2010 bis 2012 für den Portsmouth FC © Getty Images

Das Problem: "Die Klubführung und die Besitzer waren damals verzweifelt auf der Suche nach Gründen, Spieler wegen Vertragsbruchs rauszuwerfen, also war es für mich keine Option, mich krankzumelden. Es war eine qualvolle Spirale für alle. Ich war die blasse Imitation eines Fußballers und ein klassisches Beispiel für einen Mann mit einer klinischen Depression."

Zeitweise sei er "nicht funktionsfähig" gewesen: "Ich habe mein Sofa nicht verlassen, habe nicht mal den Fernseher angemacht, habe nichts gegessen. Ich habe einfach aus dem Fenster gestarrt."

"Das Rezept für ein einsames Leben"

Sich zu offenbaren, sei damals keine Option für ihn gewesen. Seine Empfindung sei gewesen, dass es viele ja doch nur als "armselige Ausrede" betrachtet hätten: "Ich mache den Fans keinen Vorwurf, dass sie mich von der Tribüne aus angeschrien haben, ich hätte trotzdem gern zurückgeschrien: 'Ihr versteht es nicht.'"

Was Kitson ebenfalls als Problem ausgemacht hat: gewisse ungeschriebene Verhaltensregeln der Branche: "Die Idee, dass das, was in der Umkleidekabine passiert, in der Umkleidekabine zu bleiben hat, ist das Rezept für ein einsames Leben - das in die Depression und im schlimmsten Fall zum Tod führt."

Kitson lobt daher seinen früheren Teamkollegen David Cotterill, der vor kurzem ebenfalls ein Depressionsleiden öffentlich gemacht hat: "Dass er sein Schweigen gebrochen hat, hat vielleicht nicht nur ihn gerettet, sondern vielleicht auch die nächste Generation."