Bei den Krawallen vor dem Finale der Copa Libertadores wurden auch Spieler verletzt
Bei den Krawallen vor dem Copa Libertadores wurde unter anderem Pablo Perez verletzt © instagram.com/jpbatista20 / Getty Images

München - Totales Chaos vor dem Superclasico: Spieler der Boca Juniors werden verletzt, der Präsident von River Plate muss fliehen. Das Rückspiel wird verschoben.

von SPORT1 , Sportinformationsdienst

Schock für den argentinischen Fußball: Der Superclasico zwischen River Plate und den Boca Juniors ist im Chaos versunken. (Die Ereignisse des Abends zum Nachlesen im TICKER)

Nach einem erschütternden Abend in Buenos Aires ist das Rückspiel des Copa-Libertadores-Finals um einen Tag auf Sonntag, 21 Uhr MEZ verschoben worden. Das teilte der südamerikanische Verband CONMEBOL mit (Copa Libertadores: River Plate - Boca Juniors, Sonntag ab 20.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVETICKER)

Bei der Ankunft der Mannschaft von Boca am Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti bewarfen Fans von River Plate den Bus mit Steinen und anderen Gegenständen. Mehrere Spieler wurden verletzt, Scheiben gingen zu Bruch. Der Polizei gelang es, einige der Täter festzunehmen.

Stadion vorerst gesperrt

Einige Spieler, darunter Stürmer-Star Carlos Tevez, sollen Verletzungen erlitten haben. Die Mittelfeldspieler Pablo Perez und Gonzalo Lamardo haben offenbar Glassplitter ins Auge bekommen. "Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Ihm geht es gar nicht gut", so Vizepräsident Dario Richarte. Später kehrten beide mit bandagierten Augen ins Stadion zurück. "Es sollte eine Party werden und fühlte sich wie Krieg an", bemerkte Perez.

Bei Instagram postete Boca-Teamarzt Jorge Pablo Batista das Ausmaß des Schadens, der sich dann auch über andere soziale Medien verbreitete.

In der Nacht auf Sonntag sperrte die Stadtverwaltung von Buenos Aires das Estadio Monumental vorerst.

"Ein Übermaß an Zuschauern und Versperrung der Fluchtwege", lautete die offizielle Begründung für den Beschluss. Die Sperre der Arena kann allerdings durch die Bezahlung der Geldstrafe in nicht öffentlich gemachter Höhe kurzfristig aufgehoben werden. Logistische Probleme beim erneuten Stadion-Einlass der rund 65.000 Fans, die am Samstag vergeblich auf den Anpfiff gewartet hatten, erscheinen allerdings in jedem Fall unvermeidlich.

Als River-Plate-Präsident Rodolfo D'Onofrio in einem Gang des Stadions vom Sender Fox Sports interviewt wurde, rannte eine Menschenmasse auf der Suche nach dem Ausgang auf ihn zu. Der Präsident musste daraufhin fliehen.

Boca-Profis bekommen Tränengas ab

Berichten lokaler Medien zufolge soll beim Versuch der Polizei, die Lage am Samstag unter Kontrolle zu bringen, Tränengas in den Bus gelangt sein.

Fernsehbilder zeigten mehrere Boca-Spieler, darunter Tevez, hustend und mit tränenden Augen aus dem Bus aussteigen, der mehrere zerbrochene Fenster hatte. "Sie haben uns von überall angegriffen", sagte Kapitän Perez.

Bocas Generalsekretär Christian Gribaudo teilte dem Radiosender La Red mit: "Es ist ein totales Desaster. Die Spieler sind verwundet und nicht in der Lage, die Partie zu bestreiten."

Im Umfeld des Stadions lieferten sich vor dem geplanten Anpfiff außerdem River-Plate-Fans, die sich ohne Eintrittskarten Zugang zur Arena verschaffen wollten, Straßenschlachten mit der Polizei. Insgesamt wurden mindestens 56 Personen vorübergehend verhaftet.

CONMEBOL verlegt erst nach Klub-Vereinbarung

Der Superclasico war ursprünglich für Samstag um 21 Uhr MEZ angesetzt.

Einige Medien berichteten, dass die Boca Juniors direkt um eine Verlegung des Spiels gebeten hätten. Zunächst verschob der Verband den Anstoß aber nur, erst auf 22 Uhr MEZ, dann um weitere 75 Minuten, ehe klar war, dass die Partie nicht mehr an diesem Abend stattfinden würde.

"Wir fühlen uns nicht in der Lage, das Spiel zu bestreiten. Aber wir werden gezwungen zu spielen", hatte Tevez moniert. Letztlich habe eine Vereinbarung zwischen den Klubs zur Verlegung geführt, sagte CONMEBOL-Präsident Alejandro Dominguez.

FIFA-Boss Infantino soll Boca mit Pleite gedroht haben

In einem Krisengespräch mit der FIFA und CONMEBOL signalisierte Boca, angesichts der Vorfälle nicht spielen zu wollen. Auch River plädierte für eine Absage.

FIFA-Präsident Gianni Infantino soll Boca allerdings mit einer Niederlage gedroht haben, falls sich die Mannschaft weigert. "Wir werden dazu verpflichtet, zu spielen", so Richarte.

Laut CONMEBOL habe es zunächst für eine Absage keinen Grund gegeben, da kein Spieler von Boca ernsthaft verletzt sei.

"Keine Sicherheit": Maradona ätzt gegen Staatspräsidenten

Legende Diego Maradona spricht von "einem Terror", unter diesen Umständen "auf den Platz zu gehen". In Argentinien herrsche "keine Sicherheit", klagte er nach einem Spiel mit seiner mexikanischen Mannschaft Dorados de Sinaloa.

Der 58-Jährige schießt sich deshalb auf den argentinischen Staatspräsidenten ein.

Mauricio Macri, so Maradona, sei "ein Desaster. Bei den Wahlen hat er die Menschen mit Lügen getäuscht. Er ist der schlimmste Präsident Argentiniens aller Zeiten - ohne Zweifel".

Boca-Ikone Juan Roman Riquelme konstatierte derweil bei Canal 13: "Das Spiel interessiert jetzt keinen mehr. Es sollte ein Fest geben und nun sprechen wir über all das, was passiert ist. Das tut mir weh."

Auf Twitter meldete sich Carlos Puyol zu Wort. Der frühere Kapitän des FC Barcelona und ehemalige spanische Nationalspieler nannte die Vorkommnisse in Buenos Aires eine "Schande".

Hinspiel musste bereits abgesagt werden

Schon bei dem Hinspiel hatte es eine Verschiebung des Derbys in Buenos Aires gegeben - damals jedoch wegen eines massiven Regens, der das Spielfeld an vielen Stellen unter Wasser setzte. 

Mit 23-stündiger Verspätung wurde die Partie am 11. November angepfiffen. Sie ging 2:2 aus.

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