Fußball: Belgischem Fußball droht Korruptionsskandal, Ivan Leko trainiert den FC Brügge
Ivan Leko trainiert den FC Brügge © Getty Images

Dem belgischen Fußball droht offenbar ein Korruptionsskandal ungeahnten Ausmaßes. Am Mittwoch wurden einige prominente Verdächtige von der Polizei verhaftet.

von Sportinformationsdienst

Belgiens Fußball wird von einem Korruptionsskandal ungeahnten Ausmaßes erschüttert. Am Mittwochvormittag verhaftete die belgische Polizei prominente Protagonisten der höchsten belgischen Liga, der Jupiler Pro League.

Darunter auch Ivan Leko, Trainer von Meister FC Brügge, sowie die bekannten Spielerberater Dejan Veljkovic und Mogi Bayat. 

Es geht um Geldwäsche und Spielmanipulationen im großen Stil.

Leko wird dem Untersuchungsrichter vorgeführt

Leko soll am Donnerstag im Zuge des ausgedehnten Korruptionsskandals dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Das sagte sein Anwalt Walter Van Steenbrugge am Dienstagabend. Er kündigte an, dass sein Mandant "schon bald wieder auf dem Fußballplatz zu sehen sein wird". Der Brügge-Coach musste die Nacht zum Donnerstag im Gefängnis verbringen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden alle Personen, die vorläufig festgenommen wurden, als Verdächtige und nicht als Zeugen verhört. Bayat, der als Spielerberater der mutmaßliche Strippenzieher der kriminellen Machenschaften sein soll, und sein Kollege Dejan Veljkovic sollen am Donnerstag ausführlich verhört werden.

Auch FIFA-Referees in Gewahrsam

Zudem wurden auch diverse Erstliga-Schiedsrichter, darunter die beiden FIFA-Referees Sebastien Delferiere und Bart Vertenten, in Gewahrsam genommen. Auch der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck sowie ein weiterer Spieleragent wurden abgeführt.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Mittag die großangelegte Razzia, bei der 44 Durchsuchungen im ganzen Land durchgeführt und zahlreiches Beweismaterial sichergestellt wurden.

Räumlichkeiten des FC Brügge untersucht 

Insgesamt wurden die Räumlichkeiten von zehn Erstligaklubs zwecks Beweissicherung ins Visier genommen. Dazu zählten der FC Brügge, Gegner von Borussia Dortmund in der Champions League, Rekordmeister RSC Anderlecht, Standard Lüttich und Royal Antwerpen. Insgesamt waren 184 Polizisten in Belgien und 36 Beamte im Ausland an den Durchsuchungen beteiligt.

Justizminister Koen Geens äußerte sich nach Bekanntwerden der gründlich von der Justiz vorbereiteten Polizeiaktion besorgt: "Die Spielabsprachen untergraben die Integrität des Sports. Die Justiz arbeitet an einem fairen Sport."

Der Politiker verwies darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen im Kampf gegen die Korruption im Sport gegriffen hätten. Der flämische Sportminister Philippe Muyters fordert via Twitter "volle Transparenz und Kooperation" von den Klubs bei den Ermittlungen.

Die vielen sauberen Sportler und die Anhänger hätten das Recht auf einen ehrlichen Sport.

Brügge-Präsident geht von Missverständnis aus

Brügges Präsident Bart Verhaeghe sagte der Polizei die volle Unterstützung seines Klubs zu.

Er glaubt an die Unschuld seines Trainers Leko, der mit Veljkovic befreundet sein soll, und geht von einem großen Missverständnis aus: "Die Untersuchungen werden zeigen, dass bei uns alles sauber ist. Zudem schützen wir unseren Trainer Ivan Leko, dem nichts vorzuwerfen ist."

Durchsuchungen nach monatelangen Ermittlungen

Die Kriminalpolizei Limburg hatte mit Unterstützung der Bundesjustizpolizei von Antwerpen, Leuven, Wallonisch-Brabant, Brüssel, Halle-Vilvoordet, Ostflandern, Westflandern, Lüttich und Mons am frühen Mittwochmorgen mit ihren Durchsuchungen begonnen, die im Laufe des Tages anhielten. Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen.

Die Ermittlungen waren durch eine Klage des VC Westerlo, der Ende der Saison 2016/17 abgestiegen war, ins Rollen gekommen. Es ging um den Verdacht, dass die Partie zwischen Kortrijk und Mouscron möglicherweise verschoben gewesen sei. Mouscron musste das Auswärtsspiel in Kortrijk gewinnen und holte tatsächlich den Dreier. Klienten von Bayat standen sowohl bei Kortrijk als auch bei Mouscron unter Vertrag. 

Verdacht der Steuerhinterziehung

Auch ein ehemaliger Anwalt und Journalisten seien in den Betrug involviert gewesen, berichten übereinstimmend belgische Medien.

Zudem hätten nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft vergangene Spielzeit bestimmte Spielervermittler unabhängig voneinander Transaktionen durchgeführt, um so dem Finanzamt Einnahmen aus Provisionen in Bezug auf Spielertransfers, Spieler- und Trainergehälter und andere Zahlungen vorzuenthalten.

In diesem Zusammenhang gab es auch Ermittlungen in 13 anderen Ländern, insbesondere in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro, Serbien und Mazedonien.