Der frühere Bundesliga-Profi Miroslav "Miki" Stevic (r.) ist heute als Spielerberater tätig
Der frühere Bundesliga-Profi Miroslav "Miki" Stevic (r.) ist heute als Spielerberater tätig © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago

München - Beim Skandal-Spiel Saloniki gegen AEK Athen trägt der PAOK-Präsident eine Waffe bei sich. Ex-Profi Miki Stevic, ein Bekannter des Klub-Bosses, erklärt bei SPORT1 die Hintergründe.

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Die Nacht der Schande hielt viele in Atem.

Das griechische Topspiel zwischen Pokalsieger PAOK Saloniki und Spitzenreiter AEK Athen musste am Sonntag abgebrochen werden, mehrere Personen liefen auf den Platz, darunter PAOK-Präsident Ivan Savvidis - mit einer Waffe am Gürtel.

Bei SPORT1 erklärt der frühere Bundesliga-Profi Miroslav "Miki" Stevic (u.a. 1860 MünchenBorussia Dortmund), der den Klub-Boss seit drei Jahren gut kennt, was hinter dieser Szene steckt, die in den internationalen Medien hohe Wellen geschlagen hat.

"Viele Entscheidungen, unter anderem das aberkannte Tor, waren merkwürdig", blickt Stevic zurück auf die Partie: "Die Reaktion des Präsidenten ist natürlich nicht normal. Er hat die Waffe getragen, weil er, seine Familie und viele Angestellte bedroht wurden. Es gab Bombendrohungen und telefonische Drohanrufe."

PAOK-Boss besorgt sich Waffenschein

Der 48-Jährige erklärte weiter: "Savvidis hat sich vor einem Monat einen Waffenschein besorgt. Die Waffe geriet in Vergessenheit durch die emotionale Bedrohung und war nicht für einen Einsatz geplant. Er hat niemals jemanden bedroht."

Savvidis habe lediglich verhindern wollen, dass die Fans auf den Platz stürmen, so Stevic. 

"Sein Pech war, dass er den Mantel ausgezogen hat. Er hat natürlich auf dem Platz nichts zu suchen, hat aber niemanden bedroht. Savvidis hat seinen Fehler auch eingesehen. Er ist noch nie auf den Platz gerannt, war immer in seiner Loge."

2015 gab es beim Transfer des bosnischen Nationalspielers Gojko Cimirot nach Saloniki erstmals Kontakt zwischen Stevic und Savvidis. Durch diverse weitere Wechsel kennen sich die beiden Männer gut.

Stevic verteidigt PAOK-Boss: "Herzensguter Mensch"

Stevic bricht eine Lanze für Stavvidis: "Der Präsident ist ein herzensguter Mensch." Sein Traum sei es, "dass PAOK nach vielen Jahren wieder griechischer Meister wird."

Er habe "sehr viel Energie, Seele und Geld in den Klub gesteckt. Der Verein hat sich unter ihm enorm weiterentwickelt und die Verhältnisse sind fast wie in einem deutschen Klub. Das ist der einzige Klub in Griechenland, der pünktlich die Gehälter für seine Spieler zahlt."

Savvidis sei "mit Leib und Seele bei diesem Verein. PAOK ist sein Leben". Und er hat die Rückendeckung aus dem Klub. "Bei Instagram und Twitter haben sich viele Spieler positiv über ihn geäußert", betont Stevic.

Savvidis sei vor allem "ein Mensch alter Schule mit deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit", lobt Stevic. Auch die Spieler würden geschlossen hinter dem Klub-Boss stehen. "Es hat sich noch nie ein Spieler über ihn beschwert. Er ist für die Spieler wie ein Vater. Man versucht ihn oft zu provozieren, weil man weiß, wie sehr er PAOK liebt."

"Darf nicht passieren"

Das Chaos auf dem Platz verurteilt Stevic. "Am Ende waren das jedoch keine schönen Bilder und das darf natürlich nicht passieren."

Nach tumultartigen Szenen beendete der Schiedsrichter das Spiel am Sonntag vorzeitig, die AEK-Spieler hatten den Platz zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. 

Nach dem Ausraster reagierte die Staatsanwaltschaft in Thessaloniki und erließ Haftbefehl gegen den Klub-Präsidenten. Dies teilte die Polizei mit. 

Die griechische Regierung hat nach einem erneuten Eklat die Unterbrechung der heimischen Fußball-Meisterschaft angeordnet.

Griechische Liga wird gestoppt

"Wir haben entschieden, die Liga zu stoppen. Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben", sagte der stellvertretende Sportminister Georgios Vassiliadis nach einem Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag.

Stevic sieht ein generelles Problem. "PAOK ist ein Verein, der sich trotz der Probleme in der griechischer Liga und einer anderen Mentalität wie ein deutscher Verein darstellt. Saloniki ist im Vergleich zu Athen Provinz und das ist auch ein Problem, denn die Athen-Lobby tut alles, damit PAOK nicht Meister wird. Aber PAOK hat es verdient ganz oben zu stehen."

Und weiter: "Leider ist jetzt dieser Vorfall passiert. Die Leute dort lieben Fußball und dazu gehören viele Emotionen, aber Griechenland braucht eine saubere Liga."

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