Kevin Stotz (r.) hospitierte vor seinem China-Gastspiel schon in Fulham bei Felix Magath
Kevin Stotz (r.) hospitierte vor seinem China-Gastspiel schon in Fulham bei Felix Magath © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago / Picture Alliance
Lesedauer: 3 Minuten

München und Heidelberg - Kevin Stotz war Co-Trainer von Felix Magath bei Shandong Luneng. Bei SPORT1 gibt er interessante Einblick über die Strukturen im chinesischen Fußball.

Anzeige

Wirtschaftlich und politisch gehört China längst zu den wichtigsten Nationen weltweit.

Im Fußball aber ist das Reich der Mitte immer noch ein Entwicklungsland, trotz oder gerade wegen der riesigen Investitionen der letzten Jahre. Denn das viele Geld floss nicht in die richtigen Kanäle. Behauptet jemand, der sich im chinesischen Fußball auskennt.

Anzeige

Kevin Stotz war eineinhalb Jahre Co-Trainer von Felix Magath bei Shandong Luneng in der chinesischen Super League und hat in dieser Zeit viele Einblicke in den Fußball des Landes bekommen.

Statt immer mehr internationale Stars zu holen, hätten sich die Verantwortlichen des Verbandes schon viel früher um die Jugendarbeit kümmern sollen, sagt der 27-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Stotz hospitierte bei Magath

"Es wird nötig sein, auch in dem Bereich internationale Nachwuchskoordinatoren und Jugendtrainer einzusetzen, um bereits an der Basis anzusetzen", erklärt Stotz, der einst bei Magath hospitierte, als der noch beim FC Fulham Trainer war.

Stattdessen holten die Klubs europäische Startrainer, "die dann noch irgendwas rausholen sollen", so Stotz. Dann sei es aber oft schon zu spät.

Auch bezüglich ihrer Transferpolitik kritisiert der Deutsche die chinesischen Klubs hart: "Die Sportdirektoren wollen sich nicht viel reinreden lassen. Man kann zwar Wünsche äußern bezüglich Spielertransfers. Aber dass die so umgesetzt werden, habe ich nicht erlebt."

Genauso schwierig sei der Umgang mit den Spielern. "Ich will nicht sagen, dass sie vergesslich sind. Wenn man ihnen eine Anweisung gibt, dann wird das am nächsten Tag auch noch umgesetzt. Dann aber gerät es in Vergessenheit. So muss man immer wieder auf die Spieler einreden", erklärt Stotz.

Diese Kritik bezieht er auch auf die sportliche Qualität: "Der eine oder andere Chinese könnte es in Deutschland in die zweite Liga schaffen. Tendenziell aber würde ich sagen, eher dritte oder vierte Liga."

Chinas steiniger Weg an die Spitze

Bis China auch im Fußball im Konzert der Großen mitspielen kann, werde es noch lange dauern, glaubt Stotz, der in Deutschland die B-Lizenz besitzt.

"Es braucht noch viel Zeit. China kam von ganz unten und ist noch relativ weit unten. Sie wollen nach oben. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Das dauert Jahrzehnte", sagt er.

Immerhin scheinen die Verantwortlichen der Liga die Zeichen der Zeit verstanden zu haben. Seit der gerade zu Ende gegangenen Saison dürfen nur drei Ausländer in der Startelf stehen, zwei weitere sind im Kader erlaubt. Zudem müssen zwei U23-Spieler im Kader aufgelistet sein, von denen mindestens einer in der Startelf stehen muss.

Zu einer WM-Teilnahme hat es für China bislang nur einmal gereicht. 2002 in Japan und Südkorea schied man nach drei Niederlagen und 0:9-Toren in der Gruppenhase aus.

Auf dem Weg nach Russland scheiterten die Fußballer des bevölkerungsreichsten Landes der Erde schon in der dritten Qualifikationsrunde.

Berechtigte Hoffnungen auf eine erneute Teilnahme an der Endrunde können sich die Chinesen wohl erst in acht Jahren machen. Für die erste Mega-WM mit 48 Teams qualifizieren sich immerhin acht asiatische Mannschaften, und damit drei mehr als für die kommende WM in Russland.