Philipp Crone, Martin Häner und Cecile Pieper
Philipp Crone ist zweimaliger Hockey-Weltmeister und begleitet für SPORT1 die EM 2017 © Getty Images/Imago/Philipp Heinemann

Philipp Crone erwartet bei der Hockey-EM (LIVE auf SPORT1) aufregende Tage. Für die jungen deutschen Teams sieht er gute Chancen - er warnt aber auch.

Liebe Hockey-Freunde, 

Spannende EM-Tage in Amsterdam stehen bevor (vom 18. bis 27. August LIVE im TV auf SPORT1).

Die deutschen Männer haben keine leichte Gruppe erwischt. Unser stärkster Gegner sollte immer noch England sein. Die stark verbesserten Iren kommen aber sofort dahinter. Polen ist die einzige Mannschaft in der Gruppe, die ich nicht ganz so stark einschätze.

Deutschland wird dabei ein neu formiertes, junges Team ins Turnier schicken. Das liegt daran, dass wir uns im Jahr eins nach Olympia befinden und nach Olympia immer einige Spieler aufhören.

Das Auftaktmatch gegen Irland wird für das Team des neuen Bundestrainers Stefan Kermas direkt ein guter Test werden, bei dem Deutschland von Anfang an voll da sein muss.

Christopher Rühr (l.) sorgte für den entscheidenden Treffer im Spiel gegen die Niederlande
Auf Christopher Rühr (l.) und Mats Grambusch wartet gegen Irland ein schwerer EM-Auftakt © Getty Images

Denn wenn die Iren einen richtig guten Tag erwischen und Deutschland nicht, kann das schnell schief gehen. Das hat man im letzten Spiel in Hamburg gesehen, das Irland mit 4:2 gewonnen hat. Aber es ist gut, dass man direkt zum Auftakt einen solchen Gegner hat.

Die Topfavoriten auf den Titel sind für mich zwar Belgien und die Niederlande - die Deutschen haben aber in den letzten 15 Jahren gezeigt, dass sie eine Turniermannschaft sind. Sollte die Lernkurve gerade der jungen und neuen Spieler steil sein, haben sie im Halbfinale alle Chancen.

Die Niederlande müssen natürlich mit dem Druck vor heimischer Kulisse zurechtkommen, der lähmen oder beflügeln kann. Bei den Niederländern erwarte ich aber nicht unbedingt negative Konsequenzen, da sie über reichlich Erfahrung im Team verfügen.

Kommen wir zu den deutschen Frauen: Diese haben in England, Schottland und Irland gleich drei britische Teams als Vorrundengegner.

Bis vor einigen Jahren hat der britische Stil den Deutschen noch weniger gelegen, aber die Mannschaft hat sich unter Jamilon Mülders sehr gut entwickelt. Sie agieren jetzt mit Ruhe und Geduld gegen Teams, die zwar sehr konsequent, aber vielleicht wenig überraschend und technisch nicht überragend sind.

Ähnlich wie die Iren bei den Männern werden auch die Schottinnen von der ersten Sekunde an da sein. Das ist eine Mentalitätssache. Für Deutschland kann das nur gut sein, da du selbst gleich volle körperliche und mentale Präsenz zeigen musst.

Deutschland muss das überragende Torhüterinnen-Duo der letzten Jahre, Yvonne Frank und Kristina Reynolds, ersetzen. Das wird keine leichte Aufgabe für Julia Ciupka, da sie unmöglich so viel Erfahrung wie Frank und Reynolds mitbringen kann.

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Die deutschen Frauen müssen unter anderem die erfahrene Torfrau Kristina Reynolds ersetzen © Getty Images

Aber so etwas kann schnell gehen. Zwei gute Spiele bei einer EM, ein gutes Penaltyschießen, und schon hast du die nächste internationale Top-Torhüterin. Um deutsche Torhüter mache ich mir nie Sorgen, da die Torwart-Ausbildung hier unerreicht ist.

Bei den Goldfavoriten denkt man natürlich sofort an die Niederländerinnen. Diese wurden in Rio entthront und verloren auch bei der letzten EM im Finale gegen England. Daher werden sie vor heimischer Kulisse unbedingt zeigen wollen, dass sie noch die Nummer 1 sind.

Hinter den Topfavoriten Niederlande und England kommt aber schon Deutschland. Die deutschen Frauen können an einem guten Tag jeden Gegner schlagen, wie man in Rio gesehen hat. Dennoch schätze ich die Titelchancen der Männer etwas größer ein.

Euer Philipp Crone

Philipp Crone, 40, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Crone seine aktive Karriere. Bei den Europameisterschaften in Amsterdam kommentiert er für SPORT1 alle Spiele der Männer.