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München - Andi Wolff und Jogi Bitter halten gegen Ungarn zusammen nur sechs Bälle. Für eine Torhütersteigerung ist gegen Spanien nun aber auch die Abwehr gefordert.

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Ein Einspielen gab es für Andreas Wolff nicht.

Zum Auftakt der Handball-Weltmeisterschaft 2021 ließ ihn Alfred Gislason als Schutzmaßnahme auf der Tribüne schmoren, das geplante Debüt gegen Kap Verde fiel wegen des Corona-Alarms beim Underdog aus (Spielplan und Ergebnisse der Handball-WM 2021).

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Im wichtigen letzten Vorrundenspiel gegen Ungarn war Wolff dann nicht der erhoffte Faktor, wurde ausgetauscht gegen Jogi Bitter.

Kann sich die deutsche Mannschaft im nächsten Kracher gegen Spanien heute Abend nun Besserung erwarten? Oder wird das deutsche Tor dauerhaft zur unerwarteten Problemzone?

Andreas Wolff bei seinem Start in die Handball-WM glücklos

Aus Sicht von Keeper-Legende Henning Fritz ist das Turnier für Wolff bislang schlicht unglücklich gelaufen.

"Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass Andi Wolff das Spiel gegen Kap Verde hätten machen können, um sich Rhythmus, Gefühl und Selbstbewusstsein für das Turnier zu holen", sagt der Weltmeister von 2007 bei SPORT1.

Der Kaltstart gegen Ungarn misslang dann: Nach 18 Minuten stand es 8:11 aus deutscher Sicht, als Alfred Gislason Bitter ins Tor beorderte - und Wolff auf die Bank. Zwei Würfe hatte der Stammkeeper bis dahin entschärft, dabei blieb es bis zum Ende (Paradenquote: 13 Prozent). Zu wenig für die eigenen Ansprüche, zu wenig, um der erhoffte Rückhalt zu sein (Alles zur Handball-WM).

Hat Bundestrainer Alfred Gislason sich also verspekuliert? Diesen Vorwurf findet Fritz unfair: "Da hat sich niemand verzockt, denn diese Spielabsage gegen Kap Verde war im Vorfeld nicht vorauszusehen."

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Bob Hanning: Torhüter nicht Weltklasse

Zu Wolffs Verteidigung muss auch gesagt sein: Die Ungarn kamen viel zu häufig frei zum Wurf - und auch Bitter konnte nicht an seine Leistung anknüpfen, die er gegen (wenig konkurrenzfähige) Uruguayer gezeigt hatte.

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Der Schlussmann des TVB Stuttgart kam auf vier Paraden, was für eine Fangquote von 21 Prozent reichte (So läuft die Handball-WM 2021).

"Unsere Weltklasse-Torhüter haben es nicht geschafft, auch Weltklasse zu halten", merkte Vizepräsident Bob Hanning im RBB an, während Co-Trainer Erik Wudtke die Hauptverantwortung bei der Abwehr sah.

Gislasons Co-Trainer nimmt Abwehr in die Pflicht

"Wir haben die Grundprinzipien, die wir erfüllen müssen, um herausragende Torwartleistungen zu bekommen, nicht erfüllt - zumindest nicht in der Gänze", erklärte Wudtke beim virtuellen Medientermin vor der Spanien-Partie auf SPORT1-Nachfrage (Alle Spiele der Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar hier im LIVETICKER).

Das aggressive Spiel im Innenblock sei in einigen Phasen "nicht vorhanden" gewesen. "Dann kommen die Torhüter nur schwer ins Spiel, das galt sowohl für Andi als auch für Jogi", schlussfolgerte Wudtke: "Wir konnten ihnen nicht so helfen, wie wir wollten, um dann auch die Hilfe von ihnen zu bekommen, die wir erwarten können."

Es sei ein "Wechselspiel zwischen Abwehr und Torhüter", im Abwehrspiel müsse das deutsche Team "einen Schritt nach vorne machen". Europameister Spanien ist schließlich ein noch größeres Kaliber als Ungarn.

Welche Erinnerung an Spanien wird wach?

An diesem Donnerstag (20.30 Uhr: Deutschland - Spanien im LIVETICKER) muss sich auch das deutsche Keeper-Duo - sollte sich Gislason erneut für Wolff und Bitter und gegen Silvio Heinevetter entscheiden - gewaltig steigern, um den deutschen Traum vom Viertelfinale am Leben zu halten. Doch auf wen setzt Gislason von Beginn an?

"Am Ende ist es auch ein Bauchgefühl, aus dem heraus der Trainer einen Torwart beginnen lassen sollte. Gegen Spanien hat Andi Wolff noch gute Erinnerungen - von daher wäre das meine erste Option für dieses Spiel", sagt Fritz zu SPORT1 (Handball-WM 2021: Die Tabellen).

Der 46-Jährige erinnert an das phänomenale EM-Finale 2016, dem letzten deutschen Titelgewinn, als Spanien gegen ein ersatzgeschwächtes deutsches Team haushoher Favorit war - und am Ende Deutschland dank eines glänzend aufgelegten Wolff (48 Prozent Paradenquote) mit 24:17 gewann.

Andreas Wolff trieb die Spanier im EM-Finale 2016 zur Verzweiflung
Andreas Wolff trieb die Spanier im EM-Finale 2016 zur Verzweiflung © Imago

Es ist - je nach Spielverlauf - aber auch zu befürchten, dass eine deutlich nähere Erinnerung zum Vorschein kommt. Denn bei der EM vor einem Jahr setzte es in Trondheim eine herbe Vorrundenpleite (26:33).

Damals hielt Wolff gerade mal einen von 16 spanischen Versuchen, Bitter immerhin sechs von 23.