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München - Die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes sprechen trotz der historisch schlechten WM von Olympia-Gold. Was soll das? Der SPORT1-Kommentar.

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Die deutschen Handballer haben am Montagabend ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Handball-Weltmeisterschaft perfekt gemacht. Sie haben genauso viele Spiele verloren wie gewonnen.

Und dennoch werden die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes nicht müde, von Olympia-Gold zu reden. Es geht wohlgemerkt um ein Turnier, für das sich Deutschland noch nicht einmal qualifiziert hat (Spielplan und Ergebnisse der Handball-WM in Ägypten).

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Was soll das?

"Ich bin überzeugt davon, dass wir um olympisches Gold spielen werden", sagte Vizepräsident Bob Hanning bereits nach dem feststehenden WM-Aus, auch vor dem abschließenden Remis gegen Polen rückte er nicht von seiner Vision ab, die er bereits 2013 geäußert hatte.

Auch Präsident Andreas Michelmann und Sportvorstand Axel Kromer betonten: "Wir halten an dem Ziel fest." Diese Aussagen erscheinen aktuell erst einmal absurd.

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Gold-Gerede irritiert auch Experten

Natürlich spricht nichts dagegen, sich hohe Ziele zu setzen, manchmal kann das sogar Energien freisetzen. Gerade Hanning hat in den vergangenen Jahren, auch wenn er polarisiert, viel für den deutschen Handball getan (Handball-WM 2021: Modus, Spielplan & alle Infos).

Doch rund um eine insgesamt enttäuschende WM, die Hanning selbst mit der Schulnote 4 bewertete, derart vorzupreschen, ist gewagt und irritiert nicht nur die Experten.

Natürlich haben die Verantwortlichen die Hoffnung, schon beim Qualifikationsturnier im März eine ganz andere deutsche Mannschaft auf der Platte zu sehen. Sollten Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Finn Lemke, Steffen Weinhold, Fabian Wiede und Jannik Kohlbacher für das Turnier in Berlin bereitstehen, besitzt der deutsche Kader eine ganz andere Qualität.

Nur auf dem Papier Weltspitze

Auf dem Papier verspräche die Kombination aus dem möglichen Aufgebot und den vergangenen Turnier-Ergebnissen als WM-Vierter 2019 und EM-Fünfter 2020 sicher (erweiterte) Weltspitze.

Aber es gibt zu viele Fragezeichen. Sagen die WM-Absager ihre Teilnahme überhaupt zu? Alfred Gislason kann trotz seiner beeindruckenden Vita nicht zaubern, das hat die WM gezeigt (Tabellen der Handball-WM 2021).

Während in der Abwehr die Hoffnung auf dem Kieler Prunkstück liegt, bleibt die Frage, wer im deutschen Angriff vorangeht. Deutschlands bester Turniertorschütze war der etatmäßige Linksaußen-Backup Marcel Schiller, der allerdings 12 seiner 21 Tore von der Siebenmeter-Linie erzielte, auf Rang 58 - knapp vor Kongos Kult-Koloss Gauthier Mvumbi.

Vision als lähmender Faktor?

Bis zum Quali-Turnier gibt es kein Freundschaftsspiel mehr und damit auch kein Einspielen in womöglich veränderter Konstellation. Und in Berlin wartet mit Schweden - bei der WM aktuell im Viertelfinale - sofort der vermeintlich beste Gegner.

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Deutschland muss direkt zur Stelle sein, denn nur zwei der vier Teams lösen ein Ticket für Tokio, und nach Schweden steht das Duell mit dem EM-Vierten Slowenien an.

Nicht, dass die Vision am Ende zum lähmenden Faktor wird - und der große Traum zum Albtraum.