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München und Gizeh - Das Duell Deutschland gegen Kap Verde ist die erste Spielabsage in der Geschichte einer Handball-WM - und war absehbar. Spätestens jetzt gehört das Turnier abgebrochen.

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Blutstropfen auf einer Schneedecke, ein Kratzer im Glas - oder eben auch ein mehr naiv-erhofftes als denn wirklich seriös-glaubwürdiges Vertrauen in ein Hygiene- und Sicherheitskonzept: 

Es gibt Dinge und Situationen im Leben, deren Unversehrtheit sich im Nachhinein schlichtweg nicht mehr reparieren lassen. (Spielplan der Handball-WM 2021)

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Und so lässt die dramatische wie unübersichtliche Infektionslage in Ägypten, die nun zwangsläufig und folgerichtig zur Spielabsage der Vorrundenpartie der deutschen Nationalmannschaft gegen das Corona-gebeutelte Team von Kap Verde geführt hat, denn auch nur eine Konsequenz zu: Die Handball-Weltmeisterschaft muss abgebrochen werden - jetzt und sofort!

Während einer Pandemie, die die Welt gegenwärtig mehr denn je um Gesundheit bangen und um Tote trauern lässt, weiter festzuhalten an der Austragung eines Sport-Events, wäre mehr als nur fahrlässig und verantwortungslos, wie es DHB-Keeper Johannes Bitter formulierte. Es ist schlichtweg zynisch und menschenverachtend. (SERVICE: Handball-WM 2021: Modus, Spielplan & alle Infos)

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Handball-WM: Von Beginn an zum Scheitern verurteilt

Wer wirklich ehrlich ist: Wie von vielen Kritikern befürchtet, war diese WM - obendrein unnötigerweise erstmals auf 32 Teams aufgebläht - von Beginn an zu einer Farce mutiert und zum Scheitern verurteilt.

Die USA und Tschechien sahen sich bereits vor dem ersten Anwurf zur Absage gezwungen, ließen den Sport im Chaos versinken und unwürdig erscheinen. (Handball-WM 2021: Die Tabellen)

Es gehörte auch wenig hellseherische Befähigung dazu, dass es umso mehr zur Eskalation kommen musste, wenn Nationen kurz zuvor zu Qualifikationsspielen kreuz und quer um den Planeten jetten. (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER)

Oftmals dabei auch in Länder, die ebenso wie Gastgeber Ägypten auf einen Lockdown verzichten. (Kader des DHB-Teams bei der Handball-WM 2021)

Wie absurd und blauäugig zu glauben, im Nachhinein ließe sich die damit aufgegebene Möglichkeit einer frühen Isolation vor Ort kompensieren - die im Übrigen dann immer noch genug Probleme aufwirft wie aktuell im Vorfeld der Australian Open für Angelique Kerber. (die wichtigsten Handball-Regeln zur WM 2021)

Schluss mit Abwarten und Hinhaltetaktik

Durch Tests und Abwarten lässt sich jedenfalls nichts mehr kurieren an dem kranken System, das außerdem hausgemacht daherkommt - Stichwort Anreise, weil durch Linien- statt Charterflüge die Gefahr einer Ansteckung noch vergrößert wurde. 

Der Flächenbrand ist in vollem Gange - und die Blase kann nur noch mit einem riesigen Knall platzen, wenn bei den WM-Verantwortlichen nicht vorher die Vernunft Einzug hält und unverzüglich die Reißleine gezogen wird.

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Ein Schlaglicht darauf, wie unglaubwürdig die ach so sicher geglaubte Blase konzipiert ist, werfen überdies die Nachrücker Schweiz und Nordmazedonien, die quasi aus dem Urlaub in sie hineingestolpert sind.

Da mag der Weltverband IHF auch noch so sehr den Stellenwert der globalen Handball-Familie beschwören: Es ergibt keinen Sinn mehr, diese Titelkämpfe mit aller Gewalt durchzupeitschen - zumal der zu zahlende Preis im Nachhinein gravierend sein wird.

Mal ganz abgesehen von den immer weiter zunehmenden Ängsten und Sorgen der WM-Protagonisten selbst. (Das sind die Mega-Stars der WM)

Langzeit-Folgen wären verheerend - nicht nur für Handball

Selbst wenn der Handball die mediale Präsenz einer WM so dringend benötigt, eine Notbremse sowohl den Gastgeber als auch die Teilnehmer finanziell hart träfe:

Neben den gesundheitlichen Risiken und wirtschaftlichen Adhoc-Konsequenzen wie wegbrechende TV-Gelder wären die Langzeitfolgen umso verheerender. Die nationalen Ligen wären dauerhaft lahmgelegt infolge kranker Spieler und Sportlich Verantwortlicher, Insolvenzen noch schneller vollzogen. (die besten Torjäger der Handball-WM)

Machen die WM-Bosse und IHF in Ägypten nun trotzdem weiter in ihrem leichtfertigen Umgang mit dem tödlichen Virus: Die Signal - und Außenwirkung wäre fatal, auch mit Blick auf die nachzuholende Fußball-EM und die Olympischen Spiele.