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Berlin - Die deutsche Defensive überzeugt bei der Handball-WM vollends und wird zum Trumpf. Abwehr-Ass Wiencek und Teammanager Roggisch sehen sogar noch Luft nach oben.

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Oliver Roggisch hat einen Rat an den deutschen Handball-Nachwuchs.

Die Kinder, so Roggisch, würden nach dem Motto aufwachsen: "Abwehr? Wir wollen Tore werfen, wir wollen die Dreher machen wie Uwe Gensheimer."

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Doch der frühere Abwehrchef und heutige Teammanager der deutschen Nationalmannschaft weiß: "Abwehrarbeit kann richtig Bock machen." Denn das stelle die deutsche Mannschaft bei der Handball-WM unter Beweis.

Und Roggisch hat Recht. Was insbesondere der Innenblock um Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek beim Heim-Turnier (Handball-WM: Deutschland - Serbien ab 18 Uhr im LIVETICKER) leistet, macht einfach Spaß.

Wiencek und Pekeler glänzen gegen Frankreich

"Die Abwehr ist mit das Wichtigste im Handball-Spiel. Wenn man da eine gute Aktion hat, beflügelt das", erklärte Wiencek in einer Presserunde am Mittwoch.

Gegen Frankreich ließ die DHB-Auswahl vor der Pause nur zehn Tore zu, insgesamt waren es 25. "Es war nah am Maximum", schwärmte Roggisch: "Wenn man dann noch dazu nimmt, dass wir elf Paraden von den Torhütern hatten, was nicht außergewöhnlich gut ist, zeigt das, wie gut die Abwehr eigentlich war."

Teilweise kamen überhaupt keine Bälle auf das deutsche Tor. "Da muss man den Jungs wirklich ein riesen Lob machen", sagte Roggisch über den deutschen Mittelblock: "Pekeler und Wiencek haben das hervorragend gemacht." Auch Finn Lemke habe in seiner Einsatzzeit Energie eingebracht.

Eingespielt und emotional

Selbst die eigenen Mitspieler sind beeindruckt. "Was die da hinten an Arbeit verrichten, ist schon sensationell", sagte Steffen Fäth, der in der Defensive immer auf der Bank Platz nimmt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der deutschen Abwehr, die Ex-Weltmeister und ARD-Experte Dominik Klein als "Prunkstück" bezeichnet? Wiencek und Pekeler spielen beim THW Kiel zusammen und bilden auch dort ein respekteinflößendes Innenblock-Duo. "Jeder weiß, was der andere macht", erklärte Wiencek.

Zudem sei ein weiterer Faktor entscheidend. "Wir leben davon, dass wir emotional spielen, dass wir versuchen, die Zuschauer mitzunehmen", so Wiencek.

Roggisch: Emotionen sehr wichtig

Für Roggisch macht die Emotionalität sogar einen Hauptteil der Abwehrarbeit aus.

"Natürlich muss man schnell auf den Beinen sein, taktisch gut ausgebildet sein, aber du kannst mit Emotionalität und Einsatz sehr, sehr viel wegmachen", meinte der frühere Abwehrchef.

Wenn ein Abwehrspieler einen Kollegen habe, der bei einem Fehler "sofort hilft", der "sofort da ist" und Fehler vertuschen könne, "wenn das alles zusammenpasst, dann sind Emotionen bestimmt 50 Prozent deiner Abwehrarbeit", meinte Roggisch.

Einstecken und austeilen

Er erklärt auch, was die Faszination der Abwehrarbeit ist -  trotz der Ellenbogenschläge, Checks und daraus resultierenden Schmerzen, die man einstecken muss.

"Man kann im Innenblock relativ früh in so einem Spiel schon so einen Marker setzen, wie man denn decken will, wie aggressiv man sein möchte. Jeder Block, jeder Steal, jede Aktion, in der du den Kreisläufer besser verteidigst oder nicht zum Wurf kommen lässt, gibt Energie", sagte Roggisch.

"Ich finde auch, dass man einen Block genauso feiern kann, wie ein Tor. Dann macht Abwehrspielen auch Spaß." Denn "wenn man einen guten Block macht, verhindert man meistens ein Tor, da kann man auch mal jubeln", ergänzte Wiencek.

Roggisch: Luft nach oben

Was den kommenden Gegnern - nach Serbien warten in der Hauptrunde Spanien, Kroatien und Island oder Mazedonien - Angst machen sollte: Wiencek und Roggisch sehen Luft nach oben.

"Die Abwehr war schon gut, aber sie kann noch besser werden", sagte Wiencek. Roggisch nannte besonders einen Aspekt. "Wir haben teilweise zu viele Zeitstrafen bekommen, in Aktionen, wo es vielleicht unnötig war", sagte der 40-Jährige, der allerdings hofft, dass in der Hauptrunde von den Schiedsrichtern mehr zugelassen wird.

"Unsere Abwehrarbeit ist sehr nah am Maximum. Aber wir haben überall noch Luft nach oben", sagte Roggisch. Sollte die Abwehr noch eine Schippe drauf legen und gleichzeitig die Torhüter einen besseren Tag erwischen, ist Deutschland nur noch schwer zu stoppen.

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