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Köln - Die deutsche Handball-Nationalmannschaft trifft am Montag auf Kroatien. SPORT1 nennt die Schlüssel zum Sieg. Geduld ist in zweierlei Hinsicht gefragt.

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Dank des brasilianischen Coups gegen Kroatien steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft dicht vor dem Einzug ins Halbfinale der Heim-WM.

Mit einem Sieg gegen die Kroaten am Montag hätte Deutschland das Ticket bereits sicher, auch andere Szenarien sind möglich.

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SPORT1 zeigt, worauf es im Duell mit dem Handball-Giganten, der bis zum Brasilien-Spiel ein bärenstarkes Turnier abgeliefert hat, ankommt.

Geduld

Die Kroaten variieren wie die deutsche Mannschaft zwischen einer 6-0-Abwehr und einer 3-2-1-Abwehr. Gegen die sehr stabile und große Abwehr ist Ruhe gefragt.

"Wir müssen sehr, sehr geduldig sein", sagte Fabian Böhm. Der Halblinke fordert: "Wir dürfen nicht sofort den Tor-Abschluss suchen, sondern die großen Leute in Bewegung bringen. Dann werden wir zu guten Wurfsituationen kommen."

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Gegen die 3-2-1-Verteidigung sei es wiederum laut Steffen Weinhold wichtig, "dass wir uns nicht zu technischen Fehlern provozieren lassen." Bundestrainer Christian Prokop erwarte grundsätzlich aber auch "eine Steigerung im Angriff".

Langer Atem

A propos Geduld: Gut möglich, dass die Partie dann auch eine Kraftfrage wird.

"Es wird kein Spiel, was in der ersten Halbzeit entschieden wird oder den ersten zehn Minuten", prognostizierte Böhm. Vorteil Deutschland, das mit einem Tag Pause den längeren Atem haben sollte.

Kroatiens Topstar Domagoj Duvnjak versprach zwar einen Kampf über 60 Minuten, sagte aber auch: "Gegen Deutschland wird es brutal schwer. Sie haben eine überragende Mannschaft und spielen ein richtig gutes Turnier." Die Erschöpfung war ihm nach der Niederlage gegen Brasilien deutlich anzumerken.

"Wenn wir beharrlich die 60 Minuten arbeiten, werden wir als Sieger vom Feld gehen", meinte Böhm.

Stimmung und Verfassung

Deutschland ist noch ungeschlagen und sammelte beim Hauptrundenstart gegen Island wichtige Punkte. Am Medientag am Sonntag betonten die Spieler einmal mehr die tolle Stimmung im Team, auch nach Fehlern sind die Akteure füreinander da, bei gelungenen Aktionen freut man sich miteinander.

Die Kroaten dagegen müssen nach dem Schock gegen Brasilien schnell wieder die Köpfe nach oben bekommen, am Sonntag war auch Duvnjak hin und wieder der Frust anzumerken, auch seinen Mitspielern.

"Kleinigkeiten werden entscheiden", sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher und nannte einen möglichen weiteren Faktor: "Vielleicht auch das Glück."

Abwehrspiel

Deutschlands größter Trumpf ist das Abwehr-Bollwerk. Besonders der Innenblock um Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler verrichtet Schwerstarbeit und bringt die Gegner zur Verzweiflung.

"Wie wir verteidigen, ist beeindruckend. Wenn wir das Niveau in der Abwehr halten können, ist einiges möglich", sagte Böhm.

Deswegen kommt es auch gegen Kroatien auf eine stabile Abwehr und ein gutes Zusammenspiel zwischen Torhüter und Defensivreihe an. Denn die Kroaten haben mit Duvnjak und Luka Stepancic Weltklasse-Spieler im Rückraum. Verzichten müssen sie jedoch auf Spielmacher Luka Cindric, der sich bei der Niederlage gegen Brasilien verletzte und für den Rest des Turniers ausfällt.

"Ich glaube, die Kroaten spielen am Montag nicht gerne gegen uns", sagte Kai Häfner.

Dazu muss die DHB-Auswahl, sollte Kroatien wieder auf die 7-6-Überzahl im Angriff setzen, ähnlich clever agieren wie die Brasilianer, die den Kroaten den Spielfluss und die Geschwindigkeit nahmen, technische Fehler provozierten und dadurch einfache Tore erzielten.

Fans

Last but not least: Die Fans. "Die Zuschauer sind ein riesen Vorteil für uns. Zu wissen, dass 19.500 Zuschauer hinten uns stehen, gibt Sicherheit und viel Selbstvertrauen", sagte Böhm.

Zwar hatte noch keiner der bisherigen Gegner so viele eigene Fans auf seiner Seite - die kroatischen Fans waren schon in der Vorrunde in der Münchner Olympiahalle zahlreich und lautstark vertreten -, doch bereits am Sonntag, als die prinzipiell neutralen Zuschauer Brasilien die Daumen drückten, waren Kroatiens Anhänger schnell überstimmt.

So haben die Deutschen vielleicht nicht, wie Duvnjak sagt, "20.000 Zuschauer hinter sich", aber dennoch wieder eine Wand, die sich wie ein zusätzlicher Feldspieler anfühlt.

"Ich will da nicht in Kroatiens Haut stecken", sagte auch Bundestrainer Prokop. Weinhold hofft nach der "bombastischen Atmosphäre" gegen Island, "dass es noch besser wird."

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