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München - Es war eines der meist diskutierten Themen während der Handball-WM: die hohe Belastung. Die Meinungen der Experten gehen dabei teils weit auseinander.

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Immer wieder sorgte ein Thema bei der Handball-WM für Verärgerung: Die hohe Belastung während des Turniers und generell im Profi-Bereich.

Zehn Spiele in 18 Tagen haben Top-Teams wie Weltmeister Dänemark, Norwegen, Frankreich oder die deutsche Mannschaft in den Knochen. Zu viel - da waren sich fast alle einig. Ihrem Ärger darüber machten einige Spieler öffentlich Luft.

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Turnier-MVP Mikkel Hansen etwa, der trotz Weltmeistertitel schimpfte: "Es ist sehr schwer. Sehr, sehr schwer", sagte Hansen zu SPORT1 über die anstrengenden Wochen: "Ich hoffe, dass die Leute ein bisschen darüber nachdenken. Denn es wird zum Problem."

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Als Zuschauer wolle man immer die besten Spieler auf dem Feld sehen. Die Folge: Eine Vielzahl an Verletzungen. Martin Strobel, Schwedens Jesper Nielsen oder Teamkollege Jim Gottfridson sind nur einige Namen, die es erwischt hat. Dänemarks Hans Lindberg, der nach einer Wadenverletzung erst zum Finale zurückgekehrt war, sprach gar von zehn kleinen Blessuren alleine im dänischen Team. 

Kehrmann: "Dürfen nicht ständig jammern"

Die hohe Anzahl an Spielen auf Vereinsebene kommt noch erschwerend hinzu. Auch in der Bundesliga wurde das Problem vielfach diskutiert. Die Einstellung der Spieler zum Thema Überbelastung wurde während der Weltmeisterschaft mehr als deutlich.

Doch es gibt auch Beteiligte, die das Ganze differenzierter betrachten. "Natürlich ist die Grenze bei einem Top-Spieler, der bei einem Top-Verein in der Bundesliga und im Nationalteam spielt, erreicht. Allerdings haben die absoluten Top-Mannschaften ihre Kader inzwischen qualitativ und quantitativ so aufgestellt haben, dass sie diese Belastung abfangen können", sagte Florian Kehrmann im Interview mit SPORT1.

Es gebe eine Vielzahl an Bundesligisten, die nicht zwingend über eine Überbelastung klagen. "Wir dürfen nicht ständig jammern, wir haben für mich immer noch die beste und attraktivste Liga der Welt", so der Coach des TBV Lemgo. Viel eher solle man das Ganze positiv anpacken und das Produkt Handball als einen tollen Sport betrachten, findet Kehrmann.

Glandorf glaubt an Anpassungen

Auch sein Weltmeister-Kollege von 2007, Holger Glandorf, will nicht alles schlecht reden und sieht sogar bereits Verbesserungen. "Es ist schon viel passiert, auch am Bundesliga-Spielplan. Das wurde ja bereits angekündigt." In der Nationalmannschaft müsse man versuchen, dass die Spieler mehr Regenerationszeit zwischen den Spielen bekommen.

"Dazu muss ein Turnier länger dauern oder die Anzahl der Teilnehmer verringert werden", sagte der Linkshänder der SG Flensburg-Handewitt zu SPORT1. Wenn man jeden zweiten Tag oder sogar teilweise zwei Tage nacheinander spielen muss, sei das aber schon "eine riesen Belastung." Laut Glandorf gebe es bereits Gespräche auf Bundesliga-Ebene. Der 35-Jährige ist sich sicher: "Da wird etwas passieren."

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