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München - Der DHB entlässt Christian Prokop, obwohl er zuvor eine Jobgarantie ausspricht. Christian Schwarzer findet das Verhalten fragwürdig und fordert weitere personelle Konsequenzen.

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Hallo Handball-Fans,

kurz nach dem EM-Aus hatte Bundestrainer Christian Prokop noch eine Jobgarantie erhalten. DHB-Sportvorstand Axel Komer hatte beteuert, mit ihm "natürlich" in Richtung Olympia zu gehen.

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Nur elf Tage nach dem Ende der EM ist Prokop nun entlassen worden, sein Nachfolger steht mit Alfred Gislason bereits fest. In anderthalb Wochen hat der DHB seine Meinung also um 180 Grad geändert - und macht sich damit lächerlich.

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Scheitern von Prokop ist Scheitern von Hanning

Für Christian Prokop finde ich es schade. Denn nach den ganzen getätigten Aussagen während und nach der EM geht man jetzt einen solchen Schritt. Das ist für mich schon sehr fragwürdig und befremdlich, muss ich ehrlich gestehen.

So geht man nicht mit Menschen um. Aber eigentlich passt es auch ziemlich genau in das Persönlichkeitsbild des DHB-Vizepräsidenten (Bob Hanning, Anm. d. Red.). Es sollten sich andere Personen überlegen, ob sie an der jeweiligen Stelle noch so richtig sind.

Vielleicht müsste nicht nur der Trainer gehen, sondern auch derjenige, der ihn installiert hat. Ein Scheitern von Prokop ist nach meiner persönlichen Meinung einhergehend mit dem Scheitern von Hanning. Für mich hängt das eine mit dem anderen ganz eng zusammen.

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"Projekt Prokop" mit Begleitumständen

Man muss in dieser Geschichte einmal drei Jahre zurückgehen, als das "Projekt Prokop" begonnen hat, und sich die Frage stellen:

War es damals die richtige Entscheidung, so einen jungen Trainer mit den ganzen Begleitumständen wie der Ablösesumme zu verpflichten - oder hätte man einen international erfahrenen Trainer, wie es sein Vorgänger Dagur Sigurdsson war, nehmen sollen?

Da fängt das ganze Spiel ja schon an.

DHB fehlt Einigkeit bei Zielsetzung

Prokop hat es mit seiner Mannschaft verpasst, bei der EM das Ziel Halbfinale zu erreichen. Aber die Frage beim Thema Zielsetzung ist ja immer: Wer hat das Ziel ausgegeben? Der Trainer oder die Offiziellen?

Denn eine Einigkeit innerhalb dieses Projektes hat es bei diesem Thema in meinen Augen nicht immer gegeben. Vielleicht hätte man da nach außen hin von der Führungsebene auch ab und zu einmal Understatement walten lassen sollen.

Damit hätten man auch seinen Trainer und die Mannschaft schützen können.

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Gislason hat eine Philosphie

Bob Hanning versucht nun mit Alfred Gislason, einem erfahrenen Trainer, noch etwas zu retten – was auch funktionieren kann.

Ich weiß, dass Alfred immer eine Philosophie hat, wenn er Mannschaften übernimmt. Er geht selten in Projekte, ohne einen Plan zu haben.

Natürlich ist es etwas anderes, eine Vereinsmannschaft zu trainieren, wo man sich die besten Spieler von verschiedenen Nationalitäten zusammenholen kann. Hier geht es jetzt um eine Nationalmannschaft, wo man mit dem Material arbeiten muss, das da ist. Aber es ist sehr gutes Material vorhanden!

Euer Christian Schwarzer

Christian "Blacky" Schwarzer, 50, hat 318 Länderspiele für Deutschland absolviert und erzielte dabei 965 Tore. Mit dem TBV Lemgo gewann der Kreisläufer den DHB-Pokal (2002) und die Deutsche Meisterschaft (2003). 2006 fügte er mit Lemgo noch den EHF-Cup seiner Titelsammlung hinzu. Bereits zuvor holte er mit dem FC Barcelona in Spanien das Triple aus Meisterschaft und Pokal sowie der Champions League (2000). Mit der Nationalmannschaft holte er 2004 Silber bei den Olympischen Spielen in Athen und wurde im gleichen Jahr Europameister. Beim Wintermärchen 2007 gewann er mit dem DHB-Team den WM-Titel im eigenen Land.